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Jens Matheuszik — 5. Juni 2007, 17:46 Uhr

Nach 3 (in Worten: drei!!!) Tagen korrigiert dpa die Falschmeldung von der Demonstration in Rostock


„Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.“

Dieses Zitat soll angeblich in Rostock auf der Bühne bei den Anti-G8-Protesten gefallen sein, bevor es zu den Eskalationen kam. Schnell verbreitete sich das Zitat aufgrund einer Tickermeldung der dpa.

Doch fast genau so schnell wurde klar, dass das ganze doch völlig anders abgelaufen ist, als die dpa ursprünglich weismachen wollte. Diverse Zeitungen haben jedoch zwischenzeitlich das falsche Zitat in ihrer eigenen Berichterstattung eingebaut und auch kommentiert – so z.B. auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) in einem Kommentar (siehe Djures Meldung dazu).

Nach geschlagenen 3 (in Worten: drei!!!) Tagen hat die dpa jetzt die Falschmeldung korrigiert, wie man im Beitrag Chronologie einer Falschmeldung bei Stefan Niggemeier lesen kann. Ich zitiere von dort:

Dienstag.

Um 12.59 Uhr meldet dpa endlich:

In einem Korrespondentenbericht zu den Ausschreitungen während der Demonstrationen gegen den G8-Gipfel in Rostock am 2. Juni (…) zitiert dpa einen Redner bei der Kundgebung mit den Worten “Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.”. Diese Formulierung ist – wie aus einem TV-Mitschnitt von “Phoenix” ersichtlich ist – weder in der englischen Original-Rede noch in der deutschen Übersetzung des Beitrags so gefallen.

(…) Die sinnentstellte Fassung des Zitats in den Meldungen der dpa ist auf einen Übermittlungsfehler zurückzuführen, für den dpa allein die Verantwortung trägt. Die dpa hat den Fehler in ihren Archiven entsprechend gekennzeichnet. Wir bitten – auch mit Blick auf den betroffenen Redner Walden Bello – um Entschuldigung.

[…]

“Spiegel Online” hat den Artikel mit der Falschmeldung relativ früh berichtigt und dokumentiert auch die Entstehungs- und Korrekturgeschichte. Aber das ist die Ausnahme. Die meisten Artikel, die die dpa-Ente übernommen haben, scheinen unverändert online zu sein.

Und jede Wette: Die meisten Tageszeitungen werden die Fehler, ihre eigenen und die der dpa, morgen weder berichtigen noch sich dafür bei irgendwem entschuldigen, schon gar nicht bei ihren Lesern.

Da bin ich mal gespannt. Ich erinnere mich da an einen Kodex dessen Präambel mit den Worten

Regionalzeitungen genießen im Vergleich mit anderen Medien ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit. Dieses Vertrauenskapital darf nicht gefährdet werden.

beginnt…


3 Kommentare »

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