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Jens Matheuszik — 31. Mai 2007, 23:53 Uhr

Interview mit Don Alphonso zu 100 Tagen Westropolis


Hinweis: Der Autor dieser Zeilen schreibt gelegentlich bei Westropolis mit und hat im WAZ-Finalblog ebenfalls für ein Blog der WAZ-Mediengruppe geschrieben.

***

WestropolisDas Kulturportal Westropolis feierte gestern die ersten 100 Tage (das Pottblog gratulierte gestern schon).

Westropolis ist insofern ein interessantes Projekt, als dass die WAZ-Mediengruppe dies auch als eine Art Vorläufer zu ihrem neuen Internet-Portal WestEins ansieht, bei dem auch die Erfahrungen von Westropolis (Ablaufprozesse usw.) berücksichtigt werden sollen.

Rund zwei Wochen nach dem Start von Westropolis verfasste der bekannte Blogger Don Alphonso (z.B. Rebellen ohne Markt), den man für seine deutlichen und direkten Worte gut kennt, den Beitrag Kommentarboykott bei den Blogs der Medien und bezog sich dabei auch direkt auf Westropolis:

[...] Aber da ist eine Sache, die ich partout nicht begreife: Inzwischen sind bei Westropolis und der Welt durchaus bekannte Blogger am Start. Vielleicht nicht durchgehend die allerbekanntesten Blogger, nicht immer ist das die erste Sahne, was dort geboten wird, aber zumindest sitzen da Blogger, die eine ganze Menge schreiben. [...] Ein Teil ganz normaler Bloginhalte sind jetzt auf Medienseiten abrufbar.

Und dann passiert es: Es geschieht so gut wie nichts. Kaum einer setzt sich hin und gibt dort einen Kommentar ab. Und das, obwohl hinter der Einstellung von Bloggern ganz sicher auch der Gedanke an Kommentatoren, Debatten und dadurch hohe Klickzahlen eine massgebliche Rolle gespielt haben dürfte. Mit der Fähigkeit, eine Online-Konversation anzufangen, steht und fällt jedes Blogprojekt; ohne Kommentare kann man auch gleich Journalismus betreiben. Bei der Welt könnte es daran liegen, dass die Blogger gut versteckt sind und manche Springer nicht mögen. Aber auch dafür ist zu wenig los. Und das, obwohl man sich nicht registrieren muss. Wie auch bei Westropolis, wo man mitunter hausintern kommentiert, aber die Mehrheit der Beiträge enden mit 0 Kommentaren.

In der sich damals entwickelnden Diskussion in den dortigen Kommentaren wurde erst einmal festgestellt, dass der Beitrag Don Alphonsos fast schon milde klang (ganz im Gegensatz zu anderen Beiträgen von ihm). Außerdem wurden dort zur eigentlichen Frage (“Warum kommentiert dort kaum einer?”) u.a. auch von mir einige Gegenargumente aufgeführt, so z.B. das “jugendliche” Alter von Westropolis. Die Seite war zu dem Zeitpunkt gerade einmal 15 Tage alt und ein Blog wird nach 15 Tagen nicht unbedingt gleich das Erfolgsblog schlechthin sein.

Jetzt – 100 Tage nach dem offiziellen Start von Westropolis – hielt ich es für angemessen den Fall aus der “Wiedervorlage” zu holen und habe dazu mit Don Alphonso ein eMail-Interview dazu geführt, das nachfolgend abgedruckt ist:

Jens Matheuszik: Don Alphonso, Du hast vor einiger Zeit in der Blogbar von einem Kommentarboykott in den Blogs der etablierten Medien geschrieben.

Übrigens auf eine Art und Weise die man entweder als “sanft” oder wie ein Kommentator es beschrieb “auf Prozac” bezeichnen könnte – ganz anders als in Deinem sonstigen Stil, der ja sonst etwas direkter und lauter ist.
Als Beispiel für den Kommentarboykott hattest Du u.a. die Blogs der WELT und der WAZ genannt und bei der WAZ vor allem deren gerade gestartetes Kulturblog Westropolis.

