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Jens Matheuszik — 27. Mai 2007, 18:00 Uhr

Disclaimer / Disclosures: Freunde, Bekannte, adical, amazon, Arbeitgeber, Google, WAZ, Werbung usw.


Bloggen ist gar nicht so einfach wie man denkt. Da muß man bestimmte Regeln einhalten, die entweder gesetzlich aufgestellt sind oder die sich einfach so gehören.

Faszinierend finde ich jedoch, wie inzwischen von Bloggern Sachen verlangt werden (entweder von anderen Bloggern oder in Kommentaren), die meiner Meinung nach irgendwann doch deutlich übertrieben sind:

Natürlich ist es sinnvoll, dass wenn ich z.B. bei der Automobilfirma X angestellt wäre dies angebe, wenn ich das neue Modell Y meiner Firma X hier in diesem Blog in höchsten Tönen lobe. Solche Angaben nennt man üblicherweise Disclosure oder Disclaimer – ein guter deutscher Name fällt mir gerade dafür nicht ein, daher lasse ich es erstmal so.

In welchen Fällen sollte man denn u.U. als Blogger weitergehende Angaben machen? Nachfolgend mal eine Liste die ich aufgrund diverser Blogbeiträge zu diesem Thema zusammengestellt habe:

Blogs und Arbeitgeber
Man kann es z.B. gerade in Bezug auf seinen Arbeitgeber so halten wie Herr Knüwer vom Handelsblatt-Blog Indiskretion Ehrensache, der über seinen Arbeitgeber bzw. Beteiligungen seines Arbeitgebers (StudiVZ !) weder etwas negatives, noch etwas positives schreibt. Wobei er da manchmal doch was dazu schreibt, weil es merkwürdig wäre, wenn gerade er nichts dazu schreiben würde.
Ich persönlich halte es ähnlich: In den rund 1800 Beiträgen hier im Pottblog gibt es nur drei, die auf meinen Arbeitgeber eingehen und nur einer davon erwähnt ihn in einem anderen als einen rein beschreibenden Kontext.

Blogs und bezahlte Blogbeiträge
Die Diskussion bzgl. Disclosures betrifft natürlich auch bezahlte Blogbeiträge, die meiner Meinung nach ohne korrekte Erwähnung zur Schleichwerbung werden.
Wenn ich jedoch z.B. das Automobil Z von der Automobilfirma X zur Verfügung gestellt bekommen würde, um darüber zu bloggen, dann würde ich das entsprechend angeben. Insofern habe ich auch nichts dagegen, dass Opel in der Vergangenheit einige Blogger gesponsort hat. Sollte Rüsselsheim jemanden für das Opel Astra Twintop Cabrio benötigen, ich würde mich zur Verfügung stellen. 😉

Blogs und Werbung (z.B. in Sachen adical)
Geht es jedoch um Werbung in Blogs im Allgemeinen bzw. um das Werbenetzwerk adical, bei dem das Pottblog übrigens auch Mitglied ist (Disclaimer! Disclosure!), im Speziellen wird es meiner Meinung nach sehr merkwürdig:

Da verlangen anonyme Beobachter z.B. in den Kommentaren dieses Beitrages, dass Johnny beim Spreeblick das Strato-Banner deutlich als Werbung kennzeichnet und wollen ihm nicht glauben, dass er für die Bereitstellung des Banners nur den Server gesponsort bekommt und nicht auch noch zusätzliches Geld. Ich sag mal so: Warum sollte man Johnny das nicht glauben? Wenn ich eine Frage stelle und eine Antwort bekomme, dann muß ich auch damit leben, dass die Antwort vielleicht nicht in mein vorgefertigtes Denkschema passt.

Schlußendlich wird dann auch noch kritisiert, dass aus dem Fotoblog casio.adical.de, welches über das Casio-Banner verlinkt wird und in dem Fotos von Bloggern aktuell eingespeist werden, nicht hervorgehen würde, dass dies ein Werbeblog ist… man schaue sich bitte einfach mal casio.adical.de an und sage dann, ob es sich dabei um ein Werbeblog für eine Casio-Kamera handelt oder aber um ein privates Blog welches Schleichwerbung für die Kamera macht. Abgesehen davon, dass es im Impressum ganz klar und deutlich steht, dürfte eigentlich jeder, der diese Seite aufsucht feststellen, dass es sich um eine Werbeseite handelt.

