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Jens Matheuszik — 3. Juli 2007, 16:44 Uhr

Erklärung der Redaktion der taz nrw


die tageszeitungNach der Einstellung der taz nrw, obwohl doch 815 neue Abonnenten gewonnen wurden (welche jedoch, anscheinend im Stile gewisser Kartoffeln der Quadratwurzel o.ä. Formeln unterworfen wurden), blieb mir erst mal nichts anderes übrig als einen Leserbrief zu schreiben. Das Abo-Telefon war nicht mehr erreichbar (obwohl ich vor 16.30 Uhr angerufen hatte). Nun ja, kündigen kann man auch via eMail.

Inzwischen erreichte mich die offizielle Erklärung der taz nrw-Redaktion, die auch im taz nrw-Blog abgedruckt ist und in der morgigen Ausgabe erscheinen wird.

Nachfolgend der vollständige Text der Erklärung der taz nrw-Redaktion (die Hervorhebungen stammen von mir):

Liebe LeserInnen,

der taz-Vorstand hat am Montag beschlossen, die taz nrw zum 31. August einzustellen. Trotz gezählter 817 Neuabos in zehn Wochen reicht der taz-Spitze das regionale Ergebnis nicht – aufgrund nicht transparent gemachter Leser-Berechnungen wurden der NRW-Redaktion lediglich 400 Abos gutgeschrieben.

Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch unterbreitete den NRW-Redakteuren gestern in Düsseldorf das Angebot, bis zum 31. August weiter zu arbeiten. Durch die Kündigung der Redakteure und den Einstellungsbeschluss könnten eventuell neue Leser für ein Abonnement gewonnen werden, so Ruch. Eine solche Eskalation sei sinnvoll, da die bisherige Rettungskampagne noch nicht allen Lesern den Ernst der Lage verdeutlicht habe.

Die Geschäftsführung erklärte sich nicht bereit, Alternativen für eine Fortführung der taz nrw zu entwickeln. Eine Veränderung der ökonomischen Grundlage für die taz nrw lehnte sie ebenso ab wie die Forderung der Redaktion, den Regionalteil bis zum 30. September zu erhalten und so den taz-Genossen die Möglichkeit zu geben, auf ihrer Hauptversammlung über die Zukunft der taz nrw zu entscheiden. Auch die Vorschläge, die taz nrw durch regional höhere Abonnementpreise oder die Akquise von neuem Kapital zu stärken, wurden von der Geschäftsführung abgelehnt.

Die Redaktion der taz nrw hat gestern – mit ausdrücklicher Unterstützung von Chefredakteurin Bascha Mika – einstimmig beschlossen, unter diesen Bedingungen nicht weiter um neue AbonnentInnen zu kämpfen. Die Redakteure lehnten es ab, die bedrohten Arbeitsplätze als Druckmittel für die Gewinnung neuer Abonnenten einzusetzen, da die Geschäftsführung ihnen keine Perspektive über den 31. August hinaus in Aussicht stellte.

Die Rettungskampagne hat das gesteckte Ziel von 1.000 neuen Abos nur knapp verpasst. Der Zuspruch, das Interesse an der taz nrw ist in den vergangenen Wochen gewaltig gestiegen. Die Redaktion möchte sich auf diesem Weg bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die ihnen über Jahre die Treue gehalten haben oder die die taz nrw in den vergangenen Wochen durch Solidaritäts-Abonnements unterstützt haben. Es liegt allein in der Verantwortung der Geschäftsführung, dass diese Leser nun eine taz ohne NRW-Regionalteil bekommen werden – und dass das bevölkerungsreichste Bundesland nun ohne eine unabhängige und kritische Stimme leben muss.

Die Redaktion

Schade taz nrw – es war eine schöne Zeit.


8 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by sicko @ 3. Juli 2007, 17:26 Uhr

    was ich eigentlich sehr störend finde ist, daß (abgesehen von der bild, die man nicht als zeitung bezeichnen kann) keine einzige überregionale zeitung einen regionalteil-nrw hat und das, obwohl nrw das bevölkerungsreichste bundesland deutschlands ist. ich glaube nicht, daß es so wenige landespolitische themen gibt, daß es sich nicht lohnt, darüber zu berichten. schließlich liegt der frankfurter rundschau ja auch ein hessen-teil bei (der mich aber in nrw nur überhaupt nicht interessiert)…
    und wenn ich dann nur noch eine lokalzeitung zur „auswahl“ habe (in ge gibts ja nur noch die waz), na dann kann man fast nur noch sagen: gute nacht demokratie und freie meinungsbildung


  2. (2) Kommentar by nh @ 3. Juli 2007, 19:50 Uhr

    Auch das „Experiment onruhr“ ist beendet.
    Manueller Trackback:
    http://www.nielshallerberg.de/archives/113


  3. (3) Kommentar by Lukas @ 3. Juli 2007, 19:55 Uhr

    was ich eigentlich sehr störend finde ist, daß (abgesehen von der bild, die man nicht als zeitung bezeichnen kann) keine einzige überregionale zeitung einen regionalteil-nrw hat

    Die „Süddeutsche“ hatte mal einen NRW-Teil, die „Welt“ hat ihren glaub ich immer noch.


  4. (4) Kommentar by sicko @ 3. Juli 2007, 21:20 Uhr

    die welt? *lach* ne, also springer-blatt kommt mir nicht ins haus. die sueddeutsche mußte den leider wieder einstellen, weil die nrw-zeitungsverleger nicht kooperieren wollten. tja. so hält man sich auch konkurrenz vom hals.
    muß ich wohl doch irgendwann zur FR greifen, nur was soll ich mit dem hessen-regionalteil in nrw? :(


  5. (5) Trackback by blog.50hz.de @ 3. Juli 2007, 21:34 Uhr

    taz war’s dann wohl mit WA(T)Z…

    Ich gebe zu, die Chancen für eine Verlängerung meines WA(T)Z-Abos standen allenfalls 50:50. Nach der nun wohl sicheren Einstellung der taz nrw hat die taz an meinen Frühstückstisch allerdings überhaupt keine Zukunft mehr. Ende …


  6. (6) Kommentar by Jens @ 4. Juli 2007, 00:17 Uhr

    @sicko:
    Tja, NRW scheint schwierig zu sein. Deswegen bedaure ich das ja so sehr. Eigentlich müsste es einen Markt geben – aber wie die taz-Rettungskampagne gezeigt hat, gibt es den anscheinend nicht so sehr.

    @nh:
    Huch… danke für den Hinweis! Ich hab es zwischenzeitlich schon verbloggt.

    @Lukas:
    Ja, wobei ich die Welt nicht lesen möchte.

    @sicko (2):
    Ich denke die FR wird eine überregionale Alternative sein.


  7. (7) Kommentar by Jörg Friedrich @ 9. Juli 2007, 17:38 Uhr

    „Durch die Kündigung der Redakteure und den Einstellungsbeschluss könnten eventuell neue Leser für ein Abonnement gewonnen werden, so Ruch.“ Genau das ist die Masche dieses Blattes seit Jahrzehnten. Das ist keine Zeitung – das ist ein Journalisten-Selbsthilfe-Verein!


  8. (8) Kommentar by Jens @ 9. Juli 2007, 23:17 Uhr

    @Jörg Friedrich: Im Grunde stimmt es aber.


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