Search:

Werbung:

Google+:

Archiv:


Jens Matheuszik — 31. Mai 2006, 00:03 Uhr

Die ComputerBILD, die c’t und der vermeintliche Microsoft Office-Skandal


Titelbild der c't 12/2006Vor ein paar Tagen machte ich indirekt Werbung für die aktuelle Ausgabe der c’t, da diese MS Office 2007 (Beta) kostenlos auf CD-ROM beinhaltet.

Etwas irritiert war ich dann über diesen Kommentar in dem Beitrag, wobei ich den ausdrücklich nachvollziehen und verstehen kann. Schließlich gibt es folgende Pressemitteilung der ComputerBILD:

„Der Softwarekonzern Microsoft will in Deutschland die redaktionelle Berichterstattung von Computermagazinen über die Office-2007-Vorabversion kontrollieren. Verlage, die eine Kopie von „Office Professional Plus 2007 Beta 2“ auf den Heft-CDs und -DVDs vertreiben möchten, sollen einen Vertrag unterschreiben. Damit sichert sich Microsoft Mitsprache bei den redaktionellen Inhalten und eine Prüfung der Veröffentlichungen zu. Das berichtet die Zeitschrift COMPUTERBILD in ihrer aktuellen Ausgabe (12/2006, ab Montag im Handel). Das Hamburger Computermagazin hat den Vertrag nicht unterschrieben und verzichtet auf das Programm für die Heft-CD/-DVD.

Nur Verlage, die den Vertrag unterschreiben, bekommen eine Lizenz des Programms für ihre Heft-Datenträger. Ein Kernpunkt der „Vertriebsvereinbarung“: Die Verlage stellen Microsoft einen Entwurf der geplanten Artikel zur „Prüfung und Stellungnahme“ zur Verfügung.
Die Redaktionen sollen dann bei der Einbeziehung der empfohlenen Änderungen „kooperieren“. Damit sollen etwa „Inkorrektheiten in bezug auf die Produkte“ und eine „Herabsetzung von Microsoft und/oder jeglichen Produkten“ vermieden werden. Außerdem gibt Microsoft in einer „Anleitung für Verlage zu genehmigten Inhalten“ einige Textpassagen für die Heftveröffentlichung vor.

[…]

COMPUTERBILD hat sich entschieden, den Vertrag nicht zu unterschreiben, und verzichtet auf die Verbreitung der Office-Vorabversion. „Dieser Vertrag ist ein grober Eingriff in die journalistische Unabhängigkeit“, sagt Hans-Martin Burr, stellvertretender Chefredakteur des Magazins. Sich darauf einzulassen sei eine Bankrott-Erklärung redaktioneller Freiheit.“
Quelle: http://www.presseportal.de/story.htx?nr=828580

Starker Tobak!

Auch ich war da ehrlich gesagt etwas verwundert als ich das las. Statt das sofort aufzugreifen, habe ich eine eMail an den zuständigen Redakteur der c’t geschickt. Leider bekam ich keine Antwort dazu. Stattdessen hat sich jedoch der c’t-Chefredakteur Christian Persson ausführlichst zu dieser Angelegenheit in den c’t-Foren ausgelassen (zu erkennen am umkringelten h, dem heise-Logo):

„[Untersagt Microsoft Euch Negativkritik zu Office 2007?]

Die Frage kann ich ganz schlicht mit Nein beantworten.

Der Herausgabe dieser CD ist eine kritische Diskussion zwischen Microsoft und etlichen deutschen Fachverlagen vorausgegangen. Ein Anlass dieser Diskussion war die Tatsache, dass Microsoft bei der Herausgabe des XP Service Pack 2 ein einzelnes Computermagazin bevorzugt bedient hat. Es wurde dadurch in die Lage versetzt, die CD früher als alle anderen beizulegen und so seine verkaufte Auflage drastisch zu steigern.

Microsoft hat sich aufgrund der Kritik der Verlage offenbar veranlasst gesehen, für alle Computermagazine gleiche Bedingungen zu schaffen und diese vertraglich zu regeln. Der aus den USA vorgegebene Vertrag ist aus meiner Sicht juristischer Overkill, schränkt aber bei vernünftiger Auslegung die journalistische Freiheit nicht ein. Es ist ohnehin guter journalistischer Brauch, dem Betroffenen eine Gelegenheit einzuräumen, zu Kritik Stellung zu nehmen. Davon, dass Microsoft Formulierungen vorgegeben habe, kann überhaupt keine Rede sein. Im so genannten „Reviewer’s Guide“ geht es lediglich um die korrekte Schreibweise der Wortmarke.

[…]

De facto hat Microsoft keinerlei Versuch unternommen, auf die Berichterstattung Einfluss zu nehmen.“

Das ist doch mal ein Wort; weiter in den Foren geht er noch expliziter auf einzelne Passagen ein, erklärt die c’t-Taktik, falls Microsoft doch hätte etwas verbieten wollen usw.usf.

Das ganze klärt sich dadurch relativ gut auf. Die fett markierten Passagen habe ich fett markiert – und man kann sich vielleicht denken, welches Magazin damit damals gemeint war – da kann man sich auch am Computer seine Meinung bilden…

Leider hat die c’t jedoch einen Fehler begannen: Man hätte auf diesen „PR-Stunt“ einer anderen Zeitung vielleicht doch mit einer Meldung im heise newsticker eingehen sollen, damit c’t-Leser ob der verbreiteten Pressemitteilung (die es auch bis zu SPIEGEL Online geschafft hat) nicht verwirrt werden.


7 Kommentare »

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI.

    Es gab einen kritischen Fehler auf deiner Website.

    Erfahre mehr über die Fehlerbehebung in WordPress.