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J. Matheuszik — 17. Mai 2005, 22:17 Uhr

2. TV-Duell in NRW


Landtagswahlen 2005 Nordrhein-WestfalenVor ca. einer Stunde endete das groß angekündigte TV-Duell zwischen Peer Steinbrück und Jürgen Rüttgers. Beide kandidieren um das Amt des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland Deutschlands.

Natürlich sind die Eindrücke die von solchen Duellen mitgenommen werden immer subjektiv – so wundert es nicht, dass in der anschließenden WDR-Diskussionsrunde der Chefredakteur der Rheinischen Post der Meinung war, dass Rüttgers gewonnen hat. Doch ob dem wirklich so war, zeigte sich eine halbe Stunde später:

In den ersten Blitzumfragen nach der Wahl zeigte sich nämlich deutlich, dass Peer Steinbrück das Duell gewonnen hat. Zwar wurden – das sollte nicht unerwähnt bleiben – für Jürgen Rüttgers in zentralen Themen höhere Kompetenzwerte zugeschrieben, insgesamt gesehen hat jedoch Peer Steinbrück gewonnen.

So wundert es auch nicht, dass er den Rückhalt in der eigenen SPD-Klientel „nur“ von 93 auf 94% steigern konnte. Hier für Rüttgers (den vorher 65 % der CDU-Anhänger für fähig genug hielten, nach dem Duell aber 81 %) einen Sieg herauszudeuten zeugt von einem abenteuerlichen Zahlenverständnis:
Ein Spitzenkandidat der fünf Tage vor der Wahl über ein Drittel (35 %) der eigenen Anhänger gegen sich hat und dieses Zahl nur auf rund ein Fünftel (19 %) senken kann, der muß sich fragen, was er alles falsch gemacht hat. Während der Spitzenkandidat, der sich nur um 1 % verbessert hat, sich nicht grämen sollte – wer schon vorher mehr als 9/10 hinter sich gebracht hat, hat schon alles erreicht, was man erreichen muß.

Für Peer Steinbrück sprachen meiner Meinung nach folgende Punkte:

Mehr Authentizität
Steinbrück hat nicht alles schön gemalt, er hat eigene Fehler zugegeben bzw. Fehler der SPD. Ein Politiker der einsieht, dass die eigene Partei in der Vergangenheit auch Fehler gemacht hat, ist mir deutlich sympathischer als ein Politiker, dem ein Eingeständnis eines Fehlers nicht über die Lippen kommt.
Hier hätte Rüttgers punkten können: Warum hat er nicht gesagt, dass die alte Außenpolitik der Kohl-Regierung (in deren Kabinett er saß) in Bezug auf die Türkei und einen EU-Beitritt falsch war? Schließlich ist er jetzt davon überzeugt, dass die Türkei nicht in die EU soll. Würde man der Logik seiner jetzigen Argumente folgen, wäre der damalige Entschluß der alten Kohl-Regierung falsch gewesen. Doch dieses Wort kommt ihm nicht über die Lippen – wahrscheinlich weil er am selben Abend noch zu einem Treffen zu Helmut Kohl mußte. Man munkelt, dass deswegen die Sendung auch nicht live gesendet werden konnte.
Im übrigen spricht das Zugeben von Fehlern auch für eine deutlich höhere Kompetenz: Denn wer auf die Vergangenheit bezogen Fehler entdecken kann, der ist deutlich kompetenter als der, der seine eigenen Entscheidungen für immer und ewig für richtig hält. Um hier Rüttgers mal was nahezulegen: Auch Adenauer scherte sich nicht unbedingt um das Geschwätz von gestern, wenn er der Meinung war, dass es überholt war.

Bessere Argumente
Wie oft hat man schon von den 5 Millionen ausgefallenen Unterrichtsstunden in NRW gehört bzw. gelesen? Diese Zahl hat 2003 gestimmt. Seitdem hat jeder(!) Lehrer eine Stunde mehr Unterricht zu geben, was erstmal schon für eine deutliche Senkung dieser Zahl führt. Das im vierstelligen Bereich neue Lehrer eingestellt worden sind gehört auch dazu. Nicht mal das wollte Rüttgers zugeben.

Verlässlichkeit
Die Aussagen von Steinbrück scheinen eine deutlich längere Halbwertzeit als die von Rüttgers zu haben. Man muss sich auf einen Politiker verlassen können, wenn dieser was sagt. Wie kann ein Politiker wie Rüttgers vor kurzem noch auf die Kürzungen (und die Mehrarbeit) im Öffentlichen Dienst draufschlagen und jetzt kurz darauf Kürzungen und Mehrarbeit vorschlagen? Das passt nicht zusammen.


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