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Jens Matheuszik — 26. Juli 2007, 19:04 Uhr

Zerfällt das Ruhrgebiet?


Zerfällt das Ruhrgebiet?Unter der Überschrift Furcht vor dem Moloch berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) heute über einen möglichen Zerfall des Ruhrgebietes (siehe nebenstehendes Bild und auch den Online-Artikel).

Hierzu muß man jedoch anmerken, dass es das Ruhrgebiet an sich eigentlich gar nicht gibt. Jedenfalls gibt es nicht offiziell den Begriff Ruhrgebiet mit klaren Gebietszuweisungen.

Vielerorts wird jedoch das Gebiet des sogenannten Regionalverbands Ruhr (RVR) als Ruhrgebiet bezeichnet. So auch hier im Pottblog – denn im Beitrag Unter die Haube geschaut habe ich das nachfolgend abgebildete Alternativlogo für das Pottblog vorgestellt, welches sich auch an den Grenzen des RVR orientiert.

Alternatives Pottblog-LogoDoch zurück zum eigentlichen Thema:

Besagter RVR soll demnächst die Planungskompetenz „für sich“ erhalten, was insofern eine Umkehr der bisherigen Strukturen darstellt, als dass bisher drei unterschiedliche Bezirksregierungen für das Ruhrgebiet planerisch tätig waren. Doch jetzt überlegen sich einige „Randgebiete“ im RVR, dass sie nicht mehr zum RVR gehören wollen. So wird teilweise über einen Ausstieg des Kreises Wesel, der Stadt Hagen und Teilen des Kreises Recklinghausen nachgedacht.

Im oben verlinkten WAZ-Artikel von Ulrich Horn und Wolfgang Pott(!), der im übrigen auf einen ausführlicheren Bericht der Print-Ausgabe hinweist (aus der auch die Grafik stammt), heißt es z.B.:

Das Ruhrgebiet habe den Kreis Wesel bisher nur als Randlage behandelt und vernachlässigt, kritisiert Xantens Bürgermeister Christian Strunk. „Die Mitgliedschaft im RVR in Städten wie Xanten behindert uns bei Gewerbeansiedlungen und der Ausweisung von Wohngebieten.“

Bevor also der Gedanke einer einigen Ruhrstadt oder eines „Ruhrtropolis“ verwirklicht werden kann, überlegen sich einige Städte und Kreise, die zumindestens zum Ruhrgebiet im Sinne der RVR-Definition gehören, den RVR und damit das Ruhrgebiet zu verlassen.
Verwunderlich ist dies jedoch nicht – während z.B. eine Stadt wie Recklinghausen im Regierungsbezirk Münster eine bedeutende Stellung hat, wäre sie im Ruhrgebiet nur eine von vielen Städten. Aber sollte dies ein Grund sein, das Ruhrgebiet zu verlassen?

A propos Recklinghausen: Im Kreis Recklinghausen gibt es weitergehende „Abwanderungsgedanken“:
So wird in der Stadt Haltern am See diskutiert, den Kreis Recklinghausen zu verlassen und wieder zum Kreis Coesfeld zurückzukehren. Damit würde Haltern am See de facto wieder zum Münsterland gehören – wie es schon in der Vergangenheit der Fall war (siehe auch diesen Beitrag im Pottblog).

Ich halte von diesen ganzen „ex-RVR-Plänen“ jedoch nicht unbedingt viel und finde daher den Kommentar von Wolfgang Pott zur Diskussion sehr gut, in dem es u.a. heißt:

Das Ruhrgebiet befindet sich mitten auf dem schwierigen aber hoffnungsvollen Weg der Genesung, da mucken plötzlich Politiker im Kreis Wesel und an anderen Randgebieten auf.
[…]
Als es noch Subventionen regnete von EU, Bund und Land, haben sich alle gern bedient, auch solche Ruhrgebietsregionen, die es nicht so nötig hatten. Jetzt will man offenbar woanders abgreifen.
[…]
Doch sollten die Aufmüpfigen im Kreis Wesel, im Kreis Recklinghausen oder in der Stadt Hagen bedenken, dass das Ruhrgebiet noch nie eine homogene Einheit war. Schalke 04 und Borussia Dortmund, Movie World und Opernhaus, polnische und türkische Migranten – gerade das macht diese Region so interessant, so bunt, ja sogar liebenswert. Kohle und Stahl, die industriellen Stützpfeiler des vergangenen Jahrhunderts, waren in einigen Städten gar nicht angesiedelt. Dennoch profitierten fast alle Menschen davon. Pendlerströme der Vergangenheit beweisen das.
[…]
Das Ruhrgebiet ist auf einem guten Weg. Wer jetzt abspringt, verpasst vielleicht eine große Chance und muss sich hinterher vorwerfen lassen, mitten im Aufschwung gekniffen zu haben.

Insofern hoffe ich auch, dass die Befürworter einer Ruhrgebietsabspaltung in den entsprechenden Städten und Kreisen keine Mehrheit für ihre Planungen finden.


13 Kommentare »

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