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Jens Matheuszik — 4. Juli 2007, 13:49 Uhr

Kommunikationsfehler der taz-Geschäftsführung in Sachen Einstellung der taz nrw


taz nrw Titelseite 04.07.2007Nebenbei sieht man das Titelbild der letzten Ausgabe der taz nrw (mit Dank an blog.nrwspd.de für das Bild; eine große Fassung kann man hier sehen), also des NRW-Teils der taz.
Dabei handelt es sich auch um den einzigen Inhalt der letzten taz nrw – der Rest sind leere Seiten.

Der Text ist eine deutlich minimierte Fassung des Briefes der taz nrw-Redaktion an die Leserschaft. Merkwürdig finde ich, dass in der gedruckten taz nrw der Brief deutlich gekürzt ist und die Internet-Fassung doch etwas kritischer ist.
An Platzgründen kann es nicht gelegen haben, dass man nicht den vollständigen Text dort veröffentlicht.

Dahingehend habe ich versucht herauszufinden, warum nicht der komplette Text dort steht. Bei der taz nrw in Düsseldorf war niemand zu erreichen, bei der taz in Berlin hatte ich eine Gesprächspartnerin aus dem Umfeld der Chefredaktion. Dort erklärte man mir, dass man das mit dem geringeren Textumfang a) gar nicht wüsste und b) es da sicherlich Gründe für geben würde. Da jedoch der komplette Text auch online einsehbar sei, wäre das ja nicht so schlimm.

Zur Einstellung der taz nrw erklärte sie, dass jede Geschäftsführung, die betriebswirtschaftlich handelt erstmal den schwarzen Peter haben würde und man einfach das Geld nicht mehr für die taz nrw hätte. Das ganze steht auch in der aktuellen taz:

taz nrw - die böse GeschäftsführungSchon auf der eigentlichen Titelseite sieht man den Verweis über die eingestellte taz nrw (siehe links), wo gefragt wird, ob es an den zu wenigen Lesern oder der bösen Geschäftsführung lag.

In dem dazugehörigen Artikel auf Seite 2 heißt es (Hervorhebungen von mir):

„[…] Ziel waren 1.000 zusätzliche Abonnements bis zum Samstag, den 30. Juni. Dieses war nicht erreicht worden.

Im Vergleich zur Gesamttaz hat der Regionalteil seit seiner Gründung im Jahr 2003 knapp 1.100 zusätzliche Abos erzielt. Für einen einigermaßen tragfähigen Betrieb wären über 3.000 solche Abonnements nötig gewesen. Insgesamt lag die Zahl der taz-Exemplare in NRW laut der Erfassungsfirma IVW bei etwa 11.500 im ersten Quartal 2007, die meisten davon waren jedoch schon vor Gründung des Regionalteils an Bord. Die Gesamtauflage der taz liegt im ersten Vierteljahr bei 55.500 Stück. Darin enthalten sind Abos, Kioskverkäufe und Probeabos zu Sonderpreisen.

[…]

In den vergangenen Wochen brachte die Rettungskampagne vor allem noch viele 5-Wochen-Probeabos. Vorstand und Aufsichtsrat der taz war allerdings das Risiko zu hoch, dass viele dieser Abos – wie in der Vergangenheit geschehen – wieder gekündigt werden und die Verluste in NRW dann letztlich die taz-Genossenschaft treffen.
[…]“

Letzteres bestätigte mir meine Gesprächspartnerin – bei den 800 + x Abonnements wären halt auch viele Probeabos über 5 Wochen zu 10,- Euro dabei und es wäre bekannt, dass diese oft nicht verlängert werden. Unter Abzug der Probeabonnements käme man halt nur auf eine deutlich geringere Anzahl der geforderten Abonnements.

Hierzu erklärte ich, dass dann das ganze sehr merkwürdig kommuniziert worden sei. Im Rahmen der Rettungsaktion hieß es nur, dass man 1000 Abonnements benötigen würde, es wurde auch immer das 5-Wochen-Probeabonnement angepriesen und im Rahmen der zwischenzeitlichen Wasserstandsmeldungen nach dem Motto „Schon x-hundert Abos gewonnen!“ wurde nie gesagt, dass die Probeabonnements nicht voll zählen.
Es ist natürlich auch mir klar, dass die taz nicht 1000 neue Probeabos benötigt, sondern schon „richtige“ Abos. Aber die werden ja auch aus Probeabos gebildet. Wenn dann wochen- und monatelang in Wasserstandsmeldungen unwidersprochen auch die Zahlen der Probeabos eingerechnet werden und dann kurzfristig in Anwendung der polnischen Kartoffelquadratwurzel aus über 810 gewonnenen Abonnements nur noch 400 werden – dann ist das ehrlich gesagt ein Armutszeugnis in Sachen Kommunikation seitens der taz-Geschäftsführung.

Oder wie es der Deutsche Journalistenverband NRW formuliert:

„[…] Nicht nachzuvollziehen ist, dass von den 815 Abos nur 400 der taz-Redaktion NRW zugerechnet wurden. Bei einer solchen Rechenweise war die Aktion von vornherein aussichtslos.

Damit sind die Kolleginnen und Kollegen der NRW-Redaktion von Vorstand und Aufsichtsrat hinters Licht geführt worden“, kritisiert Landesvorsitzender Helmut Dahlmann. […]“

Dem kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen – außer dem folgenden Spruch:

„Die taz war mir lieb und teuer – jetzt ohne taz nrw ist sie nur noch teuer“

Den Spruch wollte meine Gesprächspartnerin übrigens nicht unbedingt hören, da es für die taz ja immer noch eine Daseinsberechtigung geben würde. Das bestreite ich nicht. Nur war für mich vor allem die taz nrw der Grund die taz zu lesen und zu abonnieren. Diese „Geschäftsgrundlage“ ist jetzt jedoch für mich weggefallen…


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