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Jens Matheuszik — 14. November 2006, 00:05 Uhr

„…auf jedem Ruhr-Bildschirm die Startseite…“ – zweiter Teil des Interviews mit OnRuhr-Chef Uwe Knüpfer zur neuen Internet-Zeitung des Ruhrgebietes


onRuhr LogoNach dem ersten Teil des Interviews mit Uwe Knüpfer zur neuen „Lokalen Online-Zeitung“ des Ruhrgebietes OnRuhr gibt es heute den zweiten und letzten Teil.

OnRuhr wird am 17. November 2006 starten und wird damit den Mitbewerbern von WestEins, dem neuen Internet-Portal der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), mindestens zeitlich voraus sein. WestEins unter Online-Chefredakteurin Katharina Borchert (Lyssa’s Lounge) wird nach den bisherigen Plänen erst Anfang 2007 starten.

Das Interview ist in zwei Teile aufgeteilt:


Zweiter Teil des Interviews mit OnRuhr-Chef Uwe Knüpfer

Pottblog: Der klare Schwerpunkt soll auf dem Ruhrgebiet liegen. Während andere Verlage hier in der Region ihre Lokalberichterstattung eher einschränken sieht es bei OnRuhr schon jetzt auf der Internet-Seite sehr differenziert aus: Schon jetzt werden rund 40 Lokalteile von Bergkamen über Recklinghausen bis Witten angekündigt. Wer macht jetzt einen Fehler: Sie oder Ihre Zeitungskollegen allgemein bzw. genauer gesagt teilweise sogar Ihre ehemaligen Kollegen von der WAZ?

onRuhr Uwe KnüpferUwe Knüpfer: Zu den Gründen, aus denen traditionelle Zeitungsverlage Lokalausgaben einstellen, will ich mich nicht äußern. Es ist jedenfalls nicht so, dass Lokalzeitungen keine Leser hätten. Im Gegenteil: Bei allen mir bekannten Umfragen unter Zeitungslesern rangiert die Angabe „Interesse am lokalen Geschehen“ auf den vorderen Plätzen. Wir glauben, dass es gerade in Zeiten allseits geforderter Flexibilität und der Globalisierung wichtig ist, an einem Ort fest verwurzelt zu sein. Dazu gehört, teilzunehmen am lokalen Leben. Das ist nur möglich, wo eine lokale Öffentlichkeit existiert. Die wollen wir, wo nicht vorhanden, mit onruhr herstellen, oder, wo vorhanden, beleben.

Pottblog: Nach ersten Berichten wird OnRuhr nicht sofort mit allen Ortsteilen starten, sondern nach und nach. Wieviele und welche werden beim Start dabei sein und wann wird die „volle“ Ausbreitung erreicht sein?

Uwe Knüpfer: Wir wollen mit der Lokalausgabe Essen starten, auf dem Fuß gefolgt von Dortmund. Ende 2007 wollen wir in allen Ruhrgebietsstädten mit Lokalausgaben präsent sein. Wir suchen lokale Partner.

Pottblog: Würde sich nicht ein Start in Bochum, Gelsenkirchen oder dem Vest-Kreis Recklinghausen anbieten? Gerade hier gibt es ja derzeit bzw. bereits geplant „Reduzierungen“ im Bereich der Lokalzeitungen.

Uwe Knüpfer: Wir stehen in Kontakt mit Interessenten in Gelsenkirchen und dem Vest.

Pottblog: Im Kress Report wurde dazu – laut dem Handelsblatt-Blog Indiskretion Ehrensache – geäußert, daß das mit den lokalen Partnern über ein Franchise-System ablaufen soll. Was hat man sich darunter vorzustellen? Schreibende Ich-AGs für OnRuhr? Kooperationen mit Vereinen nach dem Motto „OnRuhr-Hintertupfingen wird Ihnen präsentiert vom TUS Hintertupfingen“? Normalerweise kennt man den Begriff Franchise nur von Ketten wie Aral, McDonalds oder Obi, wo man als Franchise-Nehmer erstmal viel Geld zahlen muß, um einen etablierten und eingeführten Namen nutzen zu können.

