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Jens Matheuszik — 9. November 2007, 19:09 Uhr

Von Löwen und Lämmern: Eindrucksvoller Film, der mehr Fragen als Antworten bietet


Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei Westropolis, dem Kulturportal der WAZ-Mediengruppe, welches zum 1. Januar 2011 seine Pforten schließt.

Der am 8. November 2007 in Deutschland gestartete Film Von Löwen und Lämmern von und mit Robert Redford handelt von der Politik, dem Krieg und moralischen Werten.

Vor dem Hintergrund des von George W. Bush jr. ausgerufenen „War on Terror" im Irak und Afghanistan werden diese Themen in diesem Film angesprochen.

 

Drei getrennte Handlungsebenen bilden die Kulisse des Filmes:

Einmal die am Hindukusch kämpfenden US-Soldaten Arian und Ernest, dann der Universitätsprofessor Dr. Malley, der versucht seinen Studenten Todd zu überzeugen etwas aus seinem Leben zu machen und schlussendlich die Reporterin Janine Roth der von Senator Jasper Irving „die Story" schlechthin angeboten wird.

 

Auf den ersten Blick haben die drei Ebenen nichts miteinander zu tun, doch nach und nach werden die Verbindungen offenbart. Todd wurde von Professor Malley zu sich gebeten, um zu erklären, warum er so viele Fehlzeiten hat. Der Professor zeigt sich darüber betrübt, weil er in dem Studenten Todd ein großes Potential sieht und es daher bedauert, dass Todd seine Lehrveranstaltungen nicht mehr besucht. Todd versucht ihm klar zu machen, dass er das Interesse an den Politikwissenschaften verloren hat, da er der Meinung ist, dass die Politik ein dreckiges Geschäft sei und man nichts verändern könne. Der Professor sieht das anders und erzählt ihm von seinen ehemaligen Studenten Arian und Ernest. Diese wollten nicht nur einfach studieren und dann irgendeinen Job annehmen, sondern etwas bewegen und ließen sich daher für den Afghanistan-Einsatz verpflichten.

 

In Washington D.C. wird die erfahrene Journalistin Janine Roth vom aufstrebenden republikanischen Senator Jasper Irving zu einem persönlichen Gespräch empfangen und er will ihr die neueste Strategie im Krieg gegen den Terror nahe legen und sie für diese Pläne gewinnen. Teil dieser Planungen ist auch die militärische Aktion, an der Arian und Ernest in der dritten Handlungsebene teilnehmen. Roth versucht das ganze zu überblicken und des Teufels Advokaten zu spielen, da sie sich nicht schon wieder – nach dem Irak-Krieg – vor den Karren der Politik spannen lassen will.

 

Von Löwen und Lämmern ist kein Popcornkinofilm, dessen Bilder man mehr oder weniger vergnügt an sich vorüberziehen lässt. Gut geschriebene Dialoge schildern archetypisch gesellschaftliche Konflikte, vor denen die einzelnen Personen stehen. Dabei wirkt der Film gar nicht moralinsauer und schwingt auch nicht den moralischen Zeigefinger auch wenn natürlich recht klar wird, was Robert Redford von der US-Politik der vergangenen Jahre hält. Nicht umsonst orientiert sich der Titel des Filmes an einem ursprünglich deutschen Sprichwort aus dem ersten Weltkrieg, wo es seitens der deutschen Soldaten hieß, dass die britischen Soldaten wahre Löwen seien, die jedoch leider von Lämmern kommandiert werden.

 

Neben den zum Nachdenken anregenden Inhalt ist auch die handwerkliche Qualität des Filmes sehr gut. Angefangen natürlich bei den Schauspielern, wo u.a. Meryl Streep als Janine Roth, Robert Redford als Prof. Dr. Malley und Tom Cruise als Jasper Irving agieren, bis hin zu kleinen Details wie die deutschsprachigen Übersetzungen von bestimmten Texten (z.B. den Umfragewerten aus der Zeitung die der Senator gerade liest), die eigentlich nur deswegen auffallen, weil klar ist, dass ein US-Senator in einem amerikanischen Film keine deutschsprachige Zeitung liest. Hier nutzt man dann mal die digitale Tricktechnik sinnvoll (anstatt wie z.B. in einem der letzten Filme von Meryl Streep ihr nachträglich ein digitales Facelifting zu verschaffen) und den Filminhalt unterstützend und nicht ersetzend.

 

Insgesamt betrachtet wirft der Film, der übrigens geradezu untypisch endet, mehr Fragen als Antworten auf und sorgt dafür, dass man über die Inhalte noch einige Zeit reflektiert. Schön wäre es, wenn dies nicht nur auf dieser Seite des Atlantiks passieren würde…


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