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Jens Matheuszik — 26. Oktober 2012, 09:06 Uhr

Verlag Lensing-Wolff schließt Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung (MZ) in Rheine/Neuenkirchen // Update: Bestätigung des Verlages


Der in Dortmund ansässige Verlag Lensing-Wolff, der sich gerne auch als Medienhaus Lensing bezeichnen lässt, hat neben dem Flaggschiff – den Dortmunder Ruhr Nachrichten (RN) – weitere Zeitungstitel, wie beispielsweise die Münstersche Zeitung (MZ) in Münster.

Besagte MZ hat eine gewisse “Berühmtheit” (oder eher “Berüchtigkeit”), da der Verleger Lambert Lensing-Wolff im Jahr 2007 die komplette Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung quasi entlassen hatte – und durch eine neuaufgebaute Ersatzredaktion ersetzen ließ. Mit dieser Maßnahme der eher brachialen Art und Weise schaffte es der Verlag negativ bundesweit in die Berichterstattung zu gelangen.

Damit hatte die ein Jahr vorher in 2006 mutmaßlich exerzierte “Flurbereinigung der Tageszeitungen im Ruhrgebiet” (siehe auch den taz-Artikel WAZ baut ab) eine ganz besondere Münsterländer Episode erhalten.

Nach übereinstimmenden Informationen die dem Pottblog vorliegen wird der Verlag Lensing-Wolff zum Jahreswechsel 2012/2013 hin die Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung (MZ) in Rheine bzw. Neuenkirchen schließen1!

Hinweis:
Inzwischen (13:00 Uhr) gibt es eine Aktualisierung zum ursprünglichen Artikel. Auch wurden im Artikel Aktualisierungen vorgenommen.

Rheine ist nach Münster die zweitgrößte Stadt im Münsterland, Neuenkirchen ist eine kleine benachbarte Gemeinde, die eigentlich nicht großartig bekannt wäre, wenn nicht dort mal ein #Blumenkübel zerstört worden wäre. Gemeinsam erscheint in beiden Städten bzw. Gemeinden eine Ausgabe zwei Ausgaben der MZ, deren verbreitete Auflage2 gemäß der IVW-Zahlen im 3. Quartal 2012 erstmalig unter 6.000 Exemplare fiel. Währenddessen hat der örtliche Wettbewerber – die Münsterländische Volkszeitung – im Vergleichszeitraum eine verbreitete Auflage von über 15.000 Exemplaren.

Damit stirbt wieder ein Stückchen Zeitungsvielfalt – diesmal in der zweitgrößten Stadt des Münsterlandes mit knapp 80.000 Einwohnern. Gerade der südliche Bereich von Rheine wurde die MZ gut abgedeckt und für Rheinenser, die sich vollumfänglich für die Geschehnisse in ihrer Stadt interessierten waren beide Zeitungen Pflichtlektüre. Wer in Mesum lebt, der kommt beispielsweise um die MZ nicht herum.

Obwohl die MZ nach Aussagen von Rheinensern gerade in letzter Zeit an Qualität gewonnen hatte, sprechen die quantitativen Zahlen eher dagegen. Vergleichbar mit der MZ in Münster ist das ganze insofern nicht, als dass in Münster bei der MZ die Redaktion “nur” (deutlich in Anführungsstrichen!) ausgetauscht, nicht jedoch das Erscheinen der Lokalausgabe vollkommen eingestellt wurde.

Weitere Details zur Schließung der MZ in Rheine/Neuenkirchen

Nach Pottblog-Informationen wird die MZ dort schließen, da der Marktanteil zu gering sei (wobei das Verhältnis von 6.000 zu 15.000 verbreitete Auflage jetzt trotzdem noch nach einer wirtschaftlichen Nische aussieht).

Kündigungen sollen jedoch nicht vorgenommen werden, so dass alle Beschäftigten (egal ob Redaktion, Anzeigenverkauf usw.) weiterhin durch den Verlag beschäftigt werden. Ihnen werden andere Arbeitsplätze im Verlag angeboten, wobei man hier natürlich berücksichtigen muss, dass der Verlag seinen Hauptsitz nicht in dem nahe Rheine gelegenen Münster, sondern in Dortmund hat.