Deine Meinung damals war, dass dort nichts passiert. Ich zitiere:

“Kaum einer setzt sich hin und gibt dort einen Kommentar ab. Und das, obwohl hinter der Einstellung von Bloggern ganz sicher auch der Gedanke an Kommentatoren, Debatten und dadurch hohe Klickzahlen eine massgebliche Rolle gespielt haben dürfte. Mit der Fähigkeit, eine Online-Konversation anzufangen, steht und fällt jedes Blogprojekt; ohne Kommentare kann man auch gleich Journalismus betreiben.”

Ich denke die Meinung über Kommentare und den Dialog in Blogs hast Du noch genau so, oder?

Don Alphonso: Ja. Das besondere am Bloggen ist der Dialog, Einwegkommunikation hatten wir in den letzten 500 Jahren Mediengeschichte genug.

Jens Matheuszik: Damals hast Du geschrieben, dass Du nicht verstehst, warum dort so gut wie niemand kommentiert. In den Kommentaren haben einige – so auch ich – darauf reagiert, dass man das ganze so schnell ja nicht erreichen kann, da es Westropolis zu dem Zeitpunkt noch nicht lange gab und daher kaum bekannt war. In den Kommentaren wurde dann quasi “vorgeschlagen”, den Fall auf “Wiedervorlage” zu setzen. Hast Du seitdem mal wieder bei Westropolis ‘reingeschaut?

Don Alphonso: Klar. Wobei es mir schwer fällt, mich in dem Angebot zurechtzufinden, weil durch die Mischung der Autoren die Persönlichkeiten schwach rüberkommen.

Jens Matheuszik: Du hast natürlich recht, die einzelnen Autoren gehen etwas unter. Das liegt aber wohl auch alleine daran, dass es eine große Anzahl von Autoren gibt.

Insgesamt 110, davon sind sieben besonders vorgestellt und einer interviewt auch gerade hier und ist dementsprechend indirekt involviert. Spricht es aber nicht eher für Westropolis, dass dort so viele Leute bloggen? Besser als ein Blog wo kaum jemand schreibt und nur zwei Beiträge im Monat erscheinen, oder?

Don Alphonso: Wer nur zweimal im Monat schreibt, kann es auch gleich bleiben lassen, wenn er was damit erreichen will. Darunter leidet Westropolis ja: So wenig wirklich Herausragendes, Individuelles, so viel blödes Gebabbel.
Was soll sowas?

Abgeschriebene PR, danke. Bezeichnenderweise geht die Autorin gar nicht unter, sie ist gewisserrmassen eine Garantin für solche Ausrutscher.

Dialog ist doch nicht einfach nur mal einen Kommentar reinschmieren. man baut eine gewisse Beziehung zu einem Autor auf, und über die läuft dann die Kommunikation. Und zwar so, dass sie auch mehr transportiert. Bei 110 Autoren braucht man mit dem Kennenlernen gar nicht erst anfangen.

Jens Matheuszik: Was hältst Du denn dann von dem Konzept der “besonderen” Gastautoren?

Hatice Akyün, Else Buschheuer oder Johannes Groschupf sind schon bekanntere Namen und auch gerade die Beiträge des Revierflaneurs Manuel Heßling sind meiner Meinung nach lesenswert.

Don Alphonso: Zu Frau Buschheuer möchte ich aus persönlichen Gründen nichts sagen.

Anders rum: Jürgen Overkott ist ein wunderbares Beispiel dafür, warum man Journalisten nicht bloggen lassen sollte. Gruslig. Überhaupt kein Gefühl für das Medium, der verwechselt rumlabern mit Lässigkeit.

Johannes Groschupf kann dem ganzen Medium auch nichts abgewinnen und langweilt vor sich hin, was ich als Romanautor tunlichst vermeiden würde. Persönlicheit Null. Und Frau Akyün kann man mögen, ich finde ihre Attitüde jedoch etwas anstrengend.

Klartext: Bloggen muss man wollen, man muss dafür brennen und nicht abgestellt oder verdonnert werden. Und ich kann nicht glauben, dass die Macher mit dem bisherigen vor sich hinbloggen wirklich glücklich sind. Nicht, wenn man das mit
der freien Wildbahn der Blogs vergleicht.

