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Jens Matheuszik — 16. April 2007, 19:09 Uhr

Lieder, deren Existenz man immer verheimlichen wollte… Die Top 10 der peinlichsten Lieder auf dem eigenen MP3-Player


Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei Westropolis, dem Kulturportal der WAZ-Mediengruppe, welches zum 1. Januar 2011 seine Pforten schließt.

Weltweit hat Marktführer Apple von seinen iPods (in der Abbildung ist der alte iPod shuffle an einem farbenfrohen Lycksele-Sofa arrangiert) schon über 100 Millionen Exemplare verkauft – nicht umsonst sieht man immer wieder die typischen weißen Ohrhörer (in dem Zug, in dem diese Zeilen ursprünglich entstanden waren es rund ein halbes dutzend Paare).

 

Wenn inzwischen selbst schon die iPod-Playlist von Personen wie George W. Bush jr. im Internet veröffentlicht werden, sollte man den Schritt an die Öffentlichkeit wagen und die zehn peinlichsten Lieder nennen, die auf dem eigenen MP3-Player (muss ja kein Apfelmodell sein) gespeichert sind.

 

Daher sind alle Leser hier aufgefordert sich mit ihren persönlich peinlichsten Liedern zu melden!

 

Der Autor dieser Zeilen geht mit gutem Beispiel voran und ist schmerzbefreit genug, um seine eigene Top 10 zu nennen.

Ursprünglich dachte ich übrigens nur an fünf Lieder, aber auf meiner Zugfahrt von Berlin nach Bochum hatte ich schon weit vor Wolfsburg deutlich mehr als fünf Lieder auf der Liste, so dass es doch noch mehr wurden.

 

Aber kein langes Gerede mehr, wir beginnen mit den musikalischen Peinlichkeiten:

 

Platz 10 – Never Forget – Take That:

„We've come so far and we've reached so high…" – nein, hier schreibt kein Teenie-Girl, welches damals den ersten Herzinfarkt bekam, als bekannt wurde, dass Robbie Williams Take That verlässt und (direkt nach der Rekonvaleszenz) den zweiten Infarkt hatte, als sich die restlichen „Nimm das"-Jungs auflösten. Nichtsdestotrotz habe ich dieses Lied auf meinem MP3-Player und ihn sogar im iTunes Store heruntergeladen. Bei dem Lied werden nämlich Erinnerungen wach die mehr als 10 Jahre her sind – damals ging es mit zwei Leistungskursen der Oberstufe aus dem beschaulichen Lüdinghausen nach Flandern und aus irgendwelchen Gründen gehörte dieses Lied irgendwie dazu. Nicht nur, weil es anscheinend öfters im Bus gespielt wurde sondern auch weil einige Mitschülerinnen (die sich sicherlich nicht mehr dran erinnern wollen…) stets den Kinderchor am Anfang des Liedes („We've come so far…") lautstark darboten.

 

Zur Ehrenrettung des Abschlußjahrgangs 1997 des St.-Antonius-Gymnasiums in Lüdinghausen (falls irgendwer davon diese Zeilen liest und mich dafür verdammen möchte, möge er dies bitte über das Stufenforum unter www.anton97.de erledigen) möchte ich auch noch das „eigentliche" Lied der damaligen Studienfahrt nennen – denn das war Nordisch by Nature von Fettes Brot, welches ich auch heute immer noch gerne und begeistert höre, da es mich u.a. an nächtliche (natürlich von den Lehrern nicht erlaubte) Strandwanderungen usw. erinnert.

 

Platz 9 – Leuchte auf mein Stern Borussia – Bruno Knust:

Als Fan eines traditionell erfolgreichen (mit Betonung auf traditionell – derzeit kann man ja schon von Erfolg sprechen, wenn die Erstligazugehörigkeit bestehen bleibt) Fußballvereins wie Borussia Dortmund (BVB) hat man natürlich auch das eine oder andere dazugehörige Fußballlied. Einige davon (nein, Doro Pesch von der Borusseum-CD ist es nicht) haben es sogar auf meinen MP3-Player geschafft, so z.B. das auf Amazing Grace basierende „Leuchte auf mein Stern Borussia, leuchte auf zeig mir den Weg…" – denn ganz egal wohin er uns führt, „ich werde immer bei Dir sein!"

Der Titel hört sich nur beim Lesen kitschig an, er klingt auch beim Hören kitschig – es ist einfach ein kitschiges Lied. Aber dennoch gefällt es mir, insofern halte ich es eigentlich noch nicht einmal wirklich für peinlich (aber die Meister-Remixe zu den vergangenen Meisterschaften, die unverhohlen Anleihen an musikalischen Höhepunkten wie Live is live oder Eins, Zwei, Polizei nahmen, sind erst gar nicht auf der Playlist gelandet).

