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Jens Matheuszik — 6. Juli 2007, 19:09 Uhr

FRAG VATI – Das Nachschlagewerk für alle Lebenslagen: Wer nicht weiter weiß, sollte Vati fragen


Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei Westropolis, dem Kulturportal der WAZ-Mediengruppe, welches zum 1. Januar 2011 seine Pforten schließt.

Irgendwann früher oder später (wie beim Autor dieser Zeilen) kommt der Zeitpunkt, wo man das elterliche Haus verlässt. War man früher Mitglied eines Haushaltes und hatte eventuell sogar das Glück, dass außer symbolischen Pflichten (Spülmaschine ausräumen, Müll wegbringen, gelegentlich einkaufen) man im sprichwörtlichen "Hotel Mama" lebte, ist man nun in der eigenen Wohnung und muss sich selbst und u.U. ganz alleine um den eigenen Haushalt kümmern.

Wer Tipps zur Haushaltsführung, zum Einkaufen, Kochen, Waschen usw. benötigt – der sollte sich das Buch FRAG MUTTI anschauen, welches Bernhard Finkbeiner und Hans-Jörg Brekle, die beiden Verantwortlichen der Website www.frag-mutti.de zusammen geschrieben haben.

 

Die beiden haben jedoch nicht nur Mütter, die sie um Rat gefragt haben, sondern auch Väter und so war es (sicherlich auch im Rahmen der Gleichstellung) nur fair, dass jetzt auch die Väter endlich mal gefragt werden. So entstand aus den besten Tipps der Website www.frag-vati.de das hier besprochene Nachschlagewerk FRAG VATI.

Laut Verlagsbeschreibung hilft das Buch "bei allen Fragen rund um[s] Heimwerken, Auto und Job mit Tipps und Tricks, wie sie nur von Vati kommen können".

 

Das ganze wird in eine Rahmengeschichte von Ingo (der, der damals schon Mutti immer gefragt hatte) und Kathrin (die, die Ingo am Ende des Vorgängerbuches kennen lernte) erzählt, die zusammengezogen sind. So fängt es mit dem Kapitel "Heimwerken & Renovieren" an, wobei es hier auch die eine oder andere Überschneidung zur gefragten Mutter gibt. Die weiteren Kapitel nennen sich "Finanzen & Versicherungen", "Job & Karriere", "Auto & Mobil", "Dresscode & Knigge", "Balkonien & Grillen" sowie "Hochzeit & Feiern".

 

In all den Kapiteln gibt es nicht nur vereinzelte Tipps, sondern auch so genannte Komplettlösungen und Cheats – man merkt, die Sprache ist computertechnisch angehaucht (so heißt der alphabetische Index am Ende auch Goo…Suchmaschine). Die Komplettlösungen bieten z.B. eine Übersicht über alle notwendigen Werkzeuge in einem Haushalt, listen auf, welche Versicherungen man benötigt (hier fehlt mir übrigens ein Hinweis auf die private Haftpflichtversicherung), wie man die Flüssigkeitsstände im Auto ohne Probleme überprüft usw.

Mit diesen Komplettlösungen kann man, wenn man von dem Bereich keine Ahnung hat, schon wirklich was anfangen, wobei leider manche Sachen nicht wirklich ins Detail gehen. So gehört z.B. eine "Puksäge" in den heimischen Werkzeugkasten. Was aber eine Puksäge ist (hat die was mit der gleichnamigen Stubenfliege zu tun?) wird da nicht erklärt… da muss man doch den "richtigen" Vati fragen.

 

Die kurzen Cheats, die angeblich alle erprobt worden sind, werden durch eine "unbestechliche Jury" kommentiert und mit 1-5 Sternen (1 = Nur etwas für Dünnbrettbohrer, 5 = Bombastischer geht's nicht!) bewertet. Hier finden sich manch gute Tipps, aber auch eher andere. Wenn z.B. der Cheat "Videorecorder zu teuer?" empfiehlt, das man einfach einen Toaster längsseitig unter den Fernseher legen soll, dann zeigt das fast schon eine Unkenntnis der aktuellen Videorecorder-Preise bei eBay und offenbart, dass gerade die Cheats durch die durchaus witzigen Kommentare zum Teil doch eher zur Belustigung beitragen sollen.

 

Doch auch in den nützlicheren Tipps wie z.B. in den Informationen rund um verschiedene Hemdentypen und Krawattenknoten (wie binde ich dieselbige?) gibt es das eine oder andere lustige Element. Oder wusste jemand, dass die gesamte Mannschaft(!) von Borussia Mönchengladbach Krawattenträger des Jahres 2003 war?

 

Das Fazit zu ziehen ist schwer:

Es sind wirklich wertvolle Tipps enthalten (ich weiß noch, was ich für ein Problem mit dem Binden meines Krawattenknotens hatte, als ich mal ausnahmsweise eine Krawatte tragen musste), teilweise sind jedoch einige der dort vorgeschlagenen Tipps nicht nützlich sondern einfach nur betont lustig. Leider werden die jeweiligen Themen recht oberflächlich behandelt, weitere Details und Hintergründe erfährt man durch die Lektüre von FRAG VATI leider nicht.

 

Ich persönlich würde mir dieses Buch nicht unbedingt als Nachschlagewerk selber kaufen – da gibt es für einzelne Themenbereiche (ob nun z.B. Handwerk, Renovieren, Finanzen, Versicherung oder Heirat) bessere und ausführlichere Ratgeber. Wenn man jedoch jemanden kennt, der gerade frisch in eine neue (oder gar die erste) Wohnung gezogen ist, dann ist das Buch ein gutes Mitbringsel, wiewohl ich den Vorgänger FRAG MUTTI da für deutlich wertvoller halte. Man gewinnt leider ein wenig den Eindruck, dass der Erfolg von FRAG MUTTI fortgesetzt werden sollte – und eine Binsenweisheit von der Kinoleinwand, wo nach Fortsetzungen (Ausnahmen bestätigen die Regel) nie so gut wie das Original sind, bestätigt sich auch hier wieder einmal.


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