Jens Matheuszik: Du hattest die mangelnde Zahl der Kommentare dort kritisiert bzw. hinterfragt wie es dazu kommt, dass dort kaum jemand kommentiert. Inzwischen gibt es rechnerisch gesehen 3,6 Kommentare pro Beitrag, wie mir Juliette Guttmann von WestEins sagen konnte. Das ist natürlich nichts gegen die Blogbar, aber immerhin etwas, vor allem weil wahrscheinlich die Blogbar eine deutlich höhere Medienpräsenz besitzt als Westropolis.

Don Alphonso: 3,6 Kommentare, und wieviel sind davon von den eigenen 110 Autoren, und bei wie vielen Artikeln entsteht etwas, das man als Konversation bezeichnen würde? Wieviele Gespräche mit Nutzern gibt es? Wie viele Kommentare sind substanziell? Und was bleibt dann noch übrig?

Was bei Westropolis läuft, sind – meines Erachtens billige – Aufrufe zu Listen und Charts, die kommen auch über 20 Kommentare. Und dann sind wieder 4 Beiträge mit 0-1 Kommentar.

Und was die Blogbar angeht: Wir haben zufälligerweise nicht Deutschlands grössten Regionalzeitungskonzern und 110 Autoren im Rücken.

Jens Matheuszik: Das ist natürlich ein Punkt. Ich denke man kann Blogs von Medien auch nicht unbedingt mit “normalen” – normal deutlich in Anführungsstrichen – Blogs vergleichen. Wie siehst Du denn jetzt z.B. Westropolis in Vergleich zu anderen Medienblogs wie z.B. den Welt-Blogs bzw. der Welt-Debatte, da die Angebote ungefähr zeitgleich gestartet sind?

Don Alphonso: Schwer zu vergleichen, Westropolis ist Standalone, die Welt-Blogs sind prima versteckt, dafür laufen sie teilweise schon sehr viel länger und sind von Einzelpersonen betreut. Bei der Welt ist erst mal weniger – pardon – Müll dabei, die Autoren wären greifbarer, wenn sie es mit ganzem Einsatz machen würden. Was sie aber auch nicht tun. Westropolis dagegen steht für gar nichts, es hat keinen Focus, es steht für nichts ausser viele Texte von Leuten, die keiner kennt. Wenn statt 110 nur die 10 besten schreiben würden, wäre schon viel gewonnen.

Jens Matheuszik: Westropolis hat schon einen Focus… Brennpunkt. Es geht im weitesten Sinne über Kultur. Ob nun Musik, Literatur oder Kinofilme. Da sind natürlich Geschmäcker verschieden und ich würde z.B. auch gerne Frau Gröner dort lesen, aber gerade der kulturelle Bereich hat so viele Facetten.

Findest Du, angesichts der Tatsache dass Kultur nicht unbedingt das 08/15-Standardthema in Blogs ist, es nicht sogar eher mutig, dass die WAZ-Mediengruppe hier mit einem eher schwierigeren Thema gestartet ist?

Don Alphonso: Das hängt ganz vom Kulturbegriff ab. In meinen Augen ist die Blogosphäre über weite Strecken durch und durch Kultur, und handelt von nichts anderem. Es ist eben die eigene Kultur, die da zum Ausdruck kommt, und es fällt mir schwer, da eine Grenze zur “richtigen” Kultur zu ziehen, die bei Westropolis sein soll – siehe abgeschriebenen PR-Krempel und das Rumgestöpsel mancher Autoren.

Und von der anderen Seite, der “Hochkultur” gesehen, fehlt es Westropolis einfach an fähigen Autoren, die den Anspruch einlösen könnten. Irgendwelche Videodurchgucker können halt keine tieferen Analysen ersetzen. Auch hier: Mangel an Fokus, Westropolis blubbert vor allem im Mainstream und setzt keine Akzente. Wo ohnehin schon alle sind. Gutes Feuilleton, das Kultur wieder als Gesamtansatz der Gesellschaft begreift, ist da schon wieder weiter.

Ich sage nicht, dass es das bei Westropolis nicht auch gibt, aber es geht im Brei der Massen unter. Kultur hat eben auch was mit Auswahl zu tun.

