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Jens Matheuszik — 25. September 2005, 14:22 Uhr

Signal der Wahl? Chauvinismus in der Politik?


Hätte der Bundeskanzler Gerhard Schröder in seinem selbst als suboptimal bezeichneten TV-Auftritt in der Berliner Runde sich etwas weniger krawallig gegeben, würde man jetzt viel mehr die Niederlage von Angela Merkel kommentieren.

Ist schon eine Leistung, wenn die „gefühlte Kanzlerin“ des Wahlkampfes von den Höchstwerten um 50 % auf knappe 35 % herunterfällt. Oder um es mit Volker Pispers zu sagen:

„Angela Merkel ist das Kunststück gelungen, nach sieben Jahren rot-grünem Gehampel und Gewürge, den Deutschen so viel Hoffnung zu vermitteln, dass sie genau 0,1 % mehr Stimmen geholt hat als Helmut Kohl bei seiner Abwahl, als ihn nun wirklich keiner mehr sehen wollte. Sie hat 11 % weniger geholt als Strauß 1980, den nie einer sehen wollte und sie hat sogar 3 % weniger Stimmen als Äh… Edmund Stoiber geholt, und das ohne Flut, ohne Irak-Krieg und gegen eine Regierung, die freiwillig abgedankt und längst resigniert hatte. Wer sagt hier, von dieser Wahl gehe kein klares Signal aus? Geht es denn noch klarer?“

Quelle: WDR 2 – Westzeit

Es gibt einige Stimmen, die jetzt sagen, dass Angela Merkel wegen ihrem Programm verloren hat, andere machen eher die mangelhafte Unterstützung durch CDU/CSU dafür verantwortlich und schlußendlich wird auch gerne „der Professor aus Heidelberg“ als Grund genannt.

Doch auch die Geschlechtsfrage scheint bestimmend zu sein, denn in einem Forum konnte man zu dieser Frage folgendes lesen:

Wäre Frau Merkel ein Herr Merkel, dann wäre das in Wahrheit doch alles kein Problem. Schon die Wahl wäre anders ausgegagen. Diese Vorurteile müssen endlich weg. Frau Merkel ist ebenso gut, oder schlecht, wie Koch, Müller oder Stoiber. Die Politik wird sich nicht wirklich ändern.
Eine Frau an der Spitze der Regierung stünde uns gut zu Gesicht. Das würde den Chauvinismus hoffentlich auch mal etwas eingrenzen.

Inhaltlich stimme ich dem Schreiber dieser Zeilen ja zu: Meine Wahlentscheidung gegen Merkel hat sich nicht darauf begründet, dass sie eine Frau ist, sondern aus ganz anderen Gründen. Aber: Wenn man den Chauvinismus in der Politik begrenzen will – dann muss man auch darauf verzichten den Frauen Extra-Dönekes einzurichten, denn entweder es heißt

Frau Merkel ist ebenso gut, oder schlecht, wie Herr Koch, Herr Müller oder Herr Stoiber.

oder wir verzichten ganz auf den Quatsch mit Frau vor Merkel. Diese Extra-Betonung von „Frau“ ist doch auch schon chauvinistisch. Sehr gerne macht das zum Beispiel auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, wo stets von „Frau Merkel“ aber nie von „Herr Schröder“ die Rede ist.


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