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Jens Matheuszik — 25. Februar 2012, 21:42 Uhr

Lokalkompetenz der Westfälischen Rundschau (WR), der “Zeitung für Dortmund”, bzw. von DerWesten am Beispiel der Anti-ACTA-Demos


Die Westfälische Rundschau (WR) bezeichnet sich selbst – siehe das Foto, welches von Hans Schiebener (ZOOM) stammt, und hier genutzt werden darf – als “Zeitung für Dortmund”. Passt ja auch zum Erscheinungsort, denn der Redaktionssitz dieses Titels der WAZ-Mediengruppe ist Dortmund und nicht weit von dem Hochhaus in der Dortmunder Innenstadt (in Sichtweite des Hauptbahnhofes), wo man das obige Banner sehen kann, ist auch das Stammhaus der Rundschau (wie die WR oft verkürzt genannt wird) in der Dortmunder Innenstadt.

Aber die Lokalkompetenz, die mit einer solchen Nähe eigentlich einher gehen könnte, scheint nicht wirklich vor Ort präsent zu sein, wie sich heute leider erneut zeigte:

Vor zwei Wochen fand eine Demonstration unter dem Motto “Stop ACTA” mit rund 2.500 Teilnehmern statt (mehr als achtmal so viel, wie ursprünglich erwartet), die sich gegen das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) richtete (warum das Thema vielleicht mal noch wichtiger sein könnte, kann man im Beitrag Generation der Verbrecher nachlesen).

Die Stop ACTA-Demonstration bei DerWesten

Die WR hat (noch) keine eigene Internetpräsenz, sondern gehört zum Internet-Portal DerWesten, welches die NRW-Titel der WAZ-Mediengruppe umfasst. Bei DerWesten kann man schon ein wenig Stolz darauf sein, dass man die Berichterstattung aus dem Ruhrgebiet in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat – und auch die sozialen Medien wie Facebook und Twitter besser nutzt als viele andere Medien.
Jedoch fiel vor zwei Wochen bei der ersten Anti-ACTA-Demonstration in Dortmund auf, dass die Internet-Berichterstattung zu diesem Thema, welches stark mit dem Internet verbunden ist, quasi kaum vorhanden war. Zwei Wochen später – also heute – war es nicht wirklich besser…

Stop ACTA-Demonstration am 11. Februar 2012

Vor zwei Wochen sollte es einige Stunden bis nach der Demonstration dauern, bis es erste Meldungen dazu bei DerWesten gab. Das waren jedoch Agenturberichte, die allgemein über die Demonstrationen (die im ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus stattfanden) berichteten.
Am späten Abend gab es dann wenigstens eine klick-lastige Bildstrecke und einige Tage(!) später gab es dann den Artikel 2500 demonstrierten in Dortmund gegen ACTA.
Gerüchten zufolge (die ich nicht überprüfen konnte), soll ursprünglich in einem Bericht aus Dortmund sogar ein (Agentur?) Bild von einer Demonstration in Düsseldorf zu sehen gewesen sein…

Bei Twitter hingegen – sowohl bei @DerWesten als auch unter @DerWesten_DO – gab es zur Demonstration keine Beiträge.

Im Gegensatz dazu die Berichterstattung der – ebenfalls in Dortmund erscheinenden – Ruhr Nachrichten (RN): Der ursprüngliche Artikel zur Demonstration wurde mehrfach aktualisiert und neben einer Fotostrecke nutzte man auch den Twitter-Account @RN_Dortmund während der Demo: Nicht nur, dass man live von der Demo berichtete und erste Einschätzungen gab – auch auf Rückfragen von anderen Twitter-Nutzern wurde eingegangen – wie man beispielsweise hier sieht (als Reaktion auf die Mitteilung der offiziell durch die Polizei mitgeteilten 1.000 Teilnehmer):

Stop ACTA-Demonstration am 25. Februar 2012

Zwei Wochen später (also heute) fand die zweite Anti-ACTA-Demonstration in Dortmund statt. Während die RN wieder ihre Reporter live vor Ort hatte, die sowohl via Twitter als auch im überarbeiteten Artikel informierten, gab es bei DerWesten erst nur einen allgemeinen Agentur-Artikel. Ein wenig hat man aus dem letzten Mal gelernt – denn es wurde doch noch am selben Tag ein eigener Artikel 1800 demonstrieren in Dortmund wieder gegen ACTA im Lokalteil Dortmund veröffentlicht.

Doch bei Twitter: Wieder mal nichts… der letzte Beitrag von @DerWesten_DO stammt (momentan; zuletzt geprüft am 25.02.2012 um 21:40 Uhr) vom Vortag (24.02.2012), bei @DerWesten gab es nur einen Verweis auf den allgemeinen Artikel. Übrigens hat auch @DerWestenDu, der Twitter-Account von DerWesten für Duisburg seinen letzten Beitrag auch gestern veröffentlicht – während man bei @Am_Niederrhein zwar wenigstens heute mal was veröffentlicht hat – aber auf die Duisburger Demonstration gegen ACTA wurde auch nicht eingegangen.

