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Jens Matheuszik — 28. April 2006, 20:26 Uhr

Das heitere Quartett: Arena, Premiere, Telekom und die DFL: Wilde Verschwörungstheorie!


Faszinierend was derzeit im Rahmen der Fußball-Bundesliga und den Übertragungsrechten für die kommende Saisons geschieht…

Erst mal ein Überblick über die Vorgeschichte:
Kurz vor Weihnachten kam es zur großen Überraschung: Premiere ging bei der Vergabe der Fußball-Rechte leer aus. Die DFL vergab die Rechte lieber an eine Kabelfirma, die das ganze dann unter dem Namen Arena präsentieren möchte.

Es lag nicht daran, daß Premiere zu wenig Geld geboten hat – es lag eher daran, daß Premiere unbedingt die ARD-Sportschau verdrängen wollte. Dafür haben die sogar deutlich mehr Geld geboten als Arena und die ARD zusammen. Premiere selbst hat übrigens angeblich auch für das angebotene Modell unter Einbehaltung der Sportschau geboten – eine Summe für die man einen guten Neuwagen aus deutscher Produktion bekommt. Geringer kann man seine Wertschätzung nicht zeigen, vor allem wenn man – wie gerüchteweise berichtet wurde – seitens der DFL explizit aufgefordert wurde auch für das Sportschau-freundliche Modell zu bieten.
Das nur zur Erklärung warum man seitens der DFL nicht gut auf Premiere zu sprechen ist.

Premiere selber weiß natürlich wie attraktiv die Bundesliga für die eigene Kundschaft ist und muß deswegen Kündigungen en masse befürchten. Offiziell zwar nicht, aber nicht nur bei allesaussersport.de, sondern auch z.B. bei meinem Bericht Kündigung bei Premiere steigen die Besucherzahlen rapide an – obwohl es z.B. bei meinem Bericht nicht primär um eine fußballbedingte Kündigung geht.

Premiere gab sich jedoch immer reißerisch und kämpferisch und erklärte, daß man ggf. in der zweiten Halbzeit die Bundesliga-Rechte bekommt.

Arena selber gab sich recht sicher, doch das Kabelkind Arena (mit der Strafgebühr für Satellitenzuschauer, siehe die Kommentare hier) hatte die Rechnung nicht mit der Telekom gemacht.

Die Telekom als Retter von Premiere?
Seitens der Telekom war man damals bei der Rechtevergabe auch erfolgreich – man bekam nämlich die Senderechte der Bundesliga für das Internet. Und da wird es jetzt problematisch: Wie definiert man Internet? Grundsätzlich sollte alles, was mit dem IP-Protokoll zu tun haben damit gemeint sein. Somit wären z.B. die neuen VDSL-Breitbandnetze der Telekom sicherlich damit gemeint. Doch die Telekom denkt laut drüber nach auch via Satellit mit Premieres Hilfe zu senden. Den Satelliten im Orbit ist es egal, ob da verschlüsselte TV-Signale oder (auch?) verschlüsselte IP-Pakete übertragen werden – der DFL jedoch nicht.

Aktueller Streit zwischen Premiere und der Telekom, der DFL und Arena
Letzte Woche soll sich Premiere laut Medienberichten auch noch kurz als Retter der Bundesliga präsentiert haben: Man sei so generös und würde auch die Bundesliga-Rechte zu den selben Konditionen wie Arena übernehmen – inkl. der nicht geliebten frühen Übertragung der ARD-Sportschau. Ein gutes und zu berücksichtigendes Angebot wenn z.B. Arena pleite wäre oder den Sendebetrieb nicht schaffen würde. Danach sieht es derzeit aber nicht aus. Insofern völlig aus der Luft gegriffen – oder weiß Premiere mehr?

Stattdessen erklärt Liga-Boss Hackmann ganz eindeutig, daß seiner Meinung nach die Telekom keine Konkurrenz zu Arena machen kann, daß es um die Pay-Internet und nicht die Pay-TV-Rechte gegangen wäre und sich die Telekom daher wohl die Pläne mit weitreichender Beteiligung von Premiere abschminken könne.

Der rosa Ritter
Die Telekom, die quasi zum weißen rosa Ritter von Premiere mutierte, fährt jetzt aber ihre Krallen heraus: Laut diesem Bericht bei heise online zweifelt Premiere inzwischen die gesamte Bundesliga-Ausschreibung an.

Faszinierend wie Vertragspartner miteinander umgehen – und wer weiß was da noch kommen wird…

Wilde Verschwörungstheorie
Spätestens seit Illuminatus (oder Illuminati) lieben wir ja alle Verschwörungstheorien. Daher jetzt in der Welturaufführung meine Verschwörungstheorie:

Daß es bei der Rechtevergabe der DFL-Bundesligarechte nicht ganz normal zugegangen sei, dürfte inzwischen fast schon bekannt sein. Ob nun die ursprüngliche Bietergemeinschaft von Unity Media (Arena-Mutter) und Kabel Deutschland, die eigentlich explizit gegen die Ausschreibungsbedingungen verstieß oder aber die lange geheim gehaltene Möglichkeit der DFL eventuell sogar kostenlos an 10 % der Arena-Anteile zu kommen – klingt alles merkwürdig.

Nach den Angaben die man in diesem detaillierten Bericht bei allesaussersport.de dazu findet, hat die EU Druck gemacht, daß die DFL auch Breitbandrechte vergibt. Bekanntlich ist die EU sehr an einem Wettbewerb interessiert und schiebt deswegen wettbewerbsverzerrenden Praktiken gerne den Riegel vor.

Wer weiß, wer hier auf den blau-gelben Ritter aus Brüssel hofft? Vielleicht schaut sich die EU ja auch die Vergabe der Bundesliga-Rechte genauer an und wenn man sich dann z.B. die mögliche Beteiligung der DFL an Arena oder aber das inkonsequente Verhalten in Bezug auf Anbietergemeinschaften anschaut – dann fällt ja das hierzulande in diesem Fall bisher anscheinend ignorierte Verquickungsverbot von „Infrastrukturanbieter“ (Kabelgesellschaft) und „Inhalteanbieter“ (Fernsehsender) vielleicht gar nicht mehr so ins Gewicht…

Gegebenenfalls könnte man unter diesem Gesichtspunkt die Meldung interpretieren, daß Premiere zur Not auch das Arena-Angebot zu den gleichen Konditionen erfüllen würde.

Ob diese Theorie stichhaltig sein kann? Ich weiß es nicht – hängt ja sicherlich auch davon ab, ob die EU wettbewerbsrechtlich da hineinzureden hat. Ob das jedoch so abwegig ist, wage ich zu bezweifeln, denn schließlich soll die EU ja gerade in Sachen Breitbandrechte stark interveniert haben.


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