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Jens Matheuszik — 28. April 2007, 19:09 Uhr

Dean Koontz: Todesregen: 382 Seiten gepflegter Horror


Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei Westropolis, dem Kulturportal der WAZ-Mediengruppe, welches zum 1. Januar 2011 seine Pforten schließt.

Wenn man einen Roman liest, der den Namen Todesregen trägt, dann denkt man erst an Geschichten über den Klimawandel, Industriekonzerne, deren Emissionen die Umwelt schädigen und dergleichen. Doch wer Dean Koontz kennt, der weiß, dass man hier keinen Politthriller, Wirtschaftskrimis o.ä. zu erwarten hat, sondern stattdessen einen Beitrag aus dem fantastischen Bereich zu erwarten hat.

Die Geschichte in ausführlicher Fassung (die Kurzfassung folgt direkt danach):
Molly Sloan, eine aufstrebende junge Schriftstellerin, ist nachts wach und bemerkt den plötzlich mit einem Mal beginnenden sintflutartigen Regen erst gar nicht. Erst als sie bemerkt, dass dieser schwach silbrig-fluoreszierend leuchtet, wird sie darauf aufmerksam Ihre Gedanken, wieso dieser Regen so merkwürdig leuchtet, werden jedoch jäh unterbrochen, als sie weitere merkwürdige Ereignisse bemerkt.
Nach und nach wird Molly das ganze immer suspekter und gemeinsam mit ihrem zwischenzeitlich geweckten Ehemann Neil, der gegen seinen üblichen Schlafgewohnheiten zuvor heftige Alpträume erlitt, stellen sie fest, das irgendetwas nicht in Ordnung ist: Elektrische Geräte wie Uhren funktionieren nicht mehr richtig und im Fernsehen wird von weltweiten Wetterphänomenen wie Wasserhosen, sintflutartigem Regen, merkwürdigem Schneefall usw. berichtet.

Die merkwürdigen Wetterphänomene werden von weiteren Ereignissen begleitet:
Während die Kommunikationssatelliten anscheinend funktionieren, scheinen alle Wettersatelliten ausgefallen zu sein, da von der Entstehung der Wetterphänomene keinerlei Daten vorliegen. Es gelingt ihnen Neils Bruder Paul, einen Geistlichen auf Hawaii, per Telefon zu erreichen. Dieser kann berichten, dass auch auf Hawaii die seltsamen Phänomene vorherrschen. Doch was die beiden viel mehr entsetzt ist die mittlerweise durch starke Interferenzen gestörte Aussage, dass sich die Leute dort im Gerichtsgebäude versammelt haben, da dieses leichter zu verteidigen sei als die Kirche. Wovor sich die Insulaner verteidigen wollen erfahren Molly und Neil nicht mehr, da dann das Telefonat unterbrochen wird. Im Fernsehen sehen sie zwischenzeitlich panikartige Szenen (übrigens aus Berlin, Deutschland) und mit einem Mal landet die Kamera des Kameramannes auf dem Boden und filmt von dort den Asphalt mitsamt Gischt und Sturmflut. Die Regie beendet die Ausstrahlung jedoch nicht – und wenige Augenblicke später sehen sie, wie ein abgetrennter, halbierter Kopf mit der flachen Seite auf dem Boden landet…

Inzwischen haben sich beide insgeheim überlegt, dass als plausibelste Erklärung ein außerirdischer Angriff auf die Erde der Grund für all die merkwürdigen Vorkommnisse ist, doch noch trauen sie sich nicht, dies gegenseitig anzusprechen. Gemeinsam beschließen sie, sich auf den Weg in die etwas entfernte Stadt, um nach ihren Freunden zu schauen, um das ganze gemeinsam zu erleben. Doch schon auf dem Weg in die Stadt erleben sie weitere schreckliche Dinge, den sie sich nicht erklären können. In einem kurzen Augenblick funktioniert das Autoradio wieder und sie hören eine Aufzeichnung von Bord der internationalen Raumstation im Orbit der Erde, die unangekündigten Besuch der schrecklichen Art erhält. Nach den Schreckensschreien der anscheinend zu Tode gequälten Astronauten ertönt eine merkwürdige Stimme und spricht Worte in einer Sprache, die vermutlich nie zuvor auf der Erde gehört wurde.