 

Platz 8 – Five Days – Patrick Nuo:

Auch an dieses Lied verbinde ich einige Erinnerungen – denn ungefähr zu dem Zeitpunkt als das Lied öffentlich bekannt wurde, hatte ich gerade mein erstes neues Auto (ein Cabrio) erstanden und als ich eine der ersten Fahrten ohne Dach, dafür mit Sonnenschein und leichtem Wind im Gesicht, fuhr, lief eben dieses Lied. Das erinnert mich immer noch heute daran – aber es war übrigens nicht der im Lied besungene 2. Juli – was auch schade wäre, würde das ja auch bedeuten, dass all die Freude am 6. Juli enden würde…

 

Platz 7 – Schwule Mädchen – Fettes Brot:

Nein, eigentlich ist das kein peinliches Lied, sondern ein sehr gutes. Nur kann dieses Lied doch schon zu eher peinlichen oder merkwürdigen Situationen führen:

Dafür muss man einfach nur mit dem Cabrio (siehe Platz 8) fahren, an einer Ampel stehen bleiben müssen und cabriotechnisch die Lautstärke gerade etwas lauter als normal hören. Wenn einem dann die Passanten an der Ampel merkwürdig anschauen und ein kleines Mädchen seine Mutter fragt, was denn schwule Mädchen sind, dann kann man nur noch gnadenlos lächeln und hoffen, dass es sehr schnell grün wird und man in einer Stadt herumfährt, wo man einen nicht kennt…

 

Platz 6 – Ma Baker – Boney M:

Eigentlich braucht man dazu keine Worte mehr zu verlieren. Wobei das ganze ggf. schon bald nicht mehr peinlich ist, sondern wieder kultig. Als ich am Wochenende in Berlin auf der re:publica weilte, sah ich nämlich immer wieder in den Straßen Schilder für das kommende Daddy Cool-Musical…

 

Auch hier wieder der Versuch einer Art Ehrenrettung:

Direkt nach diesem Track spielte der kleine iPod shuffle die Live-Version von Bochum von Herbert Grönemeyer – aus dem ich mal eben zitiere:

„Bochum … machst mit dem Doppelpass die Hertha und Tennis Borussia auf'm Kanaldeckel nass Du und Dein VfL!"

Auch als eher nicht-Fan des VfL Bochum, aber als Co-Autor bei Revier-Derby.de, hätte ich es gerne gehabt, dass Grönemeyer recht behält. Stattdessen hat jedoch dummerweise Hertha BSC gegen den VfL Bochum gewonnen.

 

Platz 5 – Wir sind Prinz – Prinzengarde Olfen:

Nein, eigentlich ist das nicht peinlich. Nur merkwürdig. Und für viele Leute einfach nur schwer verständlich. Dabei handelt es sich nämlich um ein Karnevalslied. Dazu muss man wissen, dass meine Heimatstadt Olfen zwar tiefstes Westfalen ist, aber dennoch zu einer der Karnevalshochburgen des Landes zählt. Was sind schon Städte wie Köln, Düsseldorf oder Mainz? Keine von denen kann jedenfalls von sich behaupten, dass zur Karnevalszeit die vierfache Anzahl der Einwohner beim Karnevalsumzug zugegen sind…

Im Karneval spielt auch die Prinzengarde eine sehr wichtige Rolle – und akustisch sorgen sie auch für gute Stimmung, z.B. durch das Lied „Wir sind Prinz". Dabei handelt es sich im Übrigen um eine Adaption von Frameless' Lied Black and White (wurde auch nachträglich von Oliver Pocher als Schwarz und Weiß gecovert), welches auf der nach oben offenen Gröhlfaktor-Skala mindestens liebe sieben Punkte bekommt…

 

Platz 4 – Ronan Keating (und Yusuf Islam) – Father and son:

Die gefühlte 37. Cover-Version von Cat Stevens' bekanntem Klassiker Father and son singt diesmal der irische Sänger Ronan Keating, der es damit schafft, sich selbst zu covern, denn zwischenzeitlich (als er noch in einer Boygroup namens Boyzone war) hatte er dieses Lied auch schon mal gesungen. Warum er das Lied jetzt im Rahmen seines Solo-Albums 10 years of Hits-Anthologie erneut trällert bleibt unbekannt. Wahrscheinlich aber ist es ein guter Anlass um ein neues Video für das Lied zu drehen, denn in der ursprünglichen Cover-Version sah man ihn mitsamt seinen Boyzone-Boys nur im Schlafanzug mit Schlafzimmerblick.