Jens Matheuszik: Was müssen Medien bei der Etablierung von Blogs beachten?

Don Alphonso: Nur drei Sachen: Zuerst Qualität, Qualität, Qualität.

Dann Engagement; was keine Rampensau ist, braucht gar nicht erst anfangen. Und Charakter. Der Blogger muss einzigartig und trennbar sein. Sowas gibt es bislang mit Thomas Knüwer, und dennoch kackt das Handelsblatt beim Versuch ab, sowas zu widerholen. Generell glaube ich ohnehin, dass man Journalisten besser nicht an ein Blog lässt, um ihnen ein paar Enttäuschungen zu ersparen.

Jens Matheuszik: Gehören nicht bei den bekanntesten und beliebtesten Bloggern hierzulande viele zu den Journalisten? Nicht nur Thomas Knüwer auch Du bist ja eigentlich Journalist. Oder sind das die wenigen Ausnahmen, die die Regel bestätigen?

Don Alphonso: Ich bin als Journalist vollkommener Autodidakt, ich hatte nie einen Lehrer, und habe nie ein Praktikum gemacht. Ich sehe aber bei Journalistik-Studenten, dass die allermeisten überhaupt keine Lust auf Blogs haben und den völlig anderen Arbeitsansatz auch nicht vertragen.

Man braucht für das “erfolgreiche” Bloggen unheimliche Rampensauqualitäten, und die werden Journalisten eher selten vermittelt. Die meisten sind heute froh, wenn sie nicht mehr raus müssen, und die Selektion über KW-Studiengänge und Numerus Clausus lässt ein ganz bestimmtes Töchterchen-Klientel in den Beruf, dem wir dann die ganze Schleimscheisserei, mit Verlaub, der angepassten Journaille verdanken. Damit kommt man aber bei den Blogs nichtg weit.

Jens Matheuszik: Westropolis ist jetzt heute 100 Tage alt geworden. Würdest Du nach den ersten 100 Tagen eher den Daumen hoch heben oder senken? Oder willst Du noch abwarten was in vielleicht weiteren 100 Tagen passiert?

Don Alphonso: Westropolis ist irgendwo und macht irgendwo was vor sich hin, es stört keinen und tut keinem weh, keiner hat was zu lachen und ob es jemand wirklich liest, weiss ich auch nicht.

Wenn das das Ziel war, 110 Leuten eine Textabsonderungsdomain zu geben: Weitermachen!

Wenn nicht: Konsequenzen ziehen und das Gute nehmen, und das Untaugliche wegkippen.

Ich sehe Westropolis als Versuch, es ist kein Beinbruch, aber ich denke, mit 10, 15 gut fokussierten Spezialthemen hätte man mehr erreicht als mit der aktuellen Textgiesskanne. Und ich habe noch immer nicht verstanden, was Westropolis eigentlich sein soll.

Don Alphonso: Und jetzt mal die Gegenfrage: Wie findest Du Westropolis? Also, jetzt mal ohne Revier- und Lyssabonus. Kannst Du das Zeug lesen?

Jens Matheuszik: Da sieht man, Du bist Journalist und versucht die klassischen Rollen Fragesteller und Antworten in Deinem Sinne umzudrehen…

Meine Meinung zu Westropolis habe ich schon an diversen Stellen veröffentlicht, ich meine sogar auch in der Blogbar.
Aber gerne nochmal:

Ich finde die Idee ein Kulturportal zu starten als eine der ersten Amtshandlungen mutig, eben weil Kultur nicht so der Selbstläufer in Blogs ist – außer man würde Netzkultur dazu zählen…
Doch das was innerhalb von nur 100 Tagen aufgezogen wurde finde ich insofern gut, als dass ich da wirklich jeden Tag im Newsreader was neues drinstehen habe und mich überraschenderweise in vielen Fällen die Themen auch wirklich interessieren.
Unlängst gab es eine Diskussion, wo z.B. im Ruhrgebiet die Sprachgrenze ist, die das Dortmunder “Woll” vom Rest des Ruhrgebietes trennt. Für die nicht-Kenner: Das “Woll” ist eine abschließende Bejahungsformel im Sinne von “Dann treffen wir uns am Stadion, woll?”. Die Grenze verläuft übrigens direkt zwischen Lütgenbimmel und Langendreer, woll!

