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Jens Matheuszik — 23. Oktober 2006, 23:39 Uhr

Kein Fon bei mir


Wahrscheinlich kann man mich als typisch deutschen Angsthasen bezeichnen – nachdem man den Beitrag Gratis WLAN-Router bei FON von Nico (und die Kommentare dort) gelesen hat.

Nico zeigt sich erfreut (neben ihm noch einige andere Blogs), daß Fon den Fon-Router La Fonera jetzt in Deutschland kostenlos verschenkt (siehe auch die heise newsticker-Meldung).

Das Konzept was dahinter steckt ist ja auch ganz gut: Man teilt seinen Internet-Anschluß mit anderen Fon-Teilnehmern und kann dadurch an allen anderen Fon-Standorten auch ins Netz. Der neue Fon-Router namens La Fonera ermöglicht es zwei verschiedene WLAN-Netze aufzubauen und von einander zu trennen: Einer für Fon-Nutzer und einer für das private Netzwerk.

Eigntlich eine tolle Idee. Nur: Dummerweise gibt es jedoch hier in Deutschland auch noch Gesetze und auch wenn man natürlich alles tot diskutieren kann (wie die fon-Idee), halte ich die Bedenken dennoch für gravierend.

1.) Ich bin mir gar nicht sicher, ob jeder Internet-Provider es erlaubt, daß man Fon bei sich nutzt. Wobei das ggf. ein Thema ist, was man nach dem Motto „Wen kümmert’s?“ erstmal aussitzen könnte. Erstmal aber nur. Spätestens wenn der Provider zweimal klingelt ist vielleicht Vorsicht geboten.

2.) Viel gravierender ist die rechtliche Situation: Wenn über meinen Internet-Zugang mit meiner IP-Adresse Schindluder getrieben wird ist erstmal meine IP-Adresse dafür verantwortlich. Da die Provider hierzulande solche Daten a) lange speichern und b) auf richterliche Anordnungen schnell herausgeben, wäre das mein Name, der damit in Verbindung steht.
Natürlich könnte man ggf. der anrückenden Polizei erklären, daß man ja gar nichts selber gemacht habe, aber wenn man denen Fon erstmal erklärt hat, ist der PC wahrscheinlich schon erst einmal als „Beweismittel“ einkassiert worden. Da Fon die Nutzung durch die (angemeldeten und verifizierten) Benutzer auch speichert, käme man ggf. auch an deren Daten – nur ist man selber erstmal der augenscheinlich Schuldige.
Ich verstehe übrigens nicht, warum man mittels Fon nicht einfach ein sogenanntes Virtual Private Network (VPN) aufbaut – dann wäre meines Wissens sichergestellt, daß ein Fon-Nutzer zwar ggf. über meine IP in das Fon-VPN geht, aber von dort aus mit eine Fon-IP ins Internet.

Sehr „vertrauensvoll“ finde ich übrigens die Antwort auf die Frage How about my personal responsibility when a FON-user does something illegal? in der FON-FAQ:

Please, check terms and conditions of use of the service, terms and conditions of use of the webpage and privacy policy.

Tollerweise ist keines der Dokumente verlinkt. Man kann natürlich über die Website zu den englischen AGBs gelangen, die jedoch beim ersten Überfliegen (ich gebe es zu: Ich habe mich nicht lange mit dem Kleingedruckten aufgehalten) die Frage nach der Verantwortung nicht wirklich beantworten.

Daher: (Erstmal) Kein Fon bei mir.


5 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by jooonas @ 24. Oktober 2006, 01:41 Uhr

    Kommt mir auch nicht ins Haus. Es ist nun mal so, dass der Anschlussinhaber immer die Beweislast trägt.
    Der Gedanke von FON is schön und gut, aber schwarze Schafe gibt’s bekanntlich mehr als genug.


  2. (2) Kommentar by Patrick @ 25. Oktober 2006, 13:04 Uhr

    Eine interessante Sichtweise über die ich mir leider / wirklich keine Gedanken gemacht habe…


  3. (3) Kommentar by Jens @ 27. Oktober 2006, 16:13 Uhr

    @Patrick:
    Wenn das richtig geklärt wäre, würden sicherlich mehr Leute sich für Fon entscheiden.


  4. (4) Kommentar by Wingi @ 28. Oktober 2006, 16:58 Uhr

    Deutsche Provider dürfen nur rechnungsrelevante Daten speichern. Damit sind IP’s und der Zeitpunkt bei einer Flatrate hinfällig, auch wenn dies noch lange in den Köpfen bleibt.

    Weiterhin ist die Gefahr,das jemand, der Schindluder im Netz treiben will und dazu dein WLAN nutzt, auch ohne FON da. Mit genügend krimineller Enerie und ein bisschen INet-Recherche kommt man is 90% der heimischen Wlans. Hand auf’s Herz: Wie sicher ist dein WLAN-Router und überprüfst du täglich, was für Daten ins Netz gehen?

    Ich finde es schade, aus obigen Grund FON nicht auszuprobieren …


  5. (5) Kommentar by Jens @ 28. Oktober 2006, 18:41 Uhr

    @Wingi:
    1.) Was sie dürfen und was sie machen sind zwei Paar Schuhe. Von meinem Provider weiß ich z.B. daß er solche Daten dennoch speichert (das ist nämlich der selbe, gegen den ein Nutzer gerade deswegen geklagt hatte).
    Außerdem sollte man anmerken, daß es derzeit gesetzgeberische Anstrengungen gibt, die eine Speicherung auch bei Flatrate-Kunden gesetzlich vorschreibt.

    2.) Klar, Schindluder kann immer betrieben werden. Aber man hat – siehe Urteil aus Hamburg – zumindestens die Pflicht sein WLAN abzusichern. Zumindestens das habe ich erledigt.

    3.) Ich finde es ja auch schade, daß das schöne Fon-Konzept nicht vernünftig anwendbar ist. Warum orientiert sich Fon nicht an Sofanet, wo ein getunnelter VPN-Zugang zu Sofanet aufgebaut wird und die „Mitsurfer“ dann via Sofanet-IP im Internet sind?


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