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Jens Matheuszik — 14. April 2007, 15:54 Uhr

Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) übernimmt Artikel ungefragt von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) – zwischenzeitlich erneut aktualisiert


Faszinierend… als ich gestern abend nach Hause kam, schaute ich mir erst einmal die aufgekommene Post und die gelieferten Zeitungen an. So auch die WAZ vom Donnerstag, in der es einen Artikel namens TV egal von XXX XXX zur 1000. Sendung von TV Total gab, der auch prominent auf dem Titel beworben wurde:

WAZ 12.04.2007
Quelle: WAZ (Scan von medienpiraten.tv)

Den Artikel fand ich gut.

Bis jetzt gerade.

Von der eigentlichen Aussage her finde ich den Artikel immer noch gut, doch via Stefan Niggemeier, bin ich auf diesen Blogbeitrag von Peer Schader aufmerksam geworden. Peer Schader hatte ein paar Tage vorher in der FAS den Artikel “TV total”-Krise: Jeden Tag einen guten Raab veröffentlicht.

Anscheinend wurde genau dieser Peer Schader-Artikel Artikel von Peer Schader ((Formulierung wurde deutlicher gemacht)) ungefragt von der WAZ-Autorin XXX XXX übernommen.
Natürlich gibt es einige Änderungen, nichtsdestotrotz sind die Ähnlichkeiten (siehe die Tabelle im oben verlinkten Blogbeitrag) offensichtlich.

Das ist schon ein dreistes Stück – was jedoch noch getoppt wird. Denn Peer Schader hat Kontakt mit der WAZ aufgenommen und zwischenzeitlich schrieb ihm XXX XXX. Er schreibt in seinem Blog dazu:

„Ich habe Post von Frau XXX bekommen. […] Ich habe angerufen und mich beschwert. Frau Schild hat das Vorkommen bedauert. Aber ich hatte das Gefühl, sie bedauerte weniger, dass sie bei mir abgeschrieben hatte, als dass sie dabei ertappt wurde.

Jetzt schreibt Frau XXX, die bei der “WAZ” offenbar fest angestellt ist, sie könne mir nach einer Rücksprache mit ihrem Ressortchef als “‘Honorar’” (Anführungszeichen von ihr) “nur das übliche Zeilengeld anbieten (46 Cent pro Zeile)”, weil ihre Zeitung ja bekanntermaßen ein sparsamer Verein sei. Vielleicht sollte das locker klingen oder ein Witz sein. Und es geht weiter: Denn was das “‘Honorar’” angehe, müsse man ja erst einmal diskutieren, wie viele Zeilen berechnet würden (immerhin habe sie ja auch ein paar Worte zu dem Text beigetragen). Das sei “Verhandlungssache” und ich solle mal einen Vorschlag machen.
[…]
Von einer Entschuldigung oder einer Auskunft dazu, ob diese Arbeitsweise bei der “WAZ” – immerhin die größte Regionalzeitung des Landes – üblich ist, steht in der Mail jedenfalls nichts.

Und wegen der “üppigen Zeilen-Honorierung”, wie es weiter heißt, sei ich ja sicher auch nicht daran interessiert, als freier Mitarbeiter für die “WAZ” zu arbeiten. Sonst könne man gerne ins Geschäft kommen.

Die Mail schließt mit der Formulierung: “Mir wäre es ganz lieb, wenn wir vorerst umständliche Briefwechsel vermeiden könnten.” Wie lästig ist es doch, sich jetzt mit jemandem auseinanderzusetzen, bei dem man vorher geklaut hat.“

Das finde ich dreist. Wenn man die Texte der FAS so gut findet, dann sollte man – ähnlich wie z.B. SPIEGEL Online – ein Kooperationsabkommen abschließen und die Texte im Original übernehmen. Wenn jedoch so etwas bekannt wird, sollte man nicht noch so patzig („vorerst umständliche Briefwechsel vermeiden“) reagieren. Aber wenn das ganze jetzt in den Blogs bekannt wird ist das ja auch kein Briefwechsel. Nur hoffentlich wird jetzt eine WAZ-Autorin nicht sauer auf „dieses Internet“…

Nachtrag:
Ich habe das Bild oben eingefügt, aus dem man erkennen kann, daß die WAZ sogar auf ihrem Titel mit dem Artikel geworben hat.

Nachtrag 2:
Die zentrale Aussage oben wurde von mir aktuell angepasst, da man die alte Fassung (die durchgestrichene Fassung) doppeldeutlich sehen konnte.

Nachtrag 3:
Der Beitrag wurde inzwischen anonymisiert.


13 Kommentare »

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