Chance für lokale Medien verpasst?

Die Demonstrationen gegen ACTA sind ein wichtiges Thema: Die Berichterstattung in den Fernsehnachrichten zur besten Sendezeit spricht dafür und da wundert es schon ein wenig, wenn lokale Medien das ganze fast schon ignorieren und nur eher pflichtschuldig drüber berichten. Da hätte man doch viel mehr ‘raus machen können, in dem man beispielsweise die lokalen Protagonisten dazu befragt – und natürlich auch von der Demonstration aktuell berichtet.
Das gerade DerWesten, dessen Twitter-Aktivitäten bekanntlich zu den deutlich positiveren Beispielen im Journalismus zählen, hier so versagt hat, wundert mich wirklich – denn normalerweise ist man da doch deutlich mehr auf Zack.

Vielleicht war die Demonstration einfach nur am falschen Tag – am Rande der Demonstration meinte einer der Teilnehmer, der sich mit den journalistischen Verhältnissen in Dortmund gut auskennt, dass am Wochenende bei DerWesten eigentlich nichts passiert. Die einzige Ausnahme sei hier der Fußball, denn über Borussia Dortmund (BVB) berichtet man natürlich auch am Wochenende. Das erinnert mich an folgende Aussage:

“Es dürfe jedoch nicht vorkommen, daß irgendwo im WAZ-Gebiet etwas passiert und nur weil es ein Samstag ist, könne man im Internet bei der WAZ nichts davon lesen. Das dürfe nicht mehr vorkommen.”

Das sagte mal Katharina Borchert, damals Chefredakteurin von DerWesten, zu den Internet-Plänen der WAZ-Mediengruppe – im November 2006 im Rahmen des DJV-Journalistentages in Bochum. Mehr als fünf Jahre später ist man anscheinend noch nicht viel weiter gekommen…

Bilder von den STOP-ACTA-Demos in Dortmund

Ein paar der von mir gemachten Fotos von der ersten Anti-ACTA-Demonstration in Dortmund gibt es in meinem flickr set #StopACTA #Dortmund #ACTAdo. Außerdem habe ich auch eine flickr-Gruppe namens #StopACTA #Dortmund #ACTAdo angelegt, in der man Fotos von den Demonstrationen einfach hinzufügen kann (wenn man auch Nutzer von flickr ist).


7 Kommentare »

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  1. (1) Pingback by Der Ruhrpilot | Ruhrbarone @ 26. Februar 2012, 08:54 Uhr

    [...] ACTA II: Lokalkompetenz der Westfälischen Rundschau (WR), der “Zeitung für Dortmund”, bzw. von DerWesten am Beispiel der Anti-ACTA-Demos…Pottblog [...]


  2. (2) Kommentar by Fritz Wepper @ 26. Februar 2012, 14:08 Uhr

    Also meines Wissens kommt an den Twitter-Account von DerWesten nur die Redaktion von DerWesten ran, nicht aber die WR oder die WAZ, schon gar nicht ihre Lokalredaktionen. Daran wird sich auch nicht viel ändern, wenn zukünftig mal eine eigene Seite für die WR existiert. Es sei denn, die (Lokal-)Redaktion meldet einen eigenen Twitter-Account an.
    Was das Aktualisieren von Artikeln angeht, da würde ich doch mal empfehlen, genau nachzuschauen, was die RN denn eigentlich so aktualisiert haben. Meiner ganz persönlichen Meinung nach, und das kann man durchaus auch anders sehen, steht da in keiner der Aktualisierungen etwas drin, was die Welt unbedingt sofort hätte erfahren müssen. Es hätte völlig gereicht, einen Bericht “Heute ACTA-Demo” zu veröffentlichen und später Bilanz zu ziehen, wie’s denn war, und alle wären ausreichend informiert gewesen. Da wurde bei den RN vor allem deshalb aktualisiert, damit man irgendwie aktueller sein kann als die Konkurrenz, weil’s halt so vorgesehen war. Und wenn man dann schon da ist und den Blackberry im Anschlag hat, dann wird halt auch dann aktualisiert, wenn es journalistisch nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre.

    Prinzipiell bin ich aber durchaus auch der Meinung, dass das Thema ACTA in den regionalen Tageszeitungen unter Wert verkauft wird – bei beiden. Zu oft werden Agenturmeldungen oder Mitteilungen von Interessenvertretern unreflektiert veröffentlicht, ohne sie zu hinterfragen. Schade, denn vermutlich werden viele Leser (Holz wie online) wohl gar nicht so recht wissen, wie stark sie das Ganze betreffen wird.


  3. (3) Kommentar by Peter @ 26. Februar 2012, 14:15 Uhr

    Der Artikel kommt ungefähr 10 Tage zu spät. Denn die hier positiv erwähnten Ruhr Nachrichten hatten ja auch in ihrer Druckausgabe über die Demo berichtet – und ganz ehrlich: Das war eher erbärmlich und gehörte in die Kategorie “Pflichtschuldig”. Da hätte man etwas mehr erklären müssen, denn die Zeitungsleser kennen sich mit ACTA, SOPA, PIPA & Co. ja nicht wirklich aus.


