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Jens Matheuszik — 12. März 2007, 17:56 Uhr

Bürgermeister Jörg Hußmann von Selm findet eigene Stadt gar nicht langweilig (aktualisiert)


In zwei Wochen gibt es in der Stadt Greven im Münsterland eine Stichwahl zwischen dem CDU-Kandidaten Jörg Hußmann und dem SPD-Kandidaten Peter Vennemeyer.

An sich nichts besonderes – wenn da nicht folgendes pikante Detail dabei wäre:
Jörg Hußmann ist derzeit amtierender Bürgermeister von Selm – einer Stadt am nördlichen Rand des Ruhrgebietes.

Er flieht damit quasi aus der „eigenen“ Stadt und will wo anders Bürgermeister werden. Das Pottblog berichtete bereits darüber, heute – nach dem 1. Wahlgang – berichtete nun auch die BILD in ihrer NRW-Ausgabe groß unter der Überschrift „Selm ist mir zu langweilig“ davon.

Aktualisierung: Wie inzwischen bekannt wurde, hat jedoch der amtierende Selmer Bürgermeister Jörg Hußmann eben nicht gesagt „Selm ist mir zu langweilig“. Nach Angaben in den Ruhr Nachrichten (RN) hat er der BILD gegenüber nur erklärt, daß er aus zwei Gründen nach Greven wechseln möchte. Einerseits aus privaten/familiären Gründen und andererseits würde Greven eine neue Herausforderung für ihn darstellen. Er habe nie davon gesprochen, daß Selm zu langweilig für ihn wäre.

Politiker aller Parteien in Selm, die Jörg Hußmann kennen, erklärten auch, daß sie sich solche Aussagen nicht vorstellen können. Auch die Aussage, daß er sich gerne in vollem Ornat mit Bürgermeisterkette fotografieren lässt, wird selbst von harten Hußmann-Kritikern deutlich angezweifelt.

Insofern scheint der BILD-Bericht nicht wirklich korrekt zu sein – und auch nicht den journalistischen Richtlinien des Axel-Springer-Verlages zu entsprechen, wie das BILDBlog demonstriert.

Nichtsdestotrotz bleibt es bei meiner negativen Einschätzung der Kandidatur – gleich geht es weiter mit dem ursprünglichen Text.

Meiner Meinung nach ist das peinlich die Bürgermeister-Kandidatur in Greven peinlich, vor allem wenn man die „Vorgeschichte“ (siehe unten) kennt.

Ich rufe daher hiermit die Grevener zur Wahl von Peter Vennemeyer auf – und das ohne ihn jetzt persönlich oder sein Programm zu kennen. Aber ich kenne indirekt Jörg Hußmann, und ein Bürgermeister, der aus der „eigenen“ Stadt flieht, wäre für mich persönlich unwählbar.

Vorgeschichte:
Man muß dazu wissen, daß Jörg Hußmann im Moment amtierender (und bis 2009) gewählter Bürgermeister von Selm, einer Nachbarstadt von Olfen ist.

1999 wurde Jörg Hußmann Beigeordneter in Selm und soll damals versprochen haben im Falle seiner Wahl zum Beigeordneten nach Selm zu ziehen. Bietet sich ja auch an, schließlich gehört man als Beigeordneter zum Verwaltungsvorstand der jeweiligen Stadt und ist ggf. sogar Verwaltungsvertreter des eigentlichen Bürgermeisters.

Bis 2004 hat er es dann wohl immer noch nicht geschafft nach Selm zu ziehen, doch jetzt trat er als Bürgermeister-Kandidat von Selm an. Im Wahlkampf versprach er erneut, er würde nach Selm ziehen…

… dies tat er bis zum 15. Oktober 2006 nicht – und an diesem Tag verkündete er (anscheinend ohne vorher seine Parteifreunde von der CDU in Selm zu informieren, denn diese waren reichlich konsterniert), daß er gerne Bürgermeister in Greven werden wolle. Er versprach übrigens im Falle der Wahl nach Greven zu ziehen.

Mag sein, daß dieses dritte Versprechen jetzt eingehalten werden würde (aus privaten bzw. familiären Gründen soll Greven im Münsterland für Jörg Hußmann attraktiver sein als Selm im Ruhrgebiet) – aber das können die Bürgerinnen und Bürger von Greven noch verhindern:

Bei der gestrigen Bürgermeister-Wahl in Greven erzielte Jörg Hußmann nur 36,6 % der Stimmen. Für das „schwarze Münsterland“ ein schlechter Wert – wie auch der Vergleich zur Bürgermeister-Wahl 2003 zeigt, denn die CDU hat satte Verluste von -13,74 % zu verzeichnen. In einer Zeitung sprach Hußmann davon, daß die Wahl „sehr ortsteilspezifische Ergebnisse hervorgebracht [habe]“.
Ist es ortsteilspezifisch, wenn man keinen Bürgermeister aus einer anderen Stadt haben will, der dort scheinbar mehrfach seine Wahlversprechen gebrochen hat?

Peter Vennemeyer von der SPD erzielte 30,55 %, Dr. Michael Kösters-Kraft von den Grünen bekam 20,01 % und der unabhängige Kandidat Ernst Reiling bekam 12,85 % der Stimmen.

Liebe Gegenkandidaten von Jörg Hußmann – da sollte doch wohl was machbar sein in Sachen Wahlabsprache?

Und falls dann Jörg Hußmann in Selm Bürgermeister bleiben muß, weil ihm die Grevener in zwei Wochen vielleicht doch nicht mehrheitlich das Vertrauen aussprechen, wird es Jörg Hußmann bekanntlich zu langweilig. Doch auch dafür gibt es eine Lösung:
Die Parteien in Selm können sich ja mal den § 66 der Gemeindeordnung NRW genauer anschauen, in dem das Procedere steht, wie man einen amtierenden Bürgermeister abzuwählen hat.


2 Kommentare »

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  1. (1) Trackback by Pottblog @ 13. März 2007, 18:40 Uhr

    Falschbericht über Jörg Hußmann, den aus Selm fliehenden Bürgermeister, in der BILD-Zeitung…

    Gestern hatte ich im Bericht Bürgermeister Jörg Hußmann von Selm findet eigene Stadt zu langweilig über den CDU-Bürgermeister von Selm (eben Jörg Hußmann) berichtet, der in einer anderen Stadt (Greven) als Bürger…


  2. (2) Trackback by Pottblog @ 26. März 2007, 22:17 Uhr

    Selms Bürgermeister Jörg Hußmann in Greven nicht zum Bürgermeister gewählt worden…

    Mitte Oktober berichtete ich, daß der Selmer Bürgermeister Jörg Hußmann (CDU) aus der eigenen Stadt “flieht”, denn damals verkündete er pressewirksam (anscheinend ohne vorher seine Parteifreunde zu informieren), da…


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