Uwe Knüpfer: Wir entwickeln eine Art Franchise-Modell, das es einzelnen Journalisten – oder auch Teams, die sich zusammenfinden und ein Gesellschaft gründen – möglich macht, in ihrer Stadt ohne großen Kapitalaufwand aus dem Stand eine anspruchsvolle Lokalzeitung zu machen. Eigenverantwortlich, aber auf der Grundlage von OnRuhr festgelegter Grundsätze und Regeln.

Pottblog: Bei vielen Franchise-Konzepten haben die Franchise-Nehmer kaum Möglichkeiten außerhalb des vereinbarten Rahmens zu handeln. Wäre das hier möglich? So nach dem Motto, daß die Macher von OnRuhr Hintertupfenhausen beschließen die ersten zwei Wochen die jeweiligen Ausgaben ausgedruckt vor Ort zu verteilen oder würde das gegen den OnRuhr-Gedanken verstoßen?

Uwe Knüpfer: Es ist zentraler Bestandteil des OnRuhr-Konzepts, dass Seiten oder komplette Ausgaben jederzeit auch gedruckt werden können, in Farbe oder schwarzweiß, im A4-Format oder vergrößert, als Loseblattsammlung oder auf A3 gedruckt und zum Heft gefalzt.

Pottblog: Wieviel Redakteure werden denn in der Zentrale in Essen dann sitzen? Für den Mantelteil wird man ja sicherlich kein Franchise-System nutzen und einfach einen Abdruck von Agenturmeldungen kann man sicherlich auch nicht erwarten oder eher befürchten?

Uwe Knüpfer: Zur Zeit arbeiten in der Essener Zentralredaktion vier Redakteure. Die Redaktion wird maßvoll wachsen. Die meisten Beiträge werden von freien Mitarbeitern kommen.

Pottblog: Was sagen Sie zu der z.B. im Blog print-to-internet geäußerten Kritik, wo es heißt:

„Schon für ein gut ausgestattetes Team ist es sehr schwierig, in einem oder zwei der genannten Bereiche ein ansprechendes Produkt zu erstellen. Wie soll dann bei einem Team mit einer Stärke von „bis zu zehn Redakteuren“ etwas Gutes heraus kommen?

Das Ganze riecht stark nach verwaisten Foren, lückenhaften Eventkalendern und Videos vom letzten Karneval, die das ganze Jahr über in der Liste der aktuellsten Videos auftauchen.“

Uwe Knüpfer: Diesen Kritikern würde ich raten, sich schon jetzt als OnRuhr-Leser registrieren und dann überraschen zu lassen.

Pottblog: Das werden die Kritiker sicherlich auch noch machen. Aber eine andere Frage hängt direkt damit zusammen: Wie soll sich eigentlich OnRuhr finanzieren? Wird es OnRuhr nur für Online-Abonnenten geben? Wird das ganze werbefinanziert sein? Gibt es neben einer kostenlosen Gratis-Ausgabe eine Premium-Version gegen klingende Münze?

Uwe Knüpfer: OnRuhr muss sich über Werbung finanzieren. Der Redaktionsetat wird parallel zu den Werbeeinnahmen steigen; alles andere wäre Harakiri. Der komplette Inhalt jeder Ausgabe wird für jeden registrierten Leser zugänglich sein. Die Registrierung ist kostenlos. Daneben werden wir ein Abo anbieten. Abonnenten können eine Zeitung nach Maß beziehen, eine tägliche Pressemappe anlegen und das Archiv nutzen; unter anderem.

Pottblog: Ist es nicht schwierig für eine Zeitung wie OnRuhr Werbepartner zu erhalten? Für ein Printprodukt ist die Auflage wichtig, das wird jedoch kaum zu ermitteln sein. Für Online-Werbung ist es nicht sinnvoll, wenn man die Zeitung sich auch ausdrucken kann. Von einer ausgedruckten PDF-Datei kann man schlecht auf eine Werbung klicken. Man könnte fast vermuten, daß hier die Nachteile beider Welten (Print + Internet) verbunden werden.