Nachdem ich jetzt die letzte Frage selbst beantwortet habe und Fragesteller das ja eigentlich nicht machen sollten kann ich mich nur noch bei Dir für Deine spontane Bereitschaft auf die Fragen zu antworten bedanken.


15 Kommentare »

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  1. (1) Kommentar by Briefeschreiber @ 1. Juni 2007, 12:50 Uhr

    man müsste das halt mal in relation zu den visitis und clicks setzen um es ausssagekräftig zu haben.

    vielfach ist es ja auch so, dass genau dann keine kommentare zu etwas erfolgen, wenn die leser a) keine ahnung davon haben oder b) sich der meinung anschliessen.

    mit der kommentareerwartung sollte man allgemein etwas zurückhaltender sein… ist ja nun nich so, dass man ständig das bedürfnis, die zeit und die lust hat… zu kommunizieren und seine gedanken zu offenbaren. aber die erkenntnis verschieben wir dann ins web 3.0

    und bei westropolis kommt hinzu, dass ich da höchstens lesen würde bevor ich etwas konsumiere… nach dem konsumieren ist es mir schon wieder egal was da steht, denn meine meinung und mein empfinden hat sich bereits gefunden. (ausgenommen die allgemeinen thematiken)


  2. (2) Kommentar by Johannes Groschupf @ 1. Juni 2007, 12:57 Uhr

    Vielen Dank an Euch beide für das Interview. Mir geht es in vielem wie Don Alphonso. Das Gießkannenprinzip läßt die Qualität, die ja auch da ist, untergehen. Auch unter den Autoren gibt es kaum eine gemeinsame Richtung, es wirkt alles sehr beliebig. Für mich als Autor ist die vorgegebene Formatierung einschränkend. Ich kann nicht, wie sonst in Blogs, einfach mal einen einzigen Satz, ein Fragment, ein Wort, Zitat hinschreiben. So neige ich (als Westropolis-Autor) immer wieder dazu, journalistisch zu schreiben, eben einen “Artikel über etwas”. Damit fällt weg, was mir als Blogleser oft am besten gefällt: einer mäandernden Geschichte oder Überlegung zu folgen, die ganz andere Entdeckungen macht und ermöglicht als am Anfang zu erwarten war. Die Orientierung auf das Ruhrgebiet macht mir als Berliner Autor auch zu schaffen; jedenfalls gibt es zuwenige Stimmen, die das ausbalancieren. Überhaupt zuwenig Experimente; und ich schäme mich dann schon, wenn ich eine Liebesgeschichte schreibe.


  3. (3) Trackback by blog.50hz.de @ 1. Juni 2007, 22:32 Uhr

    Ich habe es wirklich versucht…

    Bislang habe mich hier in Sachen Westropolis nicht wirklich geäußert. Aus einem einfachen Grund: Ich weiß mit diesen “Kulturempfehlungen für alle und [der] Kulturkritik von allen” (Selbstbeschreibung des WAZ-Ablegers) ni…


  4. (4) Kommentar by Dennis @ 2. Juni 2007, 00:09 Uhr

    Also ich finde die Kritik an Westropolis gerade in Bezug auf die Pluralität der Autoren ein wenig unbegründet. Ich persönlich lese nicht die Texte aller Autoren, sondern nur die, die mich interessieren. Und das sind eigenartiger Weise immer die Gleichen: Jens, Revierflaneur und Johannes. Den Rest überfliege ich, wenn überhaupt. Es wird aber mit Sicherheit so sein, dass andere Leser auch anders selektieren und sich mit der Zeit an die Autoren gewöhnen und sich “kennenlernen”. Qualität ist doch gerade beim Bloggen schwer objektivierbar, wenn es nicht wirklich vollkommener Müll ist. Und den habe ich bei Westropolis noch nicht entdeckt.
    Mainstream ist Westropolis für mich deshalb nicht, weil es in seiner Existenz einzigartig ist. Ich kenne kein anderes Blog mit 110 Autoren. Mainstream mag das Ziel sein Leser zu gewinnen. Das finde ich legitim. Abstriche muss Westropolis bei der Authentizität der Autoren machen. Die Tatsache, dass sie für einen Medienkonzern schreiben und nicht für sich selbst, verändert die Wort/Themenwahl. Zumindest glaube ich das. Ich persönlich würde dort anders formulieren als in meinem eigenen Blog. Ich finde es im Großen und Ganzen gelungen. Ein Vergleich mit einem persönlichen Weblog hinkt ohnehin.