In Black Lake angekommen stellen sie fest, dass auf den ersten Blick alles normal erscheint:
Die Leuchtreklamen blinken wie eh und je, in den Häusern sieht man überall Lichter und in einer Kneipe haben sich einige dutzend Menschen verschanzt, zu denen sich Molly und Neil gesellen. Da die Leute dort unterschiedliche Ziele haben (die einen wollen gegen die unbekannten Angreifer bekämpfen, andere wollen sich bis zum nahenden sicheren Tod betrinken und ganz andere können sich nicht entscheiden), beschließen Molly und Neil sich auf den Weg nach draußen zu machen. Dort stellen sie fest, dass sich ein dichter Nebel über Black Lake gelegt hat, überall merkwürdige Lichtphänomene zu sehen sind und immer wieder Schreckensrufe ertönen…

Kurzfassung der Geschichte:
Eines Nachts wachen Molly und Neil Sloan auf und bemerken merkwürdige Wetterphänomene. Nach und nach zeigt sich, dass nicht einfach nur das Wetter verrückt spielt, sondern eine fremde Macht das ganze steuert. Die beiden beschließen daher sich auf dem Weg in die nächste Stadt zu machen, um den drohenden Gefahren nicht alleine gegenüberstehen zu müssen. Im dichten Nebel verschwinden immer mehr Menschen und Molly und Neil machen sich mit anderen auf den Weg um eine sichere Zuflucht zu suchen. Doch wo findet man vor der feindlichen Macht, die scheinbar einen Vernichtungsfeldzug gegen die Menschen und die Erde selbst führt, eine sichere Zuflucht?

Bewertung:
Eine Geschichte kann noch so spannend sein (und diese ist wirklich sehr spannend!), wenn sie schlecht geschrieben wurde. Doch das muss man bekanntermaßen bei Dean Koontz nicht befürchten. Seine Worte schaffen es den Horror der Geschichte im Kopf des Lesers plastisch entstehen zu lassen (was für mich doch tatsächlich ein Grund war, direkt am Abend nach der Lektüre das Schlafzimmerfenster nicht offen zu lassen – wer weiß schon, welcher Todesregen durch's Ruhrgebiet zieht?) und in dem Roman zeigt Koontz Referenzen an berühmte Vorbilder ob nun z.B. Horrorfilme mit lebendigen Leichen, marschierenden Zombies und dergleichen aber auch H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos wird gekonnt und erschreckend aufgegriffen.
Kritikpunkte kann man nicht viele finden, jedenfalls keine, die dem Autoren zuzuschreiben sind. Man könnte jedoch mal den Heyne-Verlag fragen, wie man auf einen Titel wie Todesregen kommt, wo doch The Taking (der Originaltitel) nicht nur subtiler sondern auch passender klingt. Wenn man schon gerade mal den Verlag kritisiert kann man auch gleich das eher unpassende Covermotiv nennen und auch die etwas großen Buchstaben. Damit kann man zwar mehr Seiten füllen (was auch den nicht geringen Preis erklärt), aber ich kannte solche Großschriftdruckwerke eher von Kinderbüchern. Doch für Kinder ist Todesregen sicherlich nicht geeignet.

Ich kann den Roman wirklich empfehlen, denn selten habe ich in letzter Zeit eine so spannende Geschichte gelesen, bei der vor allem das Ende mehr als überraschend und aufwühlend ist. Ich habe nicht unbedingt etwas gegen Romane, wo man schon nach 20 Seiten weiß, wie das ganze ausgeht, aber spannender sind die Geschichten, wo man wirklich am Ende vom positiven oder negativen Ende überrascht wird.

Alleine die Tatsache, dass ich früh nachmittags mit dem Todesregen begonnen habe und erst spät abends das Buch aus der Hand gelegt, als ich die letzte von insgesamt 399 Seiten gelesen hatte, zeigt wie fesselnd der Roman ist.

Dean Koontz: Todesregen – Heyne – 399 Seiten – 19,95 Euro


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