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Jens Matheuszik — 9. April 2006, 19:41 Uhr

Der Streik im öffentlichen Dienst – mal anders erklärt


Das es beim Streik im öffentlichen Dienst eben nicht um 18 Minuten mehr am Tag geht, habe ich ja schon in dem verlinkten Artikel geschrieben.

Seitens der Jusos Schleswig-Holstein hat man vor einiger Zeit eine verständlichere, kindgerechte Form der Erklärung des Streikes herausgebracht:

Hartmut Möllring (CDU)Liebe Kinder, das ist der Herr Möllring. Sieht eigentlich ganz nett aus, isser aber nicht. Is’n populistischer Gewerkschaftshasser. Muß er auch sein, er ist nämlich bei der CDU. Und bei der CDU fragt man nämlich nicht die Frösche, wenn man den Sumpf austrocknen will. So einfach ist das eben bei der Union.

Aber das machen die wichtigen Herren bei der Union nicht selber, die schicken einen ihrer Finanzminister aus einem ihrer Bundesländer. Den Herrn Möllring (Finanzminister in Niedersachsen) eben. Und der macht aus dem geplanten Abbau von 250.000 Stellen im öffentlichen Dienst und der Nichtübernahme der Auszubildenden mal eben 18 Minuten Mehrarbeit für alle anderen am Tag. Hört sich doch viel schöner und einfacher an, auch für die Medien. Is‘ es aber nicht.

Die wichtigen Herren in der Union, der Herr Stoiber, der Herr Koch oder der Herr Rüttgers, sind nämlich Ministerpräsidenten in einem Bundesland, davon hat Deutschland 16 Stück. Und die haben für ihre Beamten die Arbeitszeit per Diktat einfach schon mal verlängert. Die Beamten dürfen da nämlich selbst nicht mitreden und sind jetzt viel länger im Büro und viel weniger bei ihren Lieben zu Hause. Hört sich ganz schön gemein an, ist es auch. Und weil die Beamten jetzt viel länger arbeiten müssen als alle anderen im öffentlichen Dienst, sollen diese anderen jetzt auch länger arbeiten dürfen. Das nennen die dann Solidarität unter den Arbeitnehmern. Hört sich ja erst mal logisch an, is‘ es aber nicht, ist eigentlich ne ziemliche Sauerei. Und durch eine Sauerei darf man keine andere Sauerei erklären.

Die anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst haben aber einen Tarifvertrag und dürfen über die Gewerkschaften dabei mitbestimmen. Das stört die Herren Ministerpräsidenten aber mächtig. Deshalb wollten die auch vor der letzten Bundestagswahl die Tarifautonomie abschaffen. Haben die dann aber betriebliche Bündnisse für Arbeit genannt, hört sich wieder viel schöner an, auch für die Medien. Das haben die Herren aber letztendlich nicht geschafft, weil die nicht genug Leute gewählt haben. Doof gelaufen.

Daher versuchen die Herren das jetzt im öffentlichen Dienst durchzusetzen. Da ist das nämlich am leichtesten. Die öffentlichen Kassen sind durch Politiker wie den Herrn Möllring nämlich leer gemacht worden. Die nehmen z. B. den Alten, den Arbeitslosen oder den Arbeitern das Geld mit Steuern und Abgaben weg, um das dann den Reichen und den internationalen Unternehmen zu schenken. Hört sich doof an, is‘ aber so. Aber das verstehen viele in Deutschland nicht, da müsste man nämlich mal nachdenken. Und in der Bildzeitung steht das nämlich auch nicht.

Diese Unternehmen sollen damit dann neue Arbeitsplätze in Deutschland schaffen, davon haben wir nämlich viel zu wenige. Deshalb macht das ja auch gar keinen Sinn noch mal 250.000 Stellen im öffentlichen Dienst zu vernichten. Hört sich doch logisch an. Is‘ es eigentlich auch. Die Unternehmer haben aber mit dem Geld noch nie Arbeitsplätze geschaffen. Das macht dem Herrn Möllring und den Ministerpräsidenten aber nichts. Die werden nämlich von diesen Leuten gut bezahlt, das nennen die dann Aufsichtsratsmandate. Und wenn die mal nicht mehr in der Politik arbeiten, weil die Bürger die zum Beispiel abgewählt haben oder die beim Lügen erwischt wurden, dann arbeiten die einfach für diese Unternehmen für viel Geld im Monat weiter. Nur der Herr Koch nicht, der bleibt einfach in der Politik. Hört sich unfair an, is aber so.

Und wie das mit dem Herrn Möllring und den Herren Ministerpräsidenten so weitergeht, das erfahrt ihr dann beim nächsten Mal. Der Herr Beck, Ministerpräsident der Rheinland-Pfalz, von der SPD, dem geht der Herr Möllring nämlich auch schon ziemlich auf den Keks. Der Herr Beck will nämlich die Tage wieder gewählt werden. Schlau dieser Herr Beck.

So liebe Kinder, viele Grüße und seid nicht böse wenn der Kindergarten mal zu ist oder der Müll vorm Haus vor sich hin stinkt. Den Beschäftigten im öffentlichen Dienst stinkt das alles nämlich schon lange und deshalb machen die jetzt auch rabbatz und streiken. Jetzt wisst ihr ja warum!!!

P.S. Ach ja, die CDU hat auch ne wichtige Frau. Das ist die Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die ist aber immer im Ausland. Das macht aber nix, die ganzen schlechten Nachrichten verkaufen uns so lange die Politiker von der SPD. So ist das eben in dieser großen Koalition. Klingt doof, aber selber Schuld.

Finde ich sehr gelungen den Text! :)

PS: Das Bild von Hartmut Möllring stammt von der Bilderdatenbank des Finanzministeriums in Niedersachsen.


2 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Daniela @ 10. April 2006, 09:34 Uhr

    Klar, dass dir das gefällt. Und ich kann über gut gemachte Satire über die CDU auch sehr lachen.

    Aber was da über die Politiker der CDU steht, kann man getrost auch über die SPDler, FDPler und auch Grüne schreiben.
    Und von wem genau da Steuergeschenke an die Industrie gegangen sind, vor allem auf Bundesebene, darbüer brauchen wir ja nicht zu sprechen, oder?! 😉

    Im übrigen bin ich für den Gewerkschaftskampf. Denn es sollte die Hauptaufgabe der Gewerkschaften sein, ihre Ziele durchsetzen zu wollen, und zwar mit allen verfügbaren Mitteln. Sie sind in meiner Achtung ganz deutlich gestiegen, ich kannte Gewerkschaften eigentlich nur noch als „sind genauso wie ihre Gegner, geben sich nur nen sozialen Anstrich“.
    Für die SPD gilt das in meinen Augen auch weiterhin, mir wär das ja peinlich, in der großen Koalition so schlecht wegzukommen, 😉 aber die Gewerkschaften, Hut ab!


  2. (2) Kommentar by Jens @ 12. April 2006, 04:53 Uhr

    @Daniela: Die anderen Parteien führen derzeit aber nicht die Verhandlung mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder.


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