  5. (5) Kommentar by Jens @ 2. Juni 2007, 11:25 Uhr

    @Briefeschreiber:
    Ja, das ist auch ein Phänomen. Redundante Kommentare wie “Ich sehe das auch so!” werden teilweise ja in Blogs sogar gelöscht. Sprich: Ein Blog was eher polarisiert wird eher Kommentare bringen als eines welches da eher einen “Weichspül”-Kurs fährt.

    @Johannes:
    Hmm… gibt es eine Mindestmenge an Zeichen oder sonstige Formalismen? Du schreibst ja von “vorgegebener Formatierung”.
    Du könntest aber doch einfach auch nur das Zitat des Tages bloggen, es verlangt niemand Bleiwüsten (wobei ich die manchmal auch schreibe).

    @Dennis:
    Klar schreibt man bei Westropolis anders als im eigenen Blog. Hier bei mir im Blog kann ich auch mal über Nonsens schreiben, mich über dann doch noch zugestellte Pakete freuen, während so etwas eher weniger bei Westropolis landen würde.


  6. (6) Kommentar by Andreas @ 2. Juni 2007, 14:15 Uhr

    Die Kritik am sogenannten Gießkannenprinzip zielt also letztlich auf das Prinzip von Westropolis: Texte von allen für alle. Westropolis soll ja wohl kein Blog im eigentlichen Sinne sein, sondern ein Forum – sozusagen ein volldemokratisches Speaker’s corner für Kulturthemen. Klar, dass da nicht alle Texte völlig ausgegoren und geschliffen sind – sollen sie auch gar nicht. Klar, dass da auch Mainstream stattfindet – aber warum auch nicht. Das ist nun mal so, wenn man Pluralismus exerziert. So tickt jedes demokratisch organisierte System. Der Vorschlag, nun wieder zu sortieren (die guten ins Netzchen …) ist dagegen ein elitärer Ansatz. Man kann das unter dem Gesichtspunkt Textqualität so diskutieren – aber es widerspricht eben der jetzigen Leitlinie von Westropolis.


  7. (7) Kommentar by Jens @ 2. Juni 2007, 22:48 Uhr

    @Andreas:
    Wobei natürlich Westropolis da scheinbar einen Spagat versucht:
    Einerseits kann wirklich jeder mit machen, man muß sich ja zum Veröffentlichen nicht registrieren, sondern kann den Artikel einfach so hochladen und nach (logischerweise vorzunehmender) Kontrolle wird der Artikel freigeschaltet.

    Dennoch gibt es neben den zahlreichen “festen freien Autoren” (so wie ich es einer bin) ja auch die “Premiumautoren”.


  8. (8) Kommentar by th @ 3. Juni 2007, 08:26 Uhr

    Und wo ist da jetzt der Spagat?


  9. (9) Kommentar by Jens @ 3. Juni 2007, 14:22 Uhr

    @th:
    Der Spagat ist der, dass man einerseits allen ein Podium bietet und andererseits einige davon hervorhebt.

    Mich würde jedoch vielmehr interessieren, ob meine Vorschläge/Wünsche bzgl. Westropolis ggf. umgesetzt werden. Autorenscharfe RSS-Feeds sind kein Problem, die sind ja schon in der Software umgesetzt, nur im offiziellen Layout noch nicht vorgesehen.


  10. (10) Kommentar by th @ 3. Juni 2007, 14:53 Uhr

    Verstehe ich immer noch nicht, was jetzt das Problematische sein soll, das Hervorheben derjenigen, die regelmäßiger Beiträge liefern als andere? Vielleicht zeigen Sie mir ein vergleichbar offenes Projekt mit gleichzeitiger Präsenz von Laien und Profis.