Nach Pottblog-Informationen wurden die betroffenen Personen gestern entsprechend informiert.

Flurbereinigung der Zeitungslandschaft reloaded ?

Die große Frage die sich jetzt stellt – ist das der Beginn einer ggf. zweiten Flurbereinigung in der Zeitungslandschaft von Nordrhein-Westfalen?
Es gibt Parallelen zum Ruhrgebiet, wo beispielsweise die WAZ ihr Erscheinen in einem großen Teil des Kreises Recklinghausen radikal änderte (über die WAZ Unser Vest berichtete das Pottblog sehr ausführlich, u.a. hier: I, II, III und IV), während sich die Ruhr Nachrichten aus Städten wie Bottrop, Gelsenkirchen und Gladbeck zurückzog.

Die entscheidende Frage ist, bleibt es bei diesem (partiellen) Zeitungssterben oder wird es damit weiter gehen?

So wurde beispielsweise schon vor einigen Jahren gemutmaßt (siehe auch diesen Beitrag bei mmm von ver.di), dass die Lokalredaktion Bochum der Ruhr Nachrichten nicht mehr lange zukunftsfähig sei (es gibt sogar Berichte, da wurde schon vor Jahren mitgeteilt, die RN würden zum (inzwischen mehrfach stattgefundenen) Jahreswechsel eingestellt werden).

Schaut man sich die IVW-Zahlen von Bochum an, dann stellt man fest, dass die MZ in Rheine bessere Zahlen hatte – und auch das Konkurrenzverhältnis (hier dann zur WAZ Bochum) sieht in Rheine besser aus, denn in Bochum haben die RN eine verbreitete Auflage von 4.484 Exemplaren im 3. Quartal 20123, während die WAZ Bochum eine Verbreitung von über 53.000 Exemplaren hat – also fast das zehnfache.

Reaktionen auf die geplante Schließung

Nachdem das Pottblog gestern Abend von dieser Entwicklung erfahren hat, wurde versucht Stellungnahmen dazu einzuholen. Dies scheiterte jedoch vor allem an der eher späten Uhrzeit (und das beispielsweise bei einer gewissen Telefonnummer aus Münster, die auf einer Kontaktseite angegeben ist, eine Bandansage (“Diese Rufnummer ist uns leider nicht bekannt.”) ertönt).

Bestätigung des Verlages Lensing-Wolff zur Schließung der Münsterschen Zeitung (MZ)

Hermann Beckfeld, von der Chefredaktion Dortmund des Medienhauses Lensing, hat auf die Anfrage des Pottblogs geantwortet.

So teilt er mit, dass es entgegen der bisherigen (und inzwischen korrigierten) Aussage des Artikels, keine gemeinsame Ausgabe für Rheine und Neuenkirchen gibt und stattdessen zwei getrennte Ausgaben erstellt werden. Daher wäre seiner Aussage zufolge auch die Berechnung der Marktanteil falsch, da in Rheine der Marktanteil deutlich geringer ist.

Hinweis des Pottblogs: Die Daten der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) geben das nicht hier; dort ist nur Rheine gesamt aufgelistet.

Des weiteren bestätigt Hermann Beckfeld die Einstellung der MZ und erklärt dazu folgendest:

Die Münstersche Zeitung stellt zum 31. Dezember 2012 ihr Erscheinen in Rheine, Neuenkirchen und Wettringen ein. Über diese unternehmerische Entscheidung wurden gestern die Mitarbeiter vor Ort persönlich informiert.

Zu den Gründen der Einstellung und ob eine Zeitung mit einer Auflagenhöhe wie der aus Rheine wirtschaftlich geführt werden könne heißt es:

Als Zweitzeitung mit einem Marktanteil von nur rund 10% ist die MZ in Rheine nicht überlebensfähig. Ein Erscheinen in Neuenkirchen ist ohne das Oberzentrum Rheine wirtschaftlich nicht möglich.

Die Auflagenhöhe allein ist als Kriterium für die Tragfähigkeit einer Ausgabe nicht hinreichend. Zudem unterliegt jeder lokale Markt eigenen wirtschaftlichen Bedingungen und muss damit separat betrachtet werden.

