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Jens mobil — 31. August 2006, 17:12 Uhr

Wahlleistungsebene – oder: Wie erkläre ich einem kleinen Kind die private Krankenversicherung (zwischen dem Erdgeschoß und der 4. Etage)?


Folgende Situation erlebte ich vor kurzem:
Wie in den letzten Tagen üblich betrete ich im Erdgeschoss eines Krankenhauses den Aufzug, in dem schon ein kleiner Junge von vielleicht 8 oder 9 Jahren steht und den Knopf für den 5. Stock gedrückt hat.

Nachdem ich eingestiegen bin drückte ich die 4 für den 4. Stock, woraufhin der Junge sich erst das Schild „Kurzzeitpflege / Wahlleistungsebene“ durchliest und mich dann fragt, ob ich jemanden in der Kurzzeitpflege liegen haben würde. Ich verneinte dies und erklärte, daß ich eine Person in der Wahlleistungsebene besuche.
Daraufhin fragte er mich was das ist.

… tja, schwere Frage: Wie erklärt man einem kleinen Kind unser Gesundheitssystem, bestehend aus gesetzlichen und privaten Krankenkassen, Zusatzversicherungen, den Unterschieden, den Vor- und Nachteilen usw.usf. Doch der Junge wollte ja was wissen, und wenn jemand wißbegierig ist, sollte man auch seine Fragen beantwortet bekommen.

Da ich auch nicht viel Zeit hatte (der Fahrstuhl fuhr ja schon) erklärte ich ihm sinngemäß folgendes:

Fast alle Menschen sind in einem Verein namens Krankenversicherung, der sich um die Leute kümmert, wenn sie krank werden und zum Arzt oder ins Krankenhaus müssen.
Die meisten haben dabei eine Karte vom AOK- oder vom Barmer-Verein und dazu dann eine Chipkarte, wo deren Name und Adresse drauf gespeichert ist. Wenn es den Leuten nicht gut geht, gehen Sie zum Arzt oder Krankenhaus und dann wird ihnen dort geholfen, nachdem sie die Karte vorgelegt haben.
Die notwendige Behandlung, das notwendige Krankenhausbett, die notwendigen Tabletten und all das sind für alle Patienten gleich gut. Es gibt jedoch Leute, die wollen vielleicht nur zu zweit in einem Krankenhauszimmer liegen oder die wollen ganz spezielle und besondere Tabletten. Die zahlen dann entweder zu ihrem AOK-Verein ein paar Euros im Monat drauf oder sind ganz bei einem anderen, privaten Verein. Und wenn sie das machen, dann können sie in die Etage namens Wahlleistungsebene und haben da dann eventuell sogar ein Einzelzimmer.

Ist wie beim Autofahren: Du kommst auch mit dem kleinen VW Polo gut zu Deinem Onkel und Deiner Tante. Mit einem Porsche bist Du schneller – aber der ist leider teurer.

Die letzten Sachen mußte ich ihm schon von draußen sagen, denn ich war ja schon ausgestiegen.

Ich weiß nicht, ob er das so verstanden hat – aber da ich manchmal den Eindruck habe, daß auch unsere Politiker unser Gesundheitssystem nicht immer richtig verstehen, wäre er damit also quasi in bester Gesellschaft…


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