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Jens Matheuszik — 25. Juni 2005, 17:14 Uhr

Kandidatenkarussell: Jung ersetzt Alt – Philipp Mißfelder im nächsten Bundestag?


Bundestagswahl 2005Der Name Philipp Mißfelder dürfte vor allem der älteren Generation in diesem Land ein Begriff sein. Handelt es sich hierbei doch um den 26-jährigen Bundesvorsitzenden der Jungen Union, der 2003 durch einen spektakulären Vorschlag für Aufruhr sorgte:
Zur besseren Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems sollten spezielle Leistungen nur noch altersabhängig gewährt werden – als ein drastisches Beispiel wurde z.B. erwähnt, dass über 80-jährige Personen keinen Anspruch mehr auf ein neues Hüftgelenk haben sollten.

Dem damals entbrannten Sturm der Entrüstung hielt er jedoch stand (ganz im Gegenteil zu Jan Dittrich von den Jungen Liberalen). So wurde damals nicht von wenigen vermutet, dass ein Politiker, der eine solche Situation (neben dem negativen Medienecho kam es auch in der eigenen Partei zu zahlreichen Unmutsbekundungen) übersteht, zu höheren Weihen berufen ist.

Bei der vorgezogenenen Bundestagswahl 2005 sollte Mißfelder einen Wahlkreis erhalten – dummerweise war jedoch in Bochum (der Stadt wo er vor seinem Studium in Berlin lebte) oder aber Gelsenkirchen (seinem Geburtsort) keiner frei.

Welch Glück, dass im benachbarten Wahlkreis 122 (Recklinghausen, Castrop-Rauxel und Waltrop) der bisherige 65-jährige Abgeordnete Erwin Marschewski schon 2002 erklärte, dies wäre seine letzte Bundestagskandidatur.
Zwar war nach der Ankündigung der vorgezogenen Neuwahlen nicht klar, ob sich diese Aussage Marschewskis angesichts der Neuwahlen nicht relativiert (sein anfängliches Schweigen hierzu sprach Bände), schließlich wurde kolportiert, dass nur ein gestandener Bewerber wie er einen aussichtsreichen Listenplatz erzielen könne. Diesen sicheren Listenplatz hat man in dem Wahlkreis auch nötig, im Jahr 2002 gewann der SPD-Kandidat Jochen Welt (inzwischen Landrat des Kreises Recklinghausen) mit 53,1 % während Marschewski auf magere 28,0 % kam und nur über die Reserveliste in den Bundestag ziehen konnte.

Doch da hatte Marschewski wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die angedachte neuerliche Kandidatur sorgte laut Presseberichten nicht gerade für Begeisterungsstürme in der heimischen CDU vor Ort.

Auch das Argument des „gestandenen Bewerbers“ zog nicht so sehr – denn mit dem deutlich bekannteren Philipp Mißfelder hatten Marschewskis Partei“freunde“ quasi einen Joker gezogen, so dass Marschewski nach einiger Überlegung von der angedachten neuen Kandidatur zurückgetreten worden isttat:

aus der WAZ:
„Ich bin fast immer einstimmig gewählt worden. Freunde haben mich auch jetzt gebeten weiterzumachen, doch ich bin nach einer Woche der Überlegung zu der Entscheidung gekommen, dass ich nicht mehr antreten werde.“

Mit 54 mal „Ja“ (bei 13 „Nein“ und 2 „Enthaltungen“) wurde Philipp Mißfelder am 23. Juni 2005 von den CDU-Delegierten zum neuen Bundestagskandidaten gewählt. Seine Erklärung, dass er von Bochum aus nach Recklinghausen umziehen werde, dürfte sicherlich die letzten Zweifler besänftigt haben. Als JU-Bundesvorsitzender wird er sicherlich auch keine Probleme haben einen aussichtsreichen Listenplatz zu erringen, denn ob er wirklich (wie selber gewünscht „mit voller Kraft“ direkt gewinnen) und einen Vorsprung von über 23 % aufholen kann wird sich zeigen.


5 Kommentare »

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