Schlussendlich teilt er mit, dass keine weiteren Maßnahmen dieser Art geplant seien und erklärt zur Situation der Mitarbeiter:

In der Tat haben alle betroffenen Mitarbeiter sowohl in der Redaktion als auch im Anzeigenbereich Angebote für andere Arbeitsplätze erhalten. Die neuen Arbeitsplätze befinden sich nahezu ausschließlich im Münsterland.

Horst Röper (Zeitungsexperte vom Formatt-Institut in Dortmund)

Auf die Schließungsaktion der Münsterschen Zeitung angesprochen erklärt Horst Röper, dass sich diese Entsscheidung “[ein]reiht [...] in eine fatale Entwicklung. Zurück bleiben einmal mehr Monopolzeitungen.”

Nach Pottblog-Informationen sollen die bisherigen MZ-Kunden vor Ort Angebote der dann dort verbliebenen Münsterländischen Volkszeitung (MVZ) erhalten.

  1. von der auch Wettringen betreut wird []
  2. unterschieden wird nach u.a. gedruckter Auflage, verbreiteter Auflage und verkaufter Auflage []
  3. aber mit steigenden Zahlen seit dem 1. Quartal 2012 []

5 Kommentare »

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  1. (1) Pingback by Pottblog: “Lokalredaktion der Münsterschen Zeitung (MZ) in Rheine/Neuenkirchen wird geschlossen” | Ruhrbarone @ 26. Oktober 2012, 09:24 Uhr

    [...] sie über nacht ihren Job verloren und durch neue Mitarbeiter ersetzt wurden. Mehr nebenan beim Pottblog. sr_adspace_id = 1000007954907; sr_adspace_width = 300; sr_adspace_height = 250; [...]


  2. (2) Kommentar by Karl-Heinz Grüder @ 26. Oktober 2012, 14:19 Uhr

    Liebe Entscheidungsträger,
    meine Frau hatte bisher immer die MZ abonniert! Dies brauchten wir, da (obwohl das Haus Lensing schwarz war und ist!) wir auf eine ausgewogene Berichterstattung über Rheine dringend angewiesen sind. Das was übrig bleibt ist die MVZ, die wir auch abonniert haben. Beim Vergleich fielen uns immer wieder die qualitativ besseren, besser recherchierten politischen Beiträge auf. Es gelang der Redaktion sehr gut, objektive Berichterstattung und Kommentare voneinander zu trennen.
    Dies war und ist nicht der Fall bei der MVZ!!!
    Das, was der Scharnagel mit dem Bayernkurier für die CSU in Bayern leistete, leistet Wellmann für die CDU in Rheine!!!
    In stillem Gedenken an die gute Redaktion in Rheine
    Karl-Heinz Grüder


  3. (3) Kommentar by Angelika Pries @ 26. Oktober 2012, 16:59 Uhr

    Als Anwohner in Rheine haben wir so ziemlich im 3-4jährigen Wechsel mal die eine, mal die andere Zeitung bezogen, je nachdem, worüber wir uns gerade geärgert haben: über die oftmals sehr CDU-lastige Berichterstattung in der MVZ – oder über die doch immer wieder im Vergleich erkennbaren “Löcher” in der MZ – da die Redaktion chronisch unterbesetzt war nach unserem Eindruck, konnte man trotz oftmals eigenständiger, kritischer Artikel, wohl das gesamte politische, gesellschaftliche und sportliche Spektrum nicht sehr breit abdecken. Gekündigt haben wir auch in 2007 bei der Hauruck-Aktion in Münster. Nun entfällt auch diese Qual der Wahl – was vor allem als Indiz für einen befürchteten Niedergang der Tageszeitungen überhaupt sehr zu bedauern ist.
    Angelika Pries, Rheine


  4. (4) Pingback by Welche Zeitungskrise? (1) - JakBlog @ 27. Oktober 2012, 16:08 Uhr

    [...] Münstersche Zeitung (Lokalredaktion Rheine/Neuenkirchen, Heimat des Blumenkübels). [...]


  5. (5) Kommentar by Jens @ 30. November 2012, 06:50 Uhr

    @Karl-Heinz Grüder / @Angelika Pries:
    Sie sollten das dem Verlag auch noch schriftlich mitteilen, denn auch wenn dieser Artikel sicherlich seitens des Verlages gelesen wurde, sollte das auch noch an die formell korrekten Stellen gehen.


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