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Jens Matheuszik — 1. Mai 2006, 23:18 Uhr

FC Venus – mit Christian Ulmen, Nora Tschirner – eine Filmkritik


Fc VenusGestern war ich mal wieder im Kino – und im Gegensatz zu MC Winkel war ich nicht auf der Premiere, sondern bei einer ganz normalen Vorstellung des FC Venus in Duisburg.
In den Hauptrollen spielen Christian Ulmen und Nora Tschirner, als bekanntester Nebendarsteller wirkt Heinz Hoenig mit.

Die Story in kurz:
Paul (Christian Ulmen) und Anna (Nora Tschirner) leben in Berlin an sich glücklich, feiern gerade das 2-jährige Jubiläum als Paul ein Anruf aus der brandenburgischen Provinz (der Heimatstadt Imma) erreicht. Sein von ihm 1995 mitgegründeter Verein FC Imma droht abzusteigen, man benötigt ihn und seine Knipserfähigkeiten. Unter Vorspiegelung falscher Tatsachen gelingt es Paul sogar Anna zu überzeugen nach Imma zu ziehen, doch schnell stellt sich der wahre Grund für den Umzug nach Imma heraus. Anna ist keineswegs erfreut drüber und mit ihrem Frust über die Fußballleidenschaft ihres Freundes ist sie nicht allein – auch die anderen Spielerfrauen (ein herrliches Bild davon gibt es bei den Soccergirlz – man achte auf die Blickrichtung) sind eigentlich keine Fußball-Fans, haben sich jedoch in ihr Schicksal gefügt.

Und so kommt es – etwas durch übermäßigen Alkoholgenuß der Damen geprägt – zu einer folgenschweren Wette:
Wenn die Spielerfrauen bzw. auch die, die nur mal mit Sex mit einem Spieler gehabt haben, es schaffen bei einem Spiel gegen die Männer zu gewinnen, müssen diese für immer dem Fußball abschwören. Gewinnt der FC Imma gegen die Damenmannschaft, die sich den Namen FC Venus gibt, dann würden die Damen nicht mehr jammern, wenn die Herren zum Fußballtraining gehen, danach in der Stammkneipe noch einen trinken oder aber im heimischen Wohnzimmer immer wieder Fußball beim Zappen erwischen und dran bleiben.

Nach einer alkoholgeschwängerten Nacht will Anna das ganze nicht mehr wissen, doch die anderen Spielerfrauen bauen auf sie und so ziehen sie ihr Ding durch. Durch die „Sex-Regel“ erhalten Sie auch ungeahnten Zuwachs, als z.B. der Freund eines der Spieler diesen als schwul outet („ach, er hatte in den letzten drei Jahren so viel zu tun, da kann ich verstehen, daß er bisher noch nicht die Gelegenheit hatte zu sagen, daß wir ein Paar sind“) oder aber Anna eine ihr bekannte Star-Torhüterin aus dem Damenfußball auf einen Spieler ansetzt, getreu dem Motto „Nach dem Sex ist vor dem gemeinsamen Spiel“.

Als dann auch noch der bekannte Fußballtrainer Laurenz Schmidt (Heinz Hoenig) Imma besucht und Paul irrigerweise glaubt, dieser wolle ihn in die Bundesliga holen, obwohl er als Trainer des FC Venus quasi seinen Gegner darstellt, geht es so richtig los.

Filmbewertung:
Irgendwie hatte das noch gefehlt im WM-Jahr 2006 – ein Film über Fußball. Und was gibt es besseres als eine Komödie werden sich die Macher gedacht haben. Die Antwort haben sie gleich auch gefunden: Eine Komödie, in der auch die „Randgruppe“ Frau mitspielt. Eigentlich ist ja Randgruppe falsch – schließlich sind zumindestens aktuell die Fußballerinnen der deutschen Nationalmannschaft erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen, nichtsdestotrotz gilt Fußball immer noch als Männersport par excellence.
Dabei ist die Idee eine Fußball-Komödie mit einer „Randgruppe“ zu drehen nicht wirklich neu – siehe dazu auch den extra veröffentlichten Beitrag mit der Besprechung des Filmes „Männer wie wir“.

Doch das soll kein Grund sein den Film abzuwerten – richtig neue Filmideen gibt es ja heutzutage eh kaum noch. Und lieber eine schon dagewesene Idee neu und gut aufgreifen als etwas neues aber ganz langweiliges bringen.