Doch dieses Lied weist noch eine Besonderheit auf – denn es wird auch zusätzlich am Ende von Yusuf Islam gesungen. Ja genau – dem eigentlichen Sänger des Liedes, der als Cat Stevens bekannt wurde und sich nach seinem Übertritt zum Islam Yusuf Islam nennt.

Einen Grund für dieses Lied auf meinem MP3-Player gibt es auch: Ich muss ja eines der wenigen Singstar-Lieder, welches ich einigermaßen beherrsche weiter trainieren… noch scheitere ich immer an dem „away" von „… and I know that I have to go — a – way".

 

Platz 3 – Kylie Minogue – "Deine Disco braucht Dich":

Ich gebe es zu – ich war schon immer ein Fan von Kylie Minogue. Von ihrem ersten Song I've should be so lucky über gecoverte Klassiker wie The Locomotion bis hin zu dem schön-schaurigen Duett Where The Wild Roses Grow mit Nick Cave. Um es mit einem Deiner Comeback-Hits auszusprechen Kylie: I Can't Get You Out Of My Head.

Doch das Lied Your Disco needs you ist schon irgendwie peinlich – vor allem im Mittelteil wo ich immer wieder in unkontrolliertes Mitsingen bei so Passagen wie „Huuu huu huu huu huu haa haaa huu huu huuu" falle. Direkt danach spricht Kylie dann normalerweise auf französisch, dass die Disco einen persönlich braucht. Schlimm wird es jedoch, wenn Kylie in einer bestimmten Version das ganze auf Deutsch daherplappert. Geht gar nicht!

 

Platz 2 – Xavier Naidoo – Danke:

Ja, die Fußball-WM-Euphorie hat so einige Nachfolgen, von denen man sich langsam aber sicher erholt. Bei einigen ist es schade, bei anderen ist es zu begrüßen. Dieses Lied gehört eher zu letzteren Kategorie. In diesem Lied bringt Xavier Naidoo seine Danksagung gegenüber der deutschen Nationalmannschaft auf musikalische Art und Weise dar. Dabei muss man sich echt fragen, ob ein Sänger wie Xavier Naidoo nicht fähig ist, bessere Texte zu schreiben als z.B. folgende Holperreime:

 

„… Wir salutieren vor Kapitän Michael Ballack, Du hast trotz Deiner Schmerzen krass geballert… Yo, we can't forget Per Mertesacker, Du machtest manchen Stürmer zum Kofferpacker; hast den Job erledigt und Dich so verewigt, manch ein Gegner denkt bestimmt ‚Dieser Mother…' … Christoph Metzelder war Feuermelder und Feuerlöscher der Spielfelder, der Gegner kommt, den Gegner stellt er, Stürmer sind für ihn wie Bäume, Bäume fällt er …"

 

Einen positiven Aspekt hat dieses Lied jedoch doch noch – es kann bequem als Zeitmesser dienen, denn es dauert doch mal eben rund sieben Minuten. Wenn man also demnächst die Zeitangabe „zwischen fünf und 10 Minuten" konkretisieren will, könnte man auch von „einem Danke" sprechen…

 

„Der 4. Juli dieses Jahres [2006; der Tag, an dem Deutschland gegen Italien ausschied] war kein schlechter Tag" – aber der 21. Juli 2006, als dieses Lied veröffentlicht wurde!

 

Platz 1 – Take My Heart When You Go – Band ohne Namen:

Eigentlich stellt dieses Lied nur eine ganz besondere Form der Kapitalismuskritik dar. Schließlich hieß die Band ohne Namen nicht immer so. Namenlos wurde die Band nämlich erst, nachdem ihr alter Name (Allianz) von einer gleichnamigen Versicherung (die derzeit Milliardengewinne einfährt und dennoch tausende Mitarbeiter freisetzt) bemängelt wurde. Angeblich würde es da Verwechslungsgefahren geben – und so mussten die Schmalzsänger ihren Namen abgeben, damit sie niemand mehr mit der Allianz-Versicherungsgruppe verwechselt.

Im Nachhinein mag sich das als gutmütiger Akt seitens der Allianz erweisen – wer möchte denn jetzt schon als Band mit diesem Konzern verwechselt werden?

 

… ehm, die obige Ausrede, warum dieses Lied auf der Playlist ist, scheint nicht wirklich glaubhaft zu sein. Memo an mich: Unbedingt die Playlist zu Hause auf dem PC ändern!

 

So, nachdem ich jetzt vorgelegt habe, würde ich mich über die peinlichsten Lieder Eurer MP3-Playliste freuen!


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