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Jens Matheuszik — 14. November 2007, 19:11 Uhr

Mach’s gut Franz!


Franz Müntefering und Hannelore KraftGestern kam ich nicht dazu den geplanten Rücktritt von Franz Müntefering hier im Pottblog zu erwähnen. Lag u.a. daran, dass ich (höchst indirekt) für ihn gearbeitet habe…

Ich persönlich schätze Franz Müntefering sehr und wenn ich ihn bei Veranstaltungen wie SPD-Parteitagen habe reden hören, wusste ich u.a., warum ich in der SPD bin. Daher bedaure ich seinen Rücktritt natürlich sehr – wobei ich ihn natürlich auch sehr gut verstehen kann. Die persönlichen Gründe für seinen Rücktritt kann wohl jeder verstehen und mit 67 darf wohl jeder mal in Rente gehen (ob das für mich in weniger als 50 Jahren auch noch gilt?).

Nichtsdestotrotz glaube ich nicht so recht daran, dass es nur die persönlichen Gründe sind. Ich denke die bewusste Düpierung der SPD als Regierungspartner und insbesondere von Franz Müntefering als zuständigen Ressortminister und Verfechter des bereits sehr kompromissgeglätteten Mindestlohnes durch niemand anderes als Angela Merkel wird ihn zu mindestens nicht dazu gebracht haben, weiter im Amt bleiben zu wollen.

Angela Merkel hat sich damit aber vielleicht auch ein Eigentor geschossen – denn dadurch ist der noch amtierenden Bundeskanzlerin und CDU-Parteivorsitzenden ein loyaler und verlässlicher Gesprächspartner der SPD innerhalb der Bundesregierung abhanden gekommen. Nicht dass die anderen SPD-Minister nicht auch loyal zur Kanzlerin stehen – aber Franz Müntefering vertrat die große Koalition mit Verve auch innerhalb der SPD, konnte Fraktionssitzungen, Parteitage und Mitgliederversammlungen für das gemeinsame Projekt begeistern.

… und wurde doch meiner Meinung nach jetzt perfide durch seine noch-Vorgesetzte verar… – um es mal deftig auszudrücken.

Wie sagte Franz Müntefering noch im Bundestagswahlkampf 2005?

„Die kann es nicht.“

Und wo wir gerade bei Zitaten sind – einer der inhaltlich schönsten Kommentare (im Gegensatz zum Verballdurchfall von der SED/PDS/Linkspartei/wie_sie_auch_immer_gerade_heißen_mag und der FDP) stammt von Gerhard Schröder, der laut diesem Bericht seine Stellungnahme mit

„Um es im Münte-Sprech zu sagen: „Arbeit gut, Hilfe groß, Mensch klasse.“ Danke Franz!“

schloss.

PS: Das Foto, auf dem auch die Landesvorsitzende Hannelore Kraft zu sehen ist, stammt aus diesem Beitrag und nicht vom aktuellen Parteitag, da ich derzeit gerade keine Fotos hochladen kann (Technik…).


4 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Markus Sowada @ 14. November 2007, 20:01 Uhr

    Meiner Meinung nach werden wir wohl nie wirklich erfahren, was exakt Franz Müntefering dazu brachte, von seinen Ämtern zurück zu treten. In gewisser Hinsicht ist das auch gut so. Die komplette Meute der Hauptstadt-Journalisten wird sich ein letztes Mal an diesem Urgestein des Zähne ausbeißen. Er wird selber entscheiden, ob, wann und bei welcher Gelegenheit er dieses kleine Detail seines politischen Lebens öffentlich macht.

    Du hast es schon geschrieben. Franz Müntefering wird der Partei fehlen. Leute wie ihn gibt es immer weniger, eigentlich gibt es niemanden mehr wie ihn. Die jüngeren sind längst an der Macht. Sie machen Politik mit anderen inhaltlichen Schwerpunkten und auch in einem anderen Stil. Ich bin noch nicht sicher, ob sie wirklich schon soweit sind. Augenblicklich gibt es in der SPD aus meiner Sicht nicht allzu viel wirklich erstklassiges Personal. Ich meine wahrzunehmen, daß sich große Teile der Partei insgeheim in die Opposition sehnen. Und dann wollen sie es doch wieder nicht. Wer sollte auch die kleinen Leuten vertreten wenn nicht die SPD? Da ist niemand, der es ernst meint. Da sind stattdessen allzu viele, die einzig die Wählerstimmen haben wollen und dann ihre Ruhe. Die SPD müßte mutiger entscheiden, müßte sich trauen, den wenigen jungen UND guten Verantwortung zu geben, ohne sie erstmal 50 Jahre Parteiarbeit machen zu lassen. Der Stallgeruch, den viele konservative Parteimitglieder sich so sehr wünschen, ist schon lange keine entscheidende Qualifikation mehr. Anderes zählt mehr.

    Bei all den Gedanken und den Sorgen um die Zukunft der Partei vermisse ich Franz Müntefering eigentlich sogar jetzt schon. Dennoch gilt auch: er hat verdient, daß man ihn nun nach etlichen Jahrzehnten für die SPD anderes machen lässt. Danke Franz!


  2. (2) Kommentar by yvonne @ 14. November 2007, 20:14 Uhr

    danke jens!


  3. (3) Kommentar by Der Dennis @ 15. November 2007, 09:24 Uhr

    Ich weis nicht ob es richtig und gut ist, jetzt der CDU bzw. Frau Merkel Schuld zuzuweisen. Vielmehr wurde doch Herr Müntefering in den letzten Wochen von seiner eigenen Partei sauer gefahren.

    Er hat meiner Meinung nach ganz einfach nur erkannt, dass er jetzt zum alten Eisen gehört und das andere an der Reihe und bereits an der Macht sind.

    Was die eventuell fehlende Qualifikation von jüngeren angeht, bin ich mir ebenfalls nicht sicher. Es ist ganz einfach so, dass ein großer Teil unserer Politiker arrogant und völlig abgehoben ist. Die Nähe zum Volk fehlt und ist auch gar nicht gewollt, wenn nicht grade Wahlen sind. (Als kleines Beispiel: Herr Dr. Wiefelspütz bei abgeordnetenwatch.de, einfach mal in Ruhe in seinen Antworten auf so manche Frage wühlen. Arroganter geht es kaum noch.)

    Aber Wahlen sind dann wieder das nächste Problem: Reines Schauspiel. Wir werden bis zur Bundestagswahl ganz sicher nicht mehr viel konstruktives von dem großen Haufen Sch… in Berlin zu erwarten haben. Hier und da ein paar Stellschrauben. Aber nichts entscheidendes.

    Und unterdessen geht unsere Konjunktur wieder langsam den Bach runter. Da kann sich eine Frau Merkel eine Million mal auf die Schulter klopfen. Sie hat recht wenig zur aktuell etwas besseren Lage beigetragen. Ich bin sogar der Meinung das alle unsere Politiker recht wenig dazu beitragen…


  4. (4) Kommentar by Volker @ 15. November 2007, 21:06 Uhr

    @Müntefering:

    Glück Auf!


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