    Zu den technischen Fragen kann ich nichts sagen, ich bin nur der AvD (= Admin vom Dienst), der am Wochenende bei Westropolis aufpassen muß.


  11. (11) Kommentar by Jens @ 3. Juni 2007, 14:57 Uhr

    Wer redet vom Problem? Ich habe von einem Spagat geschrieben. Ich habe nicht geschrieben, dass der Spagat (ggf. gar schmerzhaft!) scheitert.


  12. (12) Kommentar by Andreas F. @ 4. Juni 2007, 10:26 Uhr

    @Andreas (der Andere): Pluralismus und gelebte Demokratie sind schöne Worte. (Nur mal am Rande, ist die “Regierung” aka Geschäftsleitung von Westroplis tatsächlich demokratisch gewählt? Das würde mich doch arg verwundern bei einer GmbH & Co KG). Aber darum gehts mir eigentlich nicht. Sondern um:

    Die Aussage klingt für mich, als wenn “Masse statt Klasse” ein gewünschtes Ziel von Westropolis sei.

    Nur was macht es dann für den Leser/Besucher (der das Projekt nicht mit Autorenstolz betrachtet) interessant, wo es doch schon (ich sach jetz ma) tausende von Blogs gibt, die zum gleichen Thema (“Kultur”) schon lange schreiben?

    Westropolis ist für mich ein unscharfes quasi anonymes Gebilde aus dem WAZ-Dunstkreis ohne Charakter und ohne Persönlichkeit.

    Ich weiss nicht, wie es bei Anderen ist, doch zumindest ich lese (und kommentiere) gerne in Blogs mit eigenem Charakter, bei denen man die dahinterstehenden Menschen etwas direkter “spürt”.


  13. (13) Kommentar by Jens @ 4. Juni 2007, 22:09 Uhr

    @Andreas F.:
    Das wiederum ist dann der Vorteil von den “Special Blogs” dort.


  14. (14) Kommentar by Andreas @ 5. Juni 2007, 01:26 Uhr

    @ Andreas (der Andere). Ich sehe Westropolis in erster Linie als Ort im Netz, wo sich kulturell interessierte Menschen austauschen können, wobei das Verbindende der regionale Aspekt ist. Es ist ein offenes, regionales Forum – und insofern ein Angebot, das sich vom Blog als Form der Kommunikation unterscheidet. Letzterer ist stark individuell und subjektiv, auf Westropolis ist ein Chor aus vielen Stimmen. Die einzelne herauszuhören ist für den Zuhörer mitunter schwierig. Man muss genauer hinhören, das ist wahr. Westropolis ist bunt und ein Experiment. Und wie alle Experimente im Ergebnis offen. Umgekehrt wirft die Kritik, man setze auf Masse statt Klasse ziemlich viele Fragen auf: Was ist eigentlich Klasse? Gibt es eine Klassengesellschaft der Kulturkritik? Und was ist dann Masse? Ist Masse unter kulturellen Aspekten von übel? Und wer entscheidet das? Ich könnte es nicht ohne Bauchweh …


  15. (15) Kommentar by Andreas F. @ 5. Juni 2007, 10:23 Uhr

    “kulturell interessierte Menschen” – hmmm … gibt es denn überhaupt Menschen, die das nicht sind, oder ist bei solch einer Aussage das eigene Kulturverständnis nur nicht weit genug, so dass man das kulturelle Interesse anderer Menschen nicht als solches erkennt?

    Ein Chor, bei dem es alleine darum geht möglichst viele unterschiedliche Stimmen, ohne Dirigenten und ohne Komponisten und ohne Regeln (jeder ist sein eigener Dirigent und Komponist) zu haben, führt dazu, dass bei immer größer werdender Anzahl von Teilnehmern jede einzelne Stimme in der (Anonymität der) Masse immer mehr untergeht und für sich selbst nicht mehr herausgehört werden kann, egal wie sehr man sich bemüht.

    Die kulturelle Vielfalt der Individuen wird nicht mehr als solche wahrgenommen. Der einzelne Mensch ist dabei nur noch Statist, ein Rädchen im Kulturexperiment.

    Menschen neigen aber nun mal dazu, gerne mit anderen Menschen zu kommunizieren – weniger mit anonymen Rädchen.


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