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Jens Matheuszik — 11. Juli 2007, 01:10 Uhr

Ein Brief von der tageszeitung (taz)


Brief der tageszeitung (taz)Heute Gestern erreichte mich ein Brief der tageszeitung (taz).

Es handelt sich dabei indirekt um die gewünschte schriftliche Bestätigung der Abbestellung meines Abonnements. Indirekt deswegen, weil das ganze ein „normaler“ Standardbrief zu sein scheint. Jedenfalls wird auf meine sofortige fristlose Kündigung nicht eingegangen (siehe auch diesen Beitrag), statt dessen schreibt man dort u.a. (die hervorgehobenen Passagen sind meine Kommentare dazu…):

JedeR verlorene AbonnenIn ist ein herber Verlust für uns.
Na dann hättet ihr für ein Fünftel der taz-Abonnenten nicht einfach den Regionalteil einstellen sollen…

Wir können Ihre Enttäuschung über die Einstellung des Regionalteils NRW jedoch verstehen.
Wieso eigentlich? Angeblich gehörte die taz nrw nicht zur Geschäftsgrundlage der tageszeitung

Publizistisch sehen auch wir immer noch großen Bedarf für ein alternatives Medium in Ihrer Heimat. Leider führt die Stärke unserer Zeitung – die Unabhängigkeit – auch manchmal zu Einschränkungen. All unsere Bemühungen, die Rettungskampagne, das unermüdliche Engagement der NRW-Redaktion, die Unterstützung aus Berlin, die Kooperation mit der WAZ, die Hilfe der LeserInnen und GenossInnen und nicht zuletzt auch Ihre Bereitschaft, die taz zu unterstützen, haben letztlich zu wenig zusätzliche Abos gebracht.
Hmm… schade, kein Wort zu der undurchsichtigen Berechnungspraxis der taz-Geschäftsführung. Kein Wort dazu, warum seitens der Entscheidungsgremien nicht die Wasserstandsmeldungen (2xx Abos, 4xx Abos, 6xx Abos usw.) korrigiert wurden. Wäre ja vielleicht transparent gewesen…

Drei Jahre nach Einführung des täglichen NRW-Teils sind unsere Reserven aufgebraucht.
Ich will ja nicht kleinlich sein – aber die taz nrw gibt es so erst seit zwei Jahren… vorher gab es die taz Ruhr und die taz Köln. Wundert mich, dass man das in Berlin nicht so recht weiß…

Sowohl Aufsichtsrat als auch Vorstand haben die Zahlen sehr wohlwollend interpretiert. Aber es hat einfach nicht gereicht. Die Entscheidung bedeutet für uns auch eine persönliche Niederlage.
Warum steuert man dann sehenden Auges in eine solche Niederlage? Man hätte dann doch vorher eingreifen können und sagen müssen „Wir haben zwar jetzt 300 Abonnements gewonnen, aufgrund unserer komplizierten Berechnungsformel sind es effektiv aber nur 100 Abonnements!“ (oder so ähnlich).

Aber die taz bleibt die taz mit all ihren Werten und Inhalten und das weit über NRW hinaus.
Mir wäre es lieber, wenn die taz mehr von der taz nrw gehabt hätte. Kann man sich an Bundestagsdebatten erinnern wo Vertreter aller im Parlament vertretenen Parteien die taz zitierten? Sowas gab es nur im Düsseldorfer Landtag…

Ohne großen Verlagskonzern im Rücken ist die taz die einzige Tageszeitung in Deutschland, die nur ihren Mitarbeiterinnen und LeserInnen gehört.
Rund 10.000 Leser (nämlich die Abonnenten aus Nordrhein-Westfalen) haben jetzt weniger als vorher. Ich könnte mir vorstellen, dass jetzt einige sich davon überlegen (so wie ich) die taz abzubestellen. Wurde das auch berücksichtigt? A propos den „LeserInnen gehört“. Damit ist ja die Genossenschaftsstruktur gemeint. Warum wurde eigentlich die Entscheidung über die Abwicklung nicht so lange vertagt, bis a) z.B. die Sommerferien (wer bucht ein Abo vor den Ferien?) vorbei sind und b) die Genossenschaftsversammlung darüber tagen konnte?

Die Existenz unserer Zeitung und unsere publizistische Unabhängigkeit ist daher in ganz besonderer Weise von Ihnen abhängig.
Wenn Euch das doch bewußt ist: Warum sägt ihr am eigenen NRW-Ast?

Wir wünschen uns, dass Sie uns trotz der Kündigung als Freund/in erhalten bleiben.
Erstmal: Warum „Freund/in“ und nicht „FreundIn“? Bzgl. der Freundschaft: Freunde wissen, wann man sich auch mal trennen sollte… und wenn ich aufgrund der Einstellung der taz nrw zum 07.07.2007 kündigen will, dann möchte ich nicht solche Sachen hören.

Wir hoffen, dass Sie die Recherche, Kenntnis, Arbeit, Anstrengung, Selbstironie, Debattierfreude und Liebe, die wir in jede Ausgabe stecken weiterhin spüren und lesen möchten.
Seid Ihr Euch sicher?

Denn am Ziel einer von großen Kapitalgruppen und Medienkonzernen unabhängigen linken Qualitätszeitung in Deutschland hat sich nichts geändert – an den Schwierigkeiten, das zu bewerkstelligen eben leider auch nicht.

Mit besten Grüßen aus Berlin
die Abo-Abteilung der taz

PS: Die taz wartet täglich am Kiosk auf Sie.
Das Ruhrgebiet ist leider nicht Berlin… An welchem Kiosk denn? Wart Ihr schon mal im Ruhrgebiet? Hier gibt es leider kaum die taz, was vielleicht durch eine Marketingkampagne mal geändert hätte werden können!


7 Kommentare »

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