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Jens Matheuszik — 6. Mai 2007, 18:04 Uhr

Ruhr.2010: Warum die Ruhr.2010 GmbH kein freies Logo zur Kulturhauptstadt Europas will (aktualisiert)


do1 - Ortstermin (floriantv)
Wie hier schon erwähnt, war ich am vergangenen Donnerstag im Fernsehen, um zur Logo-Diskussion rund um das Community-Logo der Ruhr.2010 GmbH der Kulturhauptstadt Europas meine Meinung bzw. die Meinung vieler Blogger zu äußern.
Jetzt habe ich endlich Zeit, mich zu dem TV-Beitrag etwas genauer zu äußern:

Den TV-Beitrag, der übrigens sehr schön den Gelsenclan-Beitrag Ruhr 2010 – Bürokratie 1.0 meets Web 2.0 zeigt, kann man sich übrigens direkt bei floriantv.de (eingefügter Einschub: der Beitrag beginnt nach 8 Minuten und 52 Sekunden, oder einfach auf der Seite rechts „Logo-Abzocke?“ anklicken) im Internet anschauen, damit ihr wisst, wovon ich rede bzw. schreibe.

Dank des Beitrages bzw. auch durch den floriantv-Reporter Falk Steinborn, mit dem ich natürlich auch vor- und nachher mich über die Angelegenheit unterhalten habe, sind jetzt auch die Argumente der Ruhr.2010 GmbH bekannt. Schöner wäre es natürlich, wenn man uns auf den Brief an Fritz Pleitgen geantwortet hätte, aber vielleicht folgt das ja noch…

In meinem kurzen zusammengeschnittenen Statement sage ich so etwas, wie dass der Ehrliche der Dumme ist. Damit meine ich Blogger und Privatpersonen die sich an die Regelungen halten wollen, während diverse Städte (siehe 1. Kommentar) und Firmen es anscheinend nicht so genau damit nehmen.

Die interviewte Ruhr.2010-Vertreterin gab an, dass natürlich keine Privatperson befürchten müsse, die Vertragsstrafe von 5.100 Euro zu zahlen, falls das Community-Logo falsch genutzt wird. Nun, Blogger sind gerade in Sachen Abmahnungen sensibilisiert – freiwillig ein solches Schriftstück würde ich nicht unterschreiben, schließlich gibt es ja ausführliche Nutzungsbestimmungen für das Logo, welches man z.B. kein bißchen verfremden darf (auch nicht, um es an das Layout der eigenen Website anzupassen).

So erfuhr ich, dass die Ruhr.2010 GmbH anscheinend keine Lust darauf hat, dass ihr Logo von gewissen politischen Parteien am (rechten) Rand des politischen Spektrums genutzt wird. Das kann ich nachvollziehen, nichtsdestotrotz könnte man da meiner Meinung nach andere Lösungen finden.

Das auch im TV-Beitrag genannte Argument, das alle Kulturhauptstädte so verfahren ist meiner Meinung nach ein Totschlagargument aus der Kategorie „Wo kämen wir denn da hin, wenn wir das anders machen, wir haben das schon immer so gemacht?!“.

Es mag ja sein, dass die anderen Kulturhauptstädte so verfahren, die haben aber auch nicht tolle Gegenbeispiele vor Ort bzw. im eigenen Land:

So bietet das Land Nordrhein-Westfalen auf eine extrem unbürokratische Variante Privatpersonen und Firmen die Möglichkeit, ein stilisiertes Landeswappen zu nutzen, damit man sich mit dem Land auch nach außen hin identifizieren kann (siehe auch das hintere Drittel von diesem Beitrag):

„Schon 1984 kümmerte sich der damalige Innenminister Herbert Schnoor (SPD) darum, daß Vereine, Bürger, Firmen usw. ein stilisiertes Wappen von NRW nutzen können, welches dem offiziellen stark ähnelt. Das offizielle Landeswappen darf – aufgrund der Wappenverordnung des Landes – nur von offiziellen Stellen genutzt werden, so daß für Interessenten eine Alternative geschaffen wurde.“

Ein anderes Beispiel möchte ich Fritz Pleitgen, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH, auch so „von Borusse zu Borusse“ nahelegen (Pleitgen ist ebenfalls wie ich Fan von Borussia Dortmund):
Die Fanabteilung von Borussia Dortmund hat vor einigen Wochen die Aktion Wir sind Borussia! Dortmund braucht den BVB! (offizielle bvb.de-Info) gestartet. Seitdem finden sich überall in Dortmund Plakate und Aufkleber zur Aktion. Ob Cityring- und Einzelhandelsverband, ob Taxis oder Buchläden – die Aktion wird breit unterstützt und nachdem inzwischen die 3. Auflage der Plakate gedruckt wurde, kann man diese kostenlos beim BVB abholen.

Aufgrund dieser lockeren Vorgehensweise wundert es mich nicht, dass innerhalb kürzester Wochen bereits über 10.000 (in Worten: zehntausend!) dieser Plakate verteilt worden sind.

Beide o.g. Beispiele habe ich übrigens auch vor der Kamera erwähnt, doch leider konnten aufgrund der begrenzten Sendezeit diese nicht gebracht werden (wobei ich ja die Hoffnung hatte, dass zumindestens der BVB-Vergleich bei einem Dortmunder Sender Beachtung finden würde… *grins*).

Abschließend schließe ich mich Djure an:

„Und nun noch ein Anregung in Richtung Essen: Wie wäre es, wir setzen uns mal für 30 Minuten zusammen, um die Argumente auszutauschen? Vielleicht ist das hier ja alles nur ein großes Missverständnis.“

Vielleicht kann man das ganze in einem Gespräch eher klären, als via Bande.

Nachtrag: Kann natürlich auch sein, dass das Projektbüro zur Kulturhauptstadt Europas derzeit ganz andere Probleme hat… so wurden anfangs Projektvorschläge per Flyer angefordert, doch plötzlich wird der Eindruck erweckt, als sei das ganze unerwünscht. Der Revierflaneur schreibt bei Westropolis dazu:

„Wenn Asli Sevindim allen Ernstes behauptet, die bei ihrem neuen Arbeitgeber eingetroffenen, erfreulich vielen, egal ob guten oder schlechten, kreativen oder abstrusen Ideen zur Teilhabe seien „unverlangt“ ins Haus geschneit, dann kennt sie vermutlich den Flyer nicht, der im Herbst vorigen Jahres unter der Fanfare „Es geht los!“ massenhaft unters Volk gestreut wurde und (erfreulicherweise!) jene Lawine von Projektvorschlägen ausgelöst hat, unter der nun sie und das Projektbüro mit seinen ach so bescheidenen Mitteln und Möglichkeiten begraben werden. Eine der lauteren Zwischenüberschriften kündigte ein „Dialogisches Verfahren“ im Umgang mit den Einreichern an – nur ist von Dialog bisher bedauerlicherweise nichts zu spüren – was auch in den zahlreichen Interventionen auf Sevindims Levitenleserei treffsicher zum Ausdruck gebracht wurde: Die Teilhabewilligen fühlen sich veräppelt; und das, wie ich meine, mit Fug und Recht.“

Könnte also sein, dass die Logodiskussion derzeit eher eine geringe Priorität besitzt… nur zu verständlich, wenn man den Beitrag des Revierflaneurs liest.


6 Kommentare »

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