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Jens Matheuszik — 28. August 2006, 18:11 Uhr

Steuerfinanziertes Kunstwerk „Der Bevölkerung“ gehört nicht der Bevölkerung


Schon seit einiger Zeit befindet sich Hotel Falckenstein, das Blog von Petra Tursky-Hartmann, auf meiner Blogroll. Gerade die Berichte dort z.B. zur Fußball-WM und ihrem japanischen Gast waren wirklich sehr gut und lesenswert.

Jetzt schreibt Petra etwas anderes – und das ist auch lesenswert. Aber eher vom anderen Standpunkt her, denn es handelt sich meiner Meinung nach um einen Skandal.

In dem offenen Brief Was kostet der Himmel? schreibt sie an das Präsidium des Deutschen Bundestages und schildert von ihrem „Streit“ mit der VG Bild+Kunst bzw. mit einem Künstler.

Hintergrund: Petra war vor einiger Zeit in Berlin und hat dort selber einige Fotos gemacht, die auch auf ihrer Internet-Seite veröffentlicht werden. So z.B. die bekannte Statue von Willy Brandt in der gleichnamigen SPD-Parteizentrale, aber auch das Kunstwerk Der Bevölkerung von Hans Haacke aus dem Reichstag. Dies ist jedoch nach Ansicht der VG Bild+Kunst nur gegen Lizenzgebühr möglich und letzteres Kunstwerk darf jetzt noch nicht einmal gegen Zahlung der Lizenzgebühr veröffentlicht werden, weil der Künstler etwas dagegen hat.
Nur zur Erinnerung: Wir reden hier nicht von irgendeinem Bild, was irgendein Künstler einem verschrobenen Kunstexperten verkauft hat und nun im stillen Kämmerlein hängt. Wir reden hier von einem Kunstwerk im Reichstag, dem Parlament der Bundesrepublik Deutschland, welches sich explizit an die deutsche Bevölkerung richtet… – und bezahlt wurde es vom Steuerzahler auch noch, also auch von Petra.
Wenn Herr Haacke was dagegen hat – warum macht er dann solche Exponate für die Öffentlichkeit? Warum beteiligt er sich an Ausschreibungen des Bundestages und schafft ein Werk mit dem Namen „Der Bevölkerung“?

Der Heise-Newsticker berichtet inzwischen auch schon davon:

„Man darf Werke grundsätzlich nicht fotografieren und die Fotos online stellen, weil dies eine Nutzung des jeweiligen Kunstwerks ist, die der Genehmigung des Rechtsinhabers bedarf“, erklärt der auf Medienrecht spezialisierte Anwalt Till Kreutzer gegenüber heise online. Ausnahmen gelten, wenn das Werk „frei“ ist, weil die Schutzdauer 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers abgelaufen ist, oder es sich dauerhaft an „öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen“ befindet. In diesem Fall greift die so genannte „Panoramafreiheit“ […]. Diese gilt gemäß der gängigen Rechtsprechung aber nur, wenn das entsprechende Werk von öffentlichem Grund unmittelbar und ohne Hilfsmittel einsehbar ist. Selbst Kunstwerke, die sich im Innenraum eines öffentlich zugänglichen Gebäudes befinden, dürfen nicht nach dieser „Schrankenregel“ genutzt werden.

Die ernüchterte Bloggerin bemühte sich daraufhin um eine Lizenzierung der drei beanstandeten Fotos. […] Zu ihrem Lizenzwunsch für das Bild der Installation im nördlichen Lichthof des Reichstags, das nur die drei ersten Buchstaben des Werks umfasst, erhielt sie dagegen folgende Auskunft der Verwertungsgesellschaft: „Herr Haacke ist mit der Veröffentlichung seines Werkes ‚Der Bevölkerung‘ auf Ihrer Website leider nicht einverstanden.“

[…]

Sollte das Bundestagspräsidium bestätigen, dass es sich beim Reichstag nicht um einen öffentlichen Raum handelt und Fotos der Installation lizenzpflichtig sind, fordert Tursky-Hartmann zumindest die Anbringung von Hinweisschildern.

Mal ganz ehrlich: Ich kann natürlich verstehen, daß die Rechte von Künstlern gewahrt und vertreten werden. Das jedoch mit öffentlichen Mitteln sicherlich nicht schlecht bezahlte Exponate von der Bevölkerung selbst dann nicht genutzt werden können, wenn sie der Bevölkerung gewidmet sind ist lächerlich. Diese „Schrankenregel“ bzgl. der Panoramafreiheit sollte man daher auch explizit auf öffentlich zugängliche Gebäude ausweiten – denn was wäre das für ein Parlament, was nicht öffentlich zugänglich wäre?

Ich drücke Petra in der Angelegenheit ganz fest die Daumen und bin gespannt, ob es auf ihre Briefe an das Bundestagspräsidium Antworten geben wird.


2 Kommentare »

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  1. (1) Trackback by Webnobbis Blog @ 28. August 2006, 19:12 Uhr

    Künstlerpech? Abmahn- oder doch eher “Rinder”wahn?…

    Es passt eigentlich auch irgendwie zum Abzocke-Forum von PC-Special. Mit dem Unterschied, dass es in dem Fall eher politischer Natur ist und fast schon als Jux oder Satire laufen könnte – wäre es nicht so ernst!
    “Unser” Willy Brandt im …


  2. (2) Trackback by Weblog der NRWSPD @ 29. August 2006, 12:55 Uhr

    Kein Foto von “Der Bevölkerung” für die Bevölkerung…

    Abbildung verboten
    Wegen der Veröffentlichung eines Fotos des Kunstwerkes “Der Bevölkerung” auf ihrer Homepage bekam Petra Thursky-Hartmann (Referentin Öffentlichkeitsarbeit der SPD-Faktion im Hessischen Landtag, Blog Hotel …


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