Uwe Knüpfer: Im Gegenteil, hier werden die Vorteile zweier Welten verbunden. Werbeprofis erkennen das auf den ersten Blick. Wir müssen uns über Mangel an Interesse jedenfalls nicht beklagen.

Pottblog: Wie teuer soll eigentlich ein solches Abonnement werden? Und bedeutet die Aussage, daß sich OnRuhr über Werbung finanzieren müsse, daß die Abo-Zahlungen gar nicht direkt maßgeblich für den wirtschaftlichen Erfolg sind?

Uwe Knüpfer: Richtig. Die Abo-Gebühren werden nicht wesentlich zur Kostendeckung beitragen, vor allem nicht in den Anfangsmonaten. Wie hoch die Abo-Gebühr sein wird, haben wir noch nicht entschieden.

Pottblog: Glauben Sie denn, daß OnRuhr mit dem Bezahlmodell Erfolg haben wird? Die Erfahrungen zeigen doch, daß selbst kostenpflichtige Premiumangebote wie z.B. Börsenangebote – bei einer bedeutend höheren Zielgruppe – nicht wirklich erfolgreich sind. Eingedenk der Tatsache, daß einer der ersten (sichtbaren) Schritte der neuen WAZ Online-Chefredakteurin Katharina Borchert die Freischaltung des umfangreichen WAZ-Archives war, sehe ich nicht so sehr das Potential von OnRuhr-Kunden, die sich kostenpflichtig für ein Archiv interessieren.

Uwe Knüpfer: Die Zeiten ändern sich, im Internet besonders und besonders schnell. Durch Breitbandzugang und Flatrate werden Dinge möglich, die man sich vor zehn Jahren nur ausdenken konnte. Und es finden ganz neue Nutzergruppen den Weg ins Netz. Deshalb muss morgen nicht gelten, was gestern richtig war. Anders gesagt: schaun’mer mal.

Pottblog: OnRuhr soll ja in wenigen Tagen starten. Ist das, was man jetzt schon im Netz an Strukturen unter www.onruhr.de sehen kann schon das endgültige Produkt oder soll das nur eine Anregung sein?

Uwe Knüpfer: Es ist mehr als eine Anregung. Die Übersicht über die Ressorts und Lokalteile zeigt an, wohin wir in den nächsten Monaten kommen wollen. Einiges wird vom Start an auf den vorgesehenen Plätzen stehen, anderes wird Schritt für Schritt dazukommen. Wir werden am 17. November eine Zeitung zur Welt bringen, an der „schon alles dran“ ist, die dann aber täglich liebevoll gepäppelt, gefüttert und großgezogen werden muss. Im Dialog mit unseren Lesern.

Pottblog: Die Frage zielte darauf, daß der Webauftritt der OnRuhr von den Webstandards und der Präsentation her nicht unbedingt mehr als zeitgemäß betrachtet wird. Man mag Web 2.0 als überstrapazierten Begriff bezeichnen, nichtsdestotrotz sieht OnRuhr derzeit noch etwas „altbacken“ aus.

Uwe Knüpfer: OnRuhr wird natürlich technisch immer auf der Höhe der Zeit sein, aber nicht unbedingt alle technischen Möglichkeiten und Gimmicks einsetzen, die gerade mal en vogue sind. Manchmal ist weniger mehr. Wir wollen uns bewusst von Portalen unterscheiden, die durch eine Überfülle von Angeboten und Geflimmer die Orientierung erschweren. Wir haben uns bewusst für eine Zeitungs-Anmutung entschieden, weil wir davon überzeugt sind, dass die bewährten (meinetwegen: altbackenen) Gestaltungs- und Ordnungsprinzipien der Zeitung gerade auch im aufgewühlten Ozean der Internetwelt Freunde finden werden.

Pottblog: Herr Knüpfer, vielen Dank für die Antworten auf dieses Interview! Eine allerletzte Frage noch: Wo sehen Sie OnRuhr bestenfalls am 17.11.2007 und wo schlechtestenfalls?

Uwe Knüpfer: OnRuhr wird 111 111 registrierte Leser haben und auf jedem Ruhr-Bildschirm die Startseite sein. Schlechtestenfalls sind es einige weniger.


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