Und das erfüllt FC Venus klar und deutlich, denn man amüsiert sich eigentlich von der ersten bis zur letzten – vorhersehbaren – Minute. Schon bei den ersten Szenen hat der Film die Lacher auf seiner Seite und anhand des zustimmenden Gemurmels im Kinosaal merkte man schnell, daß dort die gängigen Klischees richtig dargestellt wurden, z.B. bei den Spielerfrauen die sich am Spielfeldrand um alles, aber auch um wirklich alles – bis auf den Fußball – kümmern.

Die Geschichte weiß also zu gefallen, auch wenn einige Elemente nicht unbedingt notwendig sind. So fragt sich nicht nur Dramaking, warum der Handlungsstrang um den Trainer (über den ich jetzt keine weiteren Worte – der Spannung wegen – verliere) eingebaut worden ist, denn wirklich notwendig ist das nicht.
Auch ist die Story doch irgendwie hervorzusehen – man ahnt halt schon, in welche Richtung das ganze geht und man kann sogar am Ende (in dem alles entscheidenden Spiel) quasi die Torschützen hervorsagen. Das schmälert die Freude an dem Film jedoch nicht.

Die Gags sind – jetzt teilweise im Gegenteil zum schon zitierten Film Männer wie wir – doch schon innovativ und nicht ganz so extrem klischeehaft und vorhersehbar – wenn z.B. sich Paul selbst als Sushi-Buffet präsentiert und Anna ihren Mitspielerinnen (die Paul nicht sieht) lakonisch zuruft, daß es Fisch gibt, dann lacht nicht nur die Ha.us-Frau sondern fast das ganze Publikum, genau so wie bei der Szene wo Anna einer ihrer Mitspielerinnen zuruft, daß sie abseits wäre und diese ganz entsetzt und verwundert antwortet, daß sie dachte, sie wäre Libero.

Die Schauspieler selbst sind meiner Meinung nach sehr gut besetzt – angefangen natürlich bei den Hauptdarstellern Christian Ulmen und Nora Tschirner die sich perfekt ergänzen und – ganz im Gegensatz zu gemeinsamen MTV-Sendungen – grundsätzlich harmonisch agieren… wenn man nicht gerade die Momente betrachtet, wo Anna hinter das Geheimnis des Umzugs nach Imma kommt (da stören dann auch keine Schiedsrichter auf dem Platz, wenn sie ihren Freund mitten in einem Ligaspiel auf dem Platz zur Rede stellt). Die Nebendarsteller sind ähnlich gut besetzt – ob nun z.B. die Profi-Torhüterin Anne Kim Sarnau, die von ihrem Ehemann ähnlich hinters Licht geführte Leslie Malton oder aber Heinz Hoenig als Trainer, der sich meiner Meinung nach mit seiner Darstellung stark an Rudi Assauer orientierte (zwar Manager, aber auch Fußball).

Was mir außerordentlich gut gefallen hat war der Soundtrack (siehe Coverabbildung oben), den man natürlich auch auf CD bestellen kann – wo ich sogar fast schon ernsthaft darüber nachdenke, auch wenn mir derzeit der Preis noch zu hoch ist. Genial ist z.B. die Szene wo Paul und Anna von Berlin aus sich auf den Weg nach Imma machen und dann Es fährt ein Zug nach Nirgendwo im Hintergrund läuft.
Schön ist es auch, wie teilweise bekannte Stadiongesänge in den Film eingebaut werden – so z.B. den bekannten Schmähruf Ihr könnt nach Hause fahren.

Fazit:
Der Film ist gut! Nicht wirklich innovativ aber doch deutlich mehr als solide Hausmannskost. Gute Schauspieler, witzige Story, gute Gags, schöne Musik – eigentlich stimmt alles in diesem Film. Ich hatte – ähnlich wie sneakfilm.de – nicht so viel erwartet und wurde dann deutlich eines besseren belehrt.

Als Schulnote würde eine gute 2 geben und kann den Film wirklich empfehlen. Erst recht für Fußballspieler und deren Frauen.


2 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Peter @ 2. Mai 2006, 13:37 Uhr

    Schöner Film. Es lohnt sich ihn anzuschauen.


  2. (2) Kommentar by Derek @ 3. Mai 2006, 16:18 Uhr

    Wirklich saukomisch!
    Endlich mal ein echt witziger deutscher Film im Kino.
    Und die Mucke erst recht.
    Cooler Soundtrack!

    Reingehen und weitersagen ist lohnenswert.


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