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Jens Matheuszik — 7. Juni 2007, 19:09 Uhr

Das Kochbuch für Geeks: Das 1×1 des Programmierens in der Küche


Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei Westropolis, dem Kulturportal der WAZ-Mediengruppe, welches zum 1. Januar 2011 seine Pforten schließt.

Vorweg zwei kleine Erklärungen:


1.) Als Geek bezeichnet man laut dem entsprechenden Wikipedia-Eintrag
an und für sich Streber und/oder Stubenhocker. Doch seit geraumer Zeit werden damit vor allem Leute bezeichnet, die sich stark mit bestimmten Fachgebieten (Mathematik/Informatik, Technologie, Computer usw.) auseinandersetzen. Wenn Geeks untereinander fachlich diskutieren können die meisten nicht-Geeks dem gar nicht folgen.

2.) Der O'Reilly-Verlag ist quasi ein Verlag für Geeks – für Computer-Geeks. Eine dortige Buchreihe, die sich vor allem mit diversen Programmiersprechen beschäftigt, ist die Kochbuch-Reihe. Die O'Reilly-Kochbücher "sind lösungsorientierte Ratgeber mit dem unverkennbaren Aufbau "Problem – Lösung – Diskussion".

 

Jedes Kochbuch enthält Hunderte von Skripten, Programmen und Befehlssequenzen, die bei der Lösung handfester Probleme hilfreich sind."Der normale Geek, vor allem in der Gattung der Computer-Geeks, hat ansonsten eher weniger mit Kochbüchern (im Stile des großen Dr. Oetker-Kochbuches) zu tun und ernährt sich (bisher) eher von Bestellpizza und Fertiggerichten.

 

Daher ist es nur eine logische Konsequenz gewesen, dass jetzt ein wirkliches Kochbuch in der Kochbuch-Reihe von O'Reilly erschienen ist:

 

Das Kochbuch für Geeks.

Die beiden Autorinnen Mela Eckenfels und Petra Hildebrandt haben sich zusammengesetzt und diesen rund 220-seitigen Wälzer geschaffen.

Dabei sind sie nach der klassischen Struktur "Problem – Lösung – Diskussion" vorgegangen und bieten gerade auch für die Geeks, deren Hardware (sprich: die Küche) nicht so gut ausgerüstet ist, sinnvolle Hacks, Patches and Workarounds an.

Die Autorinnen unterscheiden dabei drei Typen von Geeks, für die es jeweils ein eigenes Kapitel gibt:

 

  • Larval Stage (Geeks im Larvenstadius): Für Geeks, die ohne Küche und ohne Pizzataxi überleben wollen.
  • Mamas Liebling: Dies sind die Geeks, die schon immer gerne mal kochen wollten, die das aber (wg. Mama) nicht mußten und jetzt erst einmal eine Art Basiswissen erhalten.
  • Kulinarischer Geek: Die Küchenexperten unter den Geeks, die sich auch vor komplizierteren Dingen nicht fürchten.

 

Das erste Kapitel sorgt sich erst einmal um die Systemvoraussetzungen – nach dem Motto "Was braucht man eigentlich zum kochen?" und geht dabei eingehend auf diese Hardware ein und klassifiziert diese in notwendig (jeweils nach den drei Typen sortiert) und eher unnötig, wie man am besten (und vor allem wo) einkauft, wie man seinen eigenen Notfallvorrat anlegt, wo man Rezepte herbekommt (so wäre ich z.B. vorher nie darauf gekommen bei flickr nach schönen Fotos von Essen zu suchen und dann die Fotografen nach dem Rezept zu fragen) usw.

 

Dabei erfährt man auch viele sinnvolle Tipps, die teilweise eher aus der Kategorie "exotisch" stammen:

Wer hätte z.B. gedacht, dass man auch ohne Pfanne ein Omelette zubereiten kann? Man braucht nur einen Topf mit kochendem Wasser und einen Gefrierbeutel. Wer's nicht glauben will, der Verlag präsentiert dazu sogar ein Video im Internet.

Nichtsdestotrotz empfehlen die Autoren dennoch sich lieber auch eine Pfanne zu besorgen… alleine schon um die Rezepte für Brot, Brötchen und sogar Kuchen aus der Pfanne auszuprobieren.

 

Das Kochbuch für Geeks fängt (für die Geeks im Larvenstadium) leicht an, steigert sich dann aber immer mehr bis man nicht mehr nur zahlreiche Rezepte der doch schon etwas anspruchsvolleren Art beherrscht sondern auch (im dritten Teil – für den kulinarischen Geek) erfährt wie man selber einen Fond kocht, wie man Nudeln selber macht oder wie man (Zitat!) "Gutbürgerliches für die mäkelige Verwandtschaft" kocht.

 

Es versteht sich von selbst, dass alle Rezepte im Anhang noch einmal aufgelistet werden der u.a. auch noch zum Thema Vorratshaltung ein paar wertvolle Tipps aufweist. Die beiliegende Referenzkarte liefert das Periodensystem der Lebensmittel – sortiert nach Haltbarkeit: Von frischem Hackfleisch (weniger als einem Tag) über Eier bis hin zu Nudeln und Salz.

Auf der Rückseite finden sich Erklärungen für deutsche/englischsprachige Abkürzungen, Umrechnungstabellen für Maßeinheiten usw. die gerade wenn man englische Rezepte aus dem Internet nutzt sehr sinnvoll sind.

 

Die beiden Autorinnen schaffen es die für das Kochen essentiell wichtigen Punkte gut zu erklären und nutzen dabei auch immer wieder Computerslang – was bei einem Titel aus einer Computerbuchreihe aber auch nicht verwundert. An wenigen Stellen wirkt es zwar etwas aufgesetzt und übertrieben genutzt, insgesamt gesehen wirkt das ganze jedoch deutlich lockerer und ungezwungen als "normale" Kochbücher der Kategorie "Man nehme …".

Die immer wieder eingebunden wertvollen Tipps (wie man leicht Tomaten häutet, was der Strichcode bei Eiern bedeutet, welche Größe ein Truthahn haben sollte usw.) runden das ganze Buch ab.

 

Mein Fazit lautet daher: Das Kochbuch für Geeks lohnt sich wirklich für die Computer-Geeks, die sich für das Kochen interessieren. Egal ob man nun zu den Geeks im Larvenstadium, zu Mamas Lieblingen oder zu den kulinarischen Geeks gehört – hier dürfte für jeden etwas interessantes dabei sein.


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