Ursprünglich wurde diese Veranstaltung bereits vor Monaten geplant, doch die aktuellen Ereignisse (das de facto-Aus für die Westfälische Rundschau (WR), da deren Redaktionen geschlossen werden sollen und nur noch eine “Zombie-Zeitung” übrig bleiben soll) sorgten natürlich für eine Verschiebung des Themenschwerpunktes aufgrund der aktuellen Brisanz.
So referierte der Zeitungskenner Prof. Horst Röper1 zwar anfangs wie auch ursprünglich geplant über die Besonderheiten des Zeitungsmarktes in Deutschland und vor allem in Nordrhein-Westfalen, aber natürlich waren die Übergänge zur WAZ-Mediengruppe, zur Westfälischen Rundschau (WR) mehr als fließend und vor allem bei den Wortbeiträgen aus dem nicht so ganz rein studentischem Publikum ging es primär um die Zukunft der WR:
Hier machte Prof. Röper jedoch klar, dass er zwar die Entscheidung der WAZ-Mediengruppe so nicht erwartet hätte (stattdessen vermutete er, dass vielleicht einzelne unrentable Ausgaben geschlossen werden, aber nicht die gesamten Redaktionen), aber auch nicht glaubt, dass die WAZ-Mediengruppe das ganze noch einmal überdenkt. In anderen Worten: Prof. Horst Röper glaubt, dass die Schließung Westfälische Rundschau-Redaktionen nicht aufgehalten werden kann! Stefan Laurin von den Ruhrbaronen hat die entsprechenden Live-Tweets dazu direkt aufgegriffen und thematisiert: Zeitungsforscher sieht keine Chance für den Erhalt der WR.
Ernüchternd war auch die Antwort von Prof. Röper auf die Frage, ob er denn heutzutage noch das Berufsbild Journalismus empfehlen würde. Hier sah man schon fast die persönliche Resignation, denn er erklärte, dass er allen die ihn fragen würde (ob nun junge Leute, die sich beruflich noch entscheiden müssen oder aber deren Eltern) davon abraten würde, da die Entwicklungen nicht gut seien. Siehe auch: Zeitungsforscher Horst Röper: “Journalismus ist nicht mehr erstrebenswert”.
Die Lösung zur eigentlichen Fragestellung des Abends (und um auf das Thema der Veranstaltung zu kommen), wie man es schaffen könne, Vielfalt zu garantieren, gebe es derzeit noch nicht wirklich. Prof. Röper zufolge gibt es zwar auf dem überregionalen Markt keine Probleme mit der Meinungsvielfalt, aber wenn man das ganze auf den lokalen Bereich herunterbrechen würde, würde man erkennen, dass es hier ohne die klassische Tageszeitung nicht gehen würde. Alternative Finanzierungsmodelle für Journalismus wie z.B. eine Art öffentlich-rechtlicher Journalismus würden jedoch auf lokaler Ebene nicht funktionieren, sondern nur auf den übergeordneten Ebenen – und genau dort gibt es noch die Vielfalt und öffentlich-rechtliche Marktakteure dort wären aus wirtschaftspolitischen Gründen dort eher nicht erwünscht. Erstens weil sie nicht nötig sind und zweitens weil sie die etablierten Akteure einschränken würden.
Für den lokalen Bereich gäbe es jedoch eine Hoffnung – das Internet. Die “Vielfaltsreserve” dort würde es sicherlich ermöglichen, dass mehr journalistische Angebote entstehen könnten. Bisher würde es bereits (oder erst – kommt ja auf den Standpunkt an) knapp über 60 Angebote lokaljournalistischer Art aus NRW im Internet geben (bei knapp 400 Städten und Gemeinden in NRW), hier sieht Prof. Röper großes Potential.
Tweets direkt von der/zur gestrigen Veranstaltung
Nachfolgend sind die Twitter-Beiträge (und weitere Links) zur gestrigen Veranstaltung via Storify aggregiert:
ursprünglich hatte ich Horst Röper einem Professorentitel zugesprochen, den er jedoch nicht hat – aus Transparenzgründen habe ich daher das hier jeweils durchgestrichen [↩]
[...] Prof. Röper: Westfälische Rundschau (WR)-Redaktionen wohl nicht zu retten / Journali… – Pottblog-Jens wie stets in Meisterschaftsform, wenn es um Liveberichterstattung geht. [...]
[...] Medienprofessor, sagte, er würde jedem dringend davon abraten, heutzutage noch Journalist zu werden. Da hatte ich gerade von der Enteierung der “Westfälischen Rundschau” gelesen, mit [...]
[...] Medien: Konferenz Zeitungslandschaft im Wandel…Pottblog [...]
[...] Prof. Röper: Westfälische Rundschau (WR)-Redaktionen wohl nicht zu retten / Journali… – Pottblog-Jens wie stets in Meisterschaftsform, wenn es um Liveberichterstattung geht. [...]
[...] Medienprofessor, sagte, er würde jedem dringend davon abraten, heutzutage noch Journalist zu werden. Da hatte ich gerade von der Enteierung der “Westfälischen Rundschau” gelesen, mit [...]