  4. (4) Kommentar by Rainer Klute @ 26. Februar 2012, 14:27 Uhr

    Doch, DerWesten hat einen feinen Artikel zur Anti-ACTA-Demo in Dortmund gebracht. Besondern die Darstellung dessen, was ACTA eigentlich ist, ist gelungen – was wohl darauf zurückzuführen ist, daß DerWesten im wesentlichen die Pressemitteilung der Piratenpartei Dortmund übernommen hat. Das finde ich gut, aber ich bin ja auch, hm, parteiisch.


  5. (5) Kommentar by Marty @ 26. Februar 2012, 16:22 Uhr

    Klasse Ausarbeitung ;)
    Ich denke, dass dich die Print Medien vermutlich deshalb schwertun, weil gerade sie im Eigeninteresse harte Positionen in Sachen Urheberrecht vertreten.


  6. (6) Kommentar by Jens @ 26. Februar 2012, 19:41 Uhr

    @Fritz Wepper (2):
    Also… wo fange ich an? Am besten bei Twitter:
    Das wird wohl so sein, dass @DerWesten nur von der zentralen Online-Redaktion genutzt werden kann. Aber es gibt ja auch den erwähnten @DerWesten_DO-Account, und meines Wissens haben da Leute in den Redaktionen vor Ort Zugriff drauf.

    Aber selbst wenn an den Demotagen keiner von WAZ/WR vor Ort Zugriff auf die Twitter-Accounts hatte, ändert das ja nichts dran, dass auf die Demo nicht hingewiesen wurde – und das könnte man auch von Essen aus.

    Zu den Aktualisierungen:
    Man kann sich sicherlich darüber streiten, ob bestimmte Aktualisierungen immer notwendig waren oder nicht – aber wenigstens wurde drüber online berichtet. Das ist ja das, was Deiner Meinung nach gereicht hätte. Selbst daran fehlte es.

    Es war jetzt aber auch nicht so, dass seitens der RN drölfzig Beiträge veröffentlicht wurden, von denen ein Großteil “unwichtig” war, insofern fand ich das okay – und insbesondere auch die Interaktion mit anderen Leuten (wie mir).

    Ob die RN jetzt nur aktualisiert haben um besser als die Konkurrenz zu sein, weil es vorgesehen war – ja mei, das ist ja egal, warum sie eine bessere Berichterstattung machen, entscheidend ist: Sie haben eine bessere Berichterstattung gemacht.

    Das Thema ACTA in den Tageszeitungen:
    Ja, da hast Du recht, das wird leider zu wenig thematisiert – und auch in anderen Medien (wie den ACTA-Befürwortern ARD und ZDF) wird das ganze meiner Meinung nach nicht differenziert genug betrachtet.

    @Peter (3):
    Sorry, hatte vorher keine Zeit. :)
    Leider habe ich die Print-Berichterstattung nicht gesehen: Weißt Du noch wann das genau war?

    @Rainer Klute (4):
    Den Artikel hatte ich ja schon verlinkt und erwähnt.
    Ob es übrigens gut ist, wenn PMs quasi 1:1 übernommen werden, ist natürlich eine andere Sache. ;)

    @Marty (5):
    Ja, das könnte ein Grund sein – wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass Verlagsobere sagen: “Hey, wir sind zwar gut bei Twitter unterwegs – aber über ACTA bringen wir so gut wie nichts, weil wir ACTA toll finden!”


  7. (7) Kommentar by Fritz Wepper @ 26. Februar 2012, 20:48 Uhr

    @Jens: Ich glaube, auf den @DerWesten_DO-Account haben tatsächlich auch nur die in Dortmund sitzenden Mitarbeiter von DerWesten Zugriff, aber nicht die Lokalredaktion der WR Dortmund. Kann mich da täuschen. Klar, das Twittern hätte auch Essen übernehmen können, aber in dem Fall kann man dann glaub ich wirklich keine Lokalkompetenz für Dortmund erwarten.
    Zum Thema Aktualisierungen: Klar könnte man drüber streiten. Muss man aber gar nicht, war ja auch nur meine ganz persönliche Wahrnehmung, dass man sich das in diesem Fall hätte sparen können. Ich glaub halt, dass sich Lokalkompetenz nicht automatisch durch Anwesenheit und zwei, drei Online-Aktualisierungen einstellt. Ich will den RN-Kollegen ja gar nichts. Ist ja auch schön, dass sie da waren. Nur besser informiert als die WR/DerWesten haben sie mich in diesem Fall dadurch nicht. Wie gesagt, rein subjektive Einschätzung.
    @Marty: Ich glaub, dass sich die Printmedien eher deshalb schwertun, weil die Redakteure vor Ort, wie Peter (3) schon sagte, wohl selbst eher wenig Ahnung von der Materie haben.
    Bleibt zu hoffen, dass das Thema ACTA in den regionalen Medien auch ohne Demos weiterhin vorkommt und möglicherweise auch mal vernünftig auseinandergenommen wird.


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