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Jens Matheuszik — 21. Juni 2007, 20:42 Uhr

WAZ und die Blogger beim Pas de deux: Ein Schritt vor, ein Schritt zurück


Da weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll…

Gestern noch kritisierten viele Blogger (auch ich) Stefan Holthoff-Pförtner (von der WAZ-Mediengruppe), der Artikel 5 des Grundgesetzes nicht für Blogger angewandt wissen will.

Doch wie ich schon selber in dem Artikel (letzter Absatz) vermutete, ging es Herrn Holthoff-Pförtner nicht um Absatz 1, Satz 1 des Artikels 5, in dem es heißt

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“

Nach dieser Aussage wurde schon gemutmaßt, welche Konsequenzen dies ggf. für WestEins, das kommende Internet-Portal der WAZ-Mediengruppe, hat, wenn ein Vertreter einer WAZ-Eigentümerfamilie so etwas sagt. Doch auf dem Projektblog reagiert die Online-Chefredakteurin Katharina Borchert in diesem Artikel aus England – nachdem sie sich zurecht fragt:

„Warum geht es eigentlich immer dann drunter und drüber, wenn man mal einen Tag nicht online ist, sondern das Offline-Leben in fremden Städten übt?“

Durch den Artikel erfährt man, dass Katharina Borchert anscheinend in Essen nachgehakt hat. Das Ergebnis:

„Ein kurzer Anruf bestätigte meine Vermutung. Er hatte bei seiner Aussage überhaupt nicht die Meinungsfreiheit im Blick, die nicht ohne Grund absolut jedem in unserem Land garantiert wird, sondern vielmehr die Pressefreiheit, die ebenfalls in Artikel 5 verankert ist.“

Außerdem gibt es noch einen direkten Link zu einer ausführlichen Pressemitteilung der WAZ-Mediengruppe. Dadurch wird klar, dass Stefan Holthoff-Pförtner sich auf Absatz 1, Satz 2 des Artikels 5 Grundgesetzes bezieht, in dem es heißt:

„Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet.“

Sprich: Die Pressefreiheit, die durch diesen Grundgesetzs-Artikel institutionalisiert wurde, soll für Blogger nicht gelten. Man kann sich darüber streiten und ich finde es gut, dass Katharina Borchert das in ihrem Artikel auch anspricht.

Natürlich kann man jetzt Blogger, die über das Holthoff-Pförtner-Zitat einfach so berichtet haben ohne den Hintergrund recherchiert zu haben kritisieren. Nur: Welche Möglichkeiten haben Blogger denn dahingehend zu recherchieren?

Stefan Niggemeier hat in dem Beitrag Lachen, Lernen und Staunen mit der WAZ demonstriert, wie Anfragen eines gestandenen und bekannten Medienjournalisten behandelt werden. Anscheinend grundsätzlich erstmal gar nicht.
Das Problem haben jedoch nicht nur Journalisten, sondern auch „einfache“ Blogger und WAZ-Abonnenten (siehe auch hier: I, II).

Aber wundern tut es mich nicht – wie man in dem Beitrag Bloggern das Recht entziehen bzw. genauer gesagt in diesem Kommentar lesen kann, sind Blogger eh nur „ein paar Wilde“:

„Und letzte Woche hat Ulrich Reitz, Chefredakteur der WAZ, beim media coffe in Köln, Blogger als “ein paar Wilde” bezeichnet. Fand ich auch erbauend. Mitlerweile habe ich darüber nachgedacht einen Wettclub zu eröffnen, wie lange Katharina bei der WAZ noch einen Job hat.

Das traurige dabei ist, dass die Idee hinter West1 eine sehr vernuenftige und in der Tat sogar zukunftsweisende Idee fuer die gesamte deutsche Zeitschriftenlandschaft ist. Auf der anderen Seite ist es mehr als zweifelhaft, dass in einer solchen Umgebung ein Produkt auf den Markt kommt, dass genuegend Rueckenhalt bekommt um bestehen zu koennen. Und West1 wird sehr viel Zeit brauchen.“

Na da wundert es mich nicht, dass sowohl mein Leserbrief als auch ein Forenbeitrag zum Thema bisher ignoriert wurde. War ja nur einer von den „paar Wilden“, der da geschrieben hat…

PS:
Wo ich oben schon den Artikel bei Stefan Niggemeier verlinkt habe, will ich auch noch die lustigste Passage zitieren, die zu einem kleinen Lachanfall bei mir sorgte:

„Besonders gut hat mir gefallen, dass er [Stephan Holthoff-Pförtner im Rahmen der Artikel 5-Diskussion; kleine eingefügte Anmerkung] laut dem Branchendienst DWDL sagte, Bloggen sei „wie Wikipedia”. Dort könne auch schon mal drei Wochen lang stehen, dass der österreichische Kanzler Moser heiße.

Ganz anders als bei der „WAZ” also. Dort stünde es für immer.“

This made my day! :)


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