Johnny hat da meiner Meinung nach sehr ruhig reagiert und dessen Geduld ist zurecht bewundernswert – und für die etwas sarkastische „Antwort“ auf die anonymen Beobachtungen in Bezug auf das Strato-Banner wurde ihm zurecht der Blog-Award zur gelungensten Kennzeichnung von Werbung auf Blogs verliehen.

Schade finde ich jedoch, wenn z.B. Don Alphonso in diesem Beitrag suggeriert, dass es beim Spreeblick Schleichwerbung für die Casio-Kamera gibt. Abgesehen davon, dass das hier veröffentlichte Foto sicherlich keine positive Werbung für eine Casio-Kamera wäre (da hätte man dann doch vielleicht ein schärferes Bild nehmen sollen) – das Bild stammt gar nicht von einer Casio-Kamera. Passt bloß leider nicht ins Konzept. :(

Blogs und Affiliate-Links
Erstmal eine Erklärung: Affiliate-Links sind Links zu Anbietern die eine Art Partnerprogramm anbieten. Nach dem Motto: „Verlinkst Du mich und kommen deswegen Besucher zu mir, sollst Du was davon haben“. Wie sich das ganze konkret auswirkt hängt natürlich vom entsprechenden Partnerprogramm ab. Auch im Pottblog gibt es solche Links. Ich nehme am Partnerprogramm von amazon.de teil, was u.a. auf dieser Seite erklärt wird. Diese Seite ist auch direkt bei der amazon.de-Werbung in der benachbarten Spalte verlinkt.
Stelle ich jetzt also z.B. ein Buch, einen Film oder ein Spiel vor, dann kann man dies direkt durch einen Link hier im Pottblog sich bei amazon.de angucken und ggf. auch bestellen. Macht man dies über einen solchen sogenannten Affiliate- oder Partner-Link bekomme ich eine prozentuale Provision. Für den Käufer ändert sich nichts, als Käufer zahlt man das selbe als wenn man direkt bei amazon.de einkaufen würde.

Nachdem ich in einer Diskussion über dieses Thema gelesen hatte, habe ich bei mir im Blog die oben verlinkte Seite eingerichtet, die über das ganze informiert. Ich bin zwar nicht der Meinung, dass man das für den mündigen Bürger nicht unbedingt machen muss, aber die Erwähnung stört mich nicht wirklich.
In solchen „Anti-Affilialte-Link“-Diskussionen wird gerne behauptet, dass Blogger die solche Links verwenden auch beeinflusst werden. Ich persönlich sehe das anders, nur weil ich in einem Beitrag etwas via Affiliate-Link verlinke, schreibe ich nicht anders als sonst auch. Ich verlinke ja auch z.B. in Artikeln Maxi-CDs, die ich für viel zu teuer halte.

Blogs und Beziehungen/Bekannte/Freunde usw.
Langsam wird’s unübersichtlich, worüber man alles ggf. vorab informieren muss… Wenn ich in irgendeiner wirtschaftlichen Beziehung mit einem Unternehmen stehe, sollte man vielleicht doch darüber informieren. Aber wie definiert man wirtschaftliche Beziehung? Wenn ich z.B. – was öfter’s vorkommt – über die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) blogge dann gibt es da inzwischen eine dicke wirtschaftliche Beziehung:
Für einen dreistelligen Euro-Betrag habe ich nämlich die WAZ längerfristig abonniert! Und was noch hinzukommt – ich blogge auch derzeit für die WAZ, wie man ganz oben bei mir im Blog („Hier blogge ich auch“) lesen kann.

Das mit der Angabe von wirtschaftlichen Beziehungen kann ich unter gewissen Umständen noch nachvollziehen. Aber muß ich z.B. wenn ich über Google und seine Dienste berichte auch dazu schreiben, dass ich z.B. Google AdSense im Pottblog einsetze? Sieht doch eigentlich eh jeder, so er nicht einen AdBlocker nutzt.

Merkwürdig finde ich jedoch das, was Don Alphonso hier schreibt:
Demnach sollte man als Blogger am besten auch angeben, mit welchen Bloggern man befreundet (oder mehr) ist. Hintergrund ist wohl, dass ein Blogger A den Blogger Don Alphonso nicht mag. Dessen Freundin B, von der es nicht netz-bekannt ist bzw. war, dass es die Freundin von A ist (Herr Schäuble, da muss man doch was unternehmen!), hat irgendwann mal anscheinend in einem Beitrag Don Alphonso angegriffen. Da jetzt B die Freundin von A ist und B wohl von einem Geschäftspartner von A in einer anderen Angelegenheit engagiert wurde (was übrigens bekanntgemacht wurde – welch Aufschrei wäre wohl passiert, wenn dies nicht gemacht worden wäre?) ist angeblich ein Skandal da. Angeblich wäre B von A nur vorgeschickt worden um Don Alphonso zu kritisieren. Dabei kann ich mich an einige Aussagen von A erinnern, in denen A zeigte, dass die geringe Wertschätzung Don Alphonsos seiner Person gegenüber doch beidseitig ist. Insofern wurde da meiner Meinung nach niemand vorgeschickt und ich finde es mehr als merkwürdig wenn man jetzt auch noch sein Beziehungsleben, nähere Freunde und Bekannte, entfernte Verwandte und sonstige Konstellationen in Blogbeiträgen als Disclosure angeben muß. Angesichts von der kleinen Bloggerszene hierzulande müßte man sich ja in einer Art Blogvariante des Spiels Six Degrees of Kevin Bacon (siehe auch Bacon-Zahl in der Wikipedia) dann quasi ganze Stammbäume, Blogrolls und ganze Listen von Instant Messenger-Kontakten auflisten (über diese IM-Zahl wäre ich übrigens ganz nah bei Don Alphonso, da ich gelegentlich mit dogfood chatte, der gemeinsam mit Don Alphonso für die Blogbar verantwortlich ist).

Würde man wirklich das alles angeben, dann könnte ein einfacher dreizeiliger Blogbeitrag demnächst seitenlange Disclaimer/Disclosures aufweisen. Wie merkwürdig das aussehen kann, kann man sich z.B. hier anschauen. In diesem Beitrag habe ich vor fast einem Jahr mal die ganze Blogdiskussion um Katharina Borcherts Berufung zur Online-Chefin der WAZ (bzw. der Online-Tochter WestEins), ihr Interview mit Angela Merkel im Rahmen von xolo.tv usw.usf. aufgegriffen: 42 Zeilen Disclaimer bzw. Disclosure, die meiner Meinung nach dann doch arg übertrieben wirken. Aber wenn man mal anfängt, dann kann man das so ausarten lassen.

Blogs und Politik
Spannen wir das ganze Mal weiter:
In Blogs wird sich auch politisch geäußert. Auch da könnte man eentsprechende Disclosures anbringen. Wobei ich jedoch behaupten möchte, dass durch meine Beiträge hier meine politische Meinung schon klar wird.
Abgesehen davon: Nur weil ich Mitglied der SPD bin, heißt es ja noch lange nicht, dass ich die Politik der SPD in allen Punkten unterstütze. Nur der Mensch, der seine eigene 1-Personen-Partei gegründet hat, wird in einer Partei sein, mit deren Positionen er zu 100 % übereinstimmt. Würde man das Konzept der Disclosures in der reinen Lehre betrachten müsste ich bei jedem politischen Beitrag wo es um Parteien, Parteipolitiker usw. geht das auch angeben. Selbst wenn ich z.B. mal die FDP lobe, weil sie rechtsstaatliche Grundsätze z.B. derzeit bei der Diskussion um die G8-Gegendemonstrationen vermisst. Schließlich könnte ich ja mit einem solchen Beitrag versuchen die Liberalen zu beeinflussen, schließlich könnte es ja mal wieder eine Koalition u.a. aus SPD und FDP bestehend geben… an diesem Beispiel sieht man wieder, wie merkwürdig das Bestehen auf Disclosures sein kann.

Der Versuch eines Fazits
Jetzt habe ich gefühlte 10 Seiten Text geschrieben obwohl ich eigentlich zu dem Thema gar nichts mehr schreiben wollte, aber man kennt das ja: Man liest etwas, wundert sich darüber so sehr bzw. regt sich dann über anonyme Beobachtungen so sehr auf, dass man doch noch was schreibt. Das kann dann länger werden wie man an diesem Text hier sieht. Es würde mich wundern, wenn jemand so lange durchgehalten hat… 😉

Was das Fazit sein soll kann ich gar nicht sagen:
Ich denke man darf das ganze nicht einfach nur in den Kategorien Schwarz und Weiß sehen. Natürlich ist Schleichwerbung schlecht, natürlich sollte man das daher nicht machen. Ich denke darauf kann man sich sehr gut einigen. Aber Werbung, vor allem wenn sie gekennzeichnet ist, muss nicht per se schlecht sein.
Aber ob man wirklich alle möglichen Beziehungskisten angeben muß? Ich weiß nicht, ich denke das ist wirklich übertrieben. Und nur weil ich jetzt z.B. bei Westropolis blogge, heißt es noch lange nicht, dass ich die WAZ nicht auch kritisiere, wenn es Anlass dazu gibt. Egal ob ich indirekt durch die WAZ-Mediengruppe vor ungefähr zwei Monaten 3,00 Euro für’s Taxi gespart habe.

Man kann sich natürlich Textbausteine anlegen um dann das Kleingedruckte in Form von *-Markierungen bzw. klein geschriebenen Fußnoten in Blogbeiträgen zu erwähnen. Nur hat man dann noch den Eindruck eines Blogs vor sich oder eher den eines Handyvertrages? 😉

Ansonsten bin ich vor kurzem auf ein Plugin für WordPress aufmerksam geworden, dass ich allen Freunden der Disclosures vorstellen möchte: Das Disclosure Policy Plugin:

Damit kann man einfach und ohne besondere Probleme alle möglichen Disclosures angeben. Erwähnt man den Namen seines Arbeitgebers im Blog wird automatisch ein entsprechender Disclosure-Text, den man selber vorgeben und formatieren kann, eingeblendet. Ebenso bei anderen Schlüsselbegriffen, die man vorher definieren kann. Einige weitere Zwecke werden auf der Plugin-Seite erwähnt.


5 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Schlumpf @ 27. Mai 2007, 21:18 Uhr

    Wer solche „Informationen“ fordert, befürwortet dann wahrscheinlich auch die Pläne unseres Bundesinnenministers – informationelle Selbstbestimmung scheint einigen wirklich ein Fremdwort zu sein.


  2. (2) Kommentar by Jens @ 28. Mai 2007, 02:21 Uhr

    @Schlumpf: Nicht umsonst habe ich den Namen Schäuble im Beitrag erwähnt. 😉


  3. (3) Kommentar by Briefeschreiber @ 28. Mai 2007, 19:33 Uhr

    tja… das mit der informationspflicht is so ne sache… vor allem ne schwachsinnige.

    kurz und knapp über nicht offensichtliches zu informieren wäre ja ok. und wenn jemand das nicht macht und mich das stört… na dann les ich den einfach nicht. (verantwortungsbewusstes verbraucherverhalten… mal so als stichwort)

    seit rund nem jahr, ist es in börsenbriefen pflicht diverseste verbindungen zu offenbaren und darzulegen. liest kein schwein… interessiert im zweifelsfalls auch nur am rande und journalisten.

    also informationen die nicht stören, die aber überwiegend nicht genutzt werden. nur geht es da um geld… dir geb ich kein geld, also auch kein grund dir was abzuverlangen. -.-

    geld geb ich dir spätestens dann, wenn du bezahlte beiträge reinbringst. das will ich wissen, der rest ist mir egal. 😛


  4. (4) Kommentar by Jens @ 28. Mai 2007, 19:40 Uhr

    @Briefeschreiber:
    Ich glaube ich werde hier nie für Beiträge bezahlt. Und wenn dann würde ich es angeben.


  5. (5) Kommentar by NetReaper @ 30. Mai 2007, 02:42 Uhr

    Fassen wir also zusammen:
    Bis auf das Thema Sponsoring (im weitesten Rahmen) durch Unternehmen ist die ganze Sache total uninteressant und sogar harmlos.

    Natürlich schadet es nicht zu reflektieren, wenn man über bestimmte Sachen nur schreibt, weil man auch beruflich mal damit zu tun hat. Aber die meisten Blogger betrifft so etwas eh nicht.


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