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Jens Matheuszik — 21. August 2005, 23:04 Uhr

Eine Ansammlung von Stereotypen?


die tageszeitungEs wird anscheinend für mich zur Mode – ich schreibe Briefe an die taz.

Diesmal ist dieser Artikel der Anlass. In dem stellt die Reihe taz geht wählen diesmal den Wahlkreis Coesfeld – Steinfurt II vor – der Wahlkreis, in dem ich derzeit wohne (auch wenn ich täglich ins Ruhrgebiet pendle).

Der Beitrag fängt ja gut an – insgesamt gesehen ist er jedoch nur eine betont lustige (und dadurch eher verkrampft wirkende) Ansammlung von Stereotypen: Der CDU-Kandidat arbeitet bei Kolping und ist dadurch automatisch ein Klerikaler – die SPD-Abgeordnete wohnt kommunardenhaft und hat einen loriotmäßigen Doppelnamen.

Ich bin mal gespannt ob ich eine Reaktion erhalte – beim letzten Brief ja leider nicht.

Liebe taz-NRW,
lieber Lutz Debus!

Schon mit Vorfreude habe ich auf den Wahlkreis Coesfeld – Steinfurt II in der Reihe „taz geht wählen“ gewartet. Warum? Ganz einfach: Ich wohne in dem Wahlkreis und bin da natürlich deswegen sehr interessiert. Außerdem bin ich dort auch im Wahlkampf aktiv (für die Kandidatin Angelica Schwall-Düren) – und dementsprechend vielleicht auch nicht ganz neutral.

Deswegen fand ich es umso erschreckender, was ich dann lesen konnte – denn ein bisschen mehr als ein paar Witzchen hätte man schon hinbekommen können. Aber Humor ist ja eine Geschmackssache – man kann den Beitrag auch auf den Inhalt bezogen kritisieren/bewerten:

Coesfeld – Steinfurt II?
Eine schöne Beschreibung des Wahlkreises. Auch wenn meine Kreisstadt Coesfeld leider in jüngster Zeit eher durch diverse Bundeswehr-Skandale bekannt geworden ist.

Wer verteidigt den Wahlkreis?
Fraglich ist hier ob wirklich der Herr Karl Richard Maria Schiewerling der Verteidiger dieses Wahlkreises ist? Schiewerling, der erst nach einer langwierigen partei-internen Ausscheidung, wo immer wieder neue Kandidaturen eingereicht und zurückgezogen worden sind, ist zwar Kandidat der CDU. Aber Wahlkreisverteidiger ist er deswegen nicht – da er eben den Wahlkreis noch nicht gewonnen hat. Sollte die taz der These „Im Münsterland gewinnt stets die CDU“ glauben (die auch schon öfters widerlegt wurde), dann sollte die taz doch lieber die CDU als Verteidiger titulieren.
Ausserdem sei die Frage gestellt: Nur weil der taz-Autor anscheinend Schiewerlings Meinung zur Generationensolidarität nicht teilen mag: Was bitte ist an dieser klerikal?

Wer will den Wahlkreis?
Angelica Schwall-Düren verzichtet im Übrigen auf den Doktor-Titel und den Zweitnamen Klara in der Öffentlichkeit – wahrscheinlich weil Sie ihren Namen lieber in Verbindung mit politischen Inhalten, denn mit Loriot sehen will.
Hierzu hätte man auch schreiben können, dass Sie schon seit längerem im geschäftsführenden Vorstand der SPD-Bundestagsfraktion als Stellvertreterin von Franz Müntefering (vorher als parlamentarische Geschäftsführerin) ist und sich damit natürlich nicht nur auf ein politisches Themenfeld beschränkt, obwohl sie vor allem auch auf dem Gebiet Europa sehr aktiv ist.

Die großen Außenseiter?
Abgesehen davon, dass neben der FDP auch die PDSED/M(it) L(afontaine) und die NPD Kandidaten aufgestellt haben ist die angesprochene, aber leider (laut dem Autoren) nicht stattfindende, SPD-Erststimmenkampagne für Moritz Hegemann von den Grünen nicht wirklich zu bedauern. Schaut man sich die Lage vor Ort an, wäre vielleicht eher eine Erststimmen-Kampagne für Angelica Schwall-Düren anzuraten. Diese ist wohl deutlicher eher zu favorisieren als der Grünen-Kandidat. Sein Vorgänger (bei der Bundestagswahl 2002) hatte auch in einem Gespräch eher dies als Möglichkeit angedeutet, als das was nun in der taz fabuliert wurde.
Abgesehen davon: Das Beispiel mit Laer ist schlecht gewählt. 1999 konnte der Kandidat der Grünen knapp den CDU-Favoriten in die Stichwahl zwingen – und wurde dann in der Stichwahl auch von den vorherigen SPD-Wählern gewählt. 2004 hingegen trat die SPD erst gar nicht an und konnte so dazu beitragen, dass die eigentlich konservative Stadt Laer weiterhin einen grünen Bürgermeister hat. Mir ist jedenfalls entgangen, dass 2002 Herr Hegemann (der nicht kandidierte) knapp in der Stichwahl den CDU-Bewerber geschlagen hätte (es gibt ja auch hier keine Stichwahl) und dann durch seine gute Arbeit die SPD dazu bewegen konnte, bei der nächsten Wahl keine eigene Kandidatur zu starten.
Man sieht: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich!

Ach ja – wer wissen will, wer eigentlich Angelica Schwall-Düren ist kann z.B. ihre Homepage schwall-dueren.de laden oder aber sich den entsprechenden Wikipedia-Eintrag durchlesen, der seit heute auch ein neues Foto hat.


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