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Jens Matheuszik — 6. Januar 2007, 00:10 Uhr

Die ach so böse private Krankenversicherung


… und vor allem die ach so reichen Leute, die sich damit aus der solidarischen Verantwortung stehlen.

Wenn ich das immer wieder lese und höre könnte ich (frei nach Kurt Tucholsky Max Liebermann) gar nicht genug fressen, wie ich k***en möchte!

Ob nun in Tageszeitungen, Magazinen, dem Radio, Fernsehen oder auch in dem einen oder anderen Blog bzw. den Kommentaren dort – es ist derzeit „en vogue“ über die böse private Krankenversicherung (PKV) und deren gutverdienende Mitglieder, die ja so schrecklich unsolidarisch sind, zu lästern.
Leider manchmal auch einfach fern von Argumenten und Fakten – so zahlt z.B. die PKV meines Wissens jährlich Solidarzahlungen an die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Milliardenhöhe.

Vor einiger Zeit veröffentlichte die taz den Artikel Buhlen um die Jungen, der auch mal wieder die üblichen Anti-PKV-Argumente brachte. Das ärgerte mich so sehr, daß ich damals einen Leserbrief dazu schrieb. Den drucke ich mal hier in Auszügen ab, wobei man sich unbedingt vorher den taz-Artikel durchlesen sollte – dann werden einige Formulierungen klar:

„Männlich, allein stehend, an sich gesund (meine letzte Arztrechnung möchten Sie aber sicherlich nicht sehen und vor allem auch nicht vorstrecken!), 28 Jahre, monatliches Netto-Einkommen weit (deutlich mehr als die Hälfte davon!) unter 3.937,50 Euro: ich.

Ich finde die Diskussion um die Bürgerversicherung/Fondsmodell/wie-auch-immer-Reform der Gesundheitsversorgung gerade in Bezug auf die private Krankenversicherung einseitig.
Da wird immer nur von den privaten „Großverdienern“ (3.937,50 Euro würde ich sofort nehmen!) gesprochen ohne zu berücksichtigen, daß auch Personen mit deutlich geringerem Einkommen in der privaten
Krankenversicherung Mitglied sind: z.B. die Beamten.

Aber sobald es um Beamte geht scheint man ja gleich nur an B-eamte zu denken, die nach der B-Besoldung bezahlt werden. Das es „da draußen“ (in der Wirklichkeit!) auch Beamte gibt die z.B. nach A7, A8 oder A9
besoldet werden scheint gerne vergessen zu werden.

Momentan zahle z.B. ich monatlich an meine private Krankenversicherung einen Betrag der ungefähr 8,15 % von meiner Brutto-Besoldung ausmacht. Wäre das mein Arbeitnehmeranteil in der gesetzlichen Krankenversicherung – ich wäre bei der teuersten Krankenkasse von ganz Deutschland versichert.
Diese Summe resultiert übrigens nicht aus irgendwelchen Zuschlägen und dergleichen sondern ist quasi der „Nullrisiko“-Tarif – da ich schon seit meiner Geburt bei dieser Gesellschaft versichert bin.

Sollte die private Krankenversicherung jetzt irgendwie in ein neues Fondsmodell einbezogen werden und dadurch die Kosten für die privat Versicherten steigen wäre das eine weitere Steigerung der schon so
hohen Kosten. Was ich von allen Politikern, die gerne die private Krankenversicherung ins gesetzliche System zwingen wollen, immer vermisse ist die Bereitschaft zu akzpetieren, daß das ja nicht nur neue Einnahmen für die GKV bedeutet sondern auch Ausgaben, denn auch jetzt-PKV-Versicherte gehen zum Arzt und verursachen nicht geringe Kosten.
[…]
Es ist ja übrigens nicht so, daß man als Beamter die große Auswahl zwischen GKV und PKV hat, denn als Beamter wird man ja quasi „gezwungen“ in die private Krankenversicherung zu gehen, da man ansonsten als freiwillig gesetzlich Krankenversicherter mal eben den Arbeitgeber-Anteil mitzahlt. Klar, ein Bundestagsabgeordneter oder gar ex-Außenminister kann schön verkünden, daß er freiwillig gesetzlich versichert ist. Sorgen Sie dafür, daß ich dieselben monatlichen Einkünfte wie Herr Fischer erhalte und ich würde mich sofort freiwillig gesetzlich versichern…

Hier könnte der Gesetzgeber mal etwas regeln – nach dem Motto, daß man hier vernünftig zwischen gesetzlich und privat wählen kann, daß aber auch die PKV-Altersrückstellungen zu anderen Versicherungen übernommen
werden können und vor allem auch manche GKV-Regelung (z.B. die „Zwangsrabatte“ bei verschiedenen Medikamenten) auch für die PKV-Abrechnungen zählen.

[…]

Bei einer unlängst stattgefundenen Diskussion erklärte Andrea Nahles, SPD-Vorreiterin der Bürgerversicherung, daß sie natürlich nicht etwas gegen die Beamten hat, die ja fast keine Alternative zur PKV haben. Dann darf man aber auch nicht die Basis der PKV durch ein Fondsmodell, eine Bürgerversicherung oder ähnliches zerstören, denn wenn die PKV keine Neukunden erhält, steigen logischerweise die Tarife für den Bestandskunden (wie mich) deutlich an.

Ich finde gerade den letzteren Aspekt sehr wichtig – und leider immer wieder in der Diskussion ignoriert.

[…]“

Reaktion auf diesen Leserbrief: 0 (in Worten: null, nada, niente)

Vorgestern erschien dann in der taz der Artikel Angst vor den Kranken, und nachdem ich sah, daß der Artikel von der gleichen Autorin geschrieben wurde wie der oben verlinkte, habe ich wieder einen Leserbrief geschrieben:

„Erneut (siehe unten weitergeleitete eMail mit meinem Leserbrief dazu aus dem Juni 2006 – auf den ich keine Reaktion erhalten habe) schreibt Anna Lehmann in der taz über die private Krankenversicherung auf [dem Niveau einer Zeitung mit GROSSEN Buchstaben]. Anders kann ich es nicht nennen, wenn mal wieder das typische Klischee der „jungen, reichen, unsolidarischen“-PKV-Versicherten herangezogen wird.

Es gibt nämlich auch noch die anderen Privatversicherten und wenn man inzwischen von möglichen Beitragssteigerungen in der PKV aufgrund der Gesundheitsreform um bis zu 30 % berichtet, dann bin ich froh, wenn die CSU dagegen was unternimmt – auch wenn ich sonst der CSU kaum was abgewinnen kann.

Ich bin mal sehr gespannt, inwiefern die taz auch mal diesen Aspekt berücksichtigt… und noch gespannter bin ich auf den morgigen Artikel zum Thema Gesundheitsreform in der taz NRW. Hoffentlich ist der nicht so einseitig. Aber Frau Lehmann berichtet ja aus Berlin – es besteht also noch Hoffnung.“

Der „morgige Artikel“ in der taz NRW betraf dann doch was anderes – aber wenigstens habe ich diesmal von der Autorin eine freundliche Antwort erhalten. Bin mal gespannt, ob das auch in der taz erwähnt wird – wobei mir der erste Leserbrief wichtiger war – und der war ja auch etwas unpolemischer Natur. Aber wie so oft: Manchmal erzielt man nur mit etwas Provokation